Donnerstag, 29. Juli 2010

Handel

Springer steht zum Presse-Grosso

„Unser Unternehmen bekennt sich ganz klar und eindeutig zum bestehenden Pressevertriebssystem und zur 'Gemeinsamen Erklärung'. Wir haben dieses erfolgreiche System über Jahrzehnte im Wesentlichen mit aufgebaut und wir wollen es selbstverständlich erhalten.“ Mit dieser klaren Aussage nahm Rudolf Knepper (Bild), im Vorstand der Axel Springer AG für Technik, Logistik und Personal verantwortlich, auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 10. März zur anhaltenden Diskussion um die Zukunft des deutschen Pressevertriebssystems Stellung.

Auch wenn er es ausdrücklich ablehnte, sich zu Haltung und Vorgehen anderer Verlage zu äußern, verbindet Knepper mit dieser Äußerung wohl nicht nur die Absicht, Vertrauen beim hochgradig beunruhigten deutsche Presse-Grosso herzustellen. Als weiteren Adressaten von Kneppers Stellungnahme darf man die Bauer Media Group vermuten. Diese nämlich liegt seit geraumer Zeit nicht nur mit zwei Presse-Grosso-Betrieben im Rechtsstreit. Auf der Vorstandssitzung des VDZ-Fachverbandes Die Publikumszeitschriften in der letzten Woche lehnte Bauer zudem ein Bekenntnis zur Gemeinsamen Erkärung von 2004 offenbar ab. Eine Haltung, mit der der Verlag sich im Kreis des VDZ isoliert hat.

Denn das Ziel der Gemeinsamen Erklärung bestand vor allem darin, qua Selbstverpflichtung gesetzgeberische Eingriffe in das komplizierte Verhältnis von Verlagen und Presse-Grosso überflüssig zu machen. Noch beim letzten Gespräch von Branchenvertretern mit Ministerialbeamten des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Bernd Neumann sowie des Bundeswirtschaftsministeriums Mitte Februar dieses Jahres hatten diese darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung das Presse-Grosso nach wie vor als unverzichtbaren Teil der auf Vielfalt und Qualität ausgerichteten Medienordnung betrachte und die Politik sich in der Verantwortung sehe, weiterhin auf die Einhaltung der Gemeinsamen Erklärung zu achten.

Wenn aber ein Großverlag wie Bauer aus diesem Konsens ausschert, muss die ganze Branche fürchten, dass nun doch die Politik auf dem Wege der Gesetzgebung in das bislang von der Branche weitgehend autonom geregelte Verhältnis zwischen Verlagen und Presse-Grosso eingreift - mit allen Unwägbarkeiten, die damit verbunden wären. 


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(sgo) 12.03.2010


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