Wirtschaftliche und politische Herausforderungen für Presse

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Der erneute und deutliche Rückgang des Vertriebsgeschäft der Zeitungen und Zeitschriften und darüber hinaus die Bedrohung der freien Presse bildeten die Leitthemen im ersten Teil der öffentlichen Veranstaltung, die im Rahmen der Jahrestagung des Bundesverbandes Presse-Grosso heute (11.9.) in Baden-Baden stattfindet.

In der Rede, mit der er am Vormittag die Tagung eröffnete, verwies Frank Nolte (Bild), 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Presse-Grosso, auf den erheblichen Umsatzrückgang hin, der im Pressevertriebsgeschäft des Pressegroßhandels im ersten Halbjahr 2018 festzustellen sei. Auch die Produkte und Publikationen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft hätten, bedingt durch das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft aus dem Turnier, nicht die erhoffte Kompensation erbracht.

Dessen ungeachtet ist nach Noltes Einschätzung das deutsche Presse-Grosso auf gutem Wege. "Wir werden bis Ende dieses Jahres noch einige weitere große Fusionen in unserer Branche sehen, in deren Folge Unternehmen mit einer Jahresumsatzgröße von mehr als 100 Mio. Euro, teils auch von 200 bis 300 Mio. Euro entstehen", erklärte Nolte. Dank dieser Größe seien diese Betriebe nicht nur besonders robust aufgestellt, sondern besäßen auch gute Chancen, mit Erfolg in Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Pressevertriebs vorzustoßen.

Die seit Anfang März geltende neue Handelsspannenregelung bringe dem Presse-Grosso zwar schmerzliche Erlöseinschnitte, ist nach Noltes Einschätzung jedoch im Markt weithin akzeptiert. Dies gelte auch für die seit Anfang September wirksame Mindestumsatzregelung. "Für die Aufregung einiger weniger Verlage um die Mindestumsatzregelung habe ich kein Verständnis", sagte Nolte mit Blick auf eine entsprechende Beschwerde des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage beim Bundeskartellamt. "Wir halten die Regelung für diskriminierungsfrei."

Erfreut zeigte er sich über den Verkaufstest, der seit kurzem in Filialen des Lebensmitteldiscounters Aldi-Süd läuft. In anderen Unternehmen hingegen, darunter Lidl, werden derzeit die Angebotsflächen für Presse verkleinert, oder es bestehen entsprechende Überlegungen. "Das Presse-Grosso und die Verlage müssen auf die veränderten Anforderungen des Handels reagieren", forderte er.

Im Anschluss an Noltes Eröffnungsrede hielt Moritz Freiherr Knigge einen Vortrag über die Wirksamkeit einen wertschätzenden zwischenmenschlichen Umgangs. Dabei wies er darauf hin, dass 90 Prozent der Deutschen sich mehr Höflichkeit im Alltag wünschten. Er empfahl unter anderem, dass jeder bei sich selber beginne, dieses Defizit zu füllen.

In seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Fachverbandes Publikumszeitschriften des VDZ äußerte Philipp Welte, Vorstandsmitglied von Hubert Burda Media, sich besorgt, ja alarmiert von der Entwicklung der Pressefreiheit in Europa und von den Anfeindungen, die der Journalismus auch in Deutschland zu gewärtigen hat. "Unser Auftrag, eine freie Presse zu gewährleisten, ist so wichtig wie nie zuvor", betonte Welte. Denn diese bilde eine unverzichtbare Bedingung für die Pluralität der Meinungen und die Funktionsfähigkeit der Demokratie. Die Frage des Erfolgs der digitalen Transformation und der Evolution, die die deutschen Verlage seit 20 Jahren betreiben, sei vor diesem Hintergrund nicht nur eine Frage des ökonomischen Erfolgs der Verlagsindustrie, sondern besitze auch erhebliche gesellschaftspolitische Bedeutung. Aufgrund des anhaltenden Rückgangs des Anzeigengeschäfts komme dabei dem Vertriebsgeschäft eine entscheidende Bedeutung zu.

Welte betonte erneut, dass das Ziel der Verlagsallianz, die die jüngste Konditionenvereinbarung mit dem Presse-Grosso maßgeblich für die Verlagsseite ausgehandelt hatte, darin bestehe, das Pressevertriebssystem zu erhalten und zukunftsfähig zu machen. "Wir begrüßen die anhaltenden Konsolidierungsschritte des Presse-Grossos, und wir ziehen den Hut vor Ihrem Mut und Ihrer Bereitschaft, das System zu reformieren", sagte Welte. Selbstkritisch fügte er hinzu: "Was wir von den Grossisten verlangen, ist für die Verlage noch überwiegend Utopie." Viel zu oft noch kämpften die Verlage für ihre Interessen vereinzelt, statt ihre Interessen und Fähigkeiten zu vereinen.

An Frank Nolte richtete er seinen persönlichen Dank für seine zwar harte, aber immer klare Verhandlungsführung in der Auseinandersetzung um die neuen Handelsspannen. "Ich bin zuversichtlich, dass es uns gemeinsam gelingt, das System in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", betonte Welte.

Nach Philipp Weltes Ansprache stellte Dr. Jörg F. Maas, Geschäftsführer der Stiftung Lesen, einige der vielfältigen Aktivitäten und Initiativen seiner Organisation vor, die Lesefähigkeit der Bürger zu verbessern. Hier leisten auch Presseverlage und das Presse-Grosso, etwa beim Projekt 'Zeitschriften in die Schulen', wichtige Beiträge. Angesichts von 7,5 Mio. funktionellen Analphabeten in Deutschland bilde das Problem eine dauerhafte Aufgabe, deren Bewältigung nicht nur für das Geschäft mit dem gedruckten Wort eine Rolle spiele, sondern auch erhebliche Bedeutung für die gesellschaftliche Kommunikation ingesamt und damit für die Demokratie besitze.



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(sgo) 11.09.2018


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