Grosso-Vorsitzender Nolte fordert stärkere Berücksichtigung des Verursacherprinzips bei den Handelsspannen

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Bei den Handelsspannen für Presseprodukte sollten nach Ansicht des 1. Vorsitzenden des Bundesverbandes Presse-Grosso Frank Nolte das Verursacherprinzip künftig stärker als bisher berücksichtigt werden. "Billigtitel und Me-too-Produkte mit hohen Remissionsquoten, die das Vertriebssystem stark beanspruchen, sollten zu den Kosten mehr beitragen, als dies gegenwärtig der Fall ist", sagte Nolte in seiner Rede, mit der er am heutigen Dienstag (13.9.) die Jahrestagung des Bundesverbandes Presse-Grosso eröffnete. Die derzeitige Vereinbarung über die Handelsspannen, mit denen der Anteil des Pressegroßhandels am Vertriebserlös bemessen wird, läuft Ende Februar 2018 aus.

Nolte erwartet für die Verhandlungen über die Neuregelung der Handelsspannen vor allem Auseinandersetzungen zwischen den Verlagen, weil eine Umverteilung der Vertriebserlöse ausschließlich zwischen ihnen möglich sei. Weitere Zugeständnisse seitens des Presse-Grossos hingegen würden die Leistungskraft der Pressegroßhandlungen einschränken, woran die Verlage nicht interessiert sein könnten. "Verlage, Presse-Grosso und Einzelhandel sitzen im selben Boot", betonte er vor diesem Hintergrund.

Angesichts des abgeschwächten, jedoch nicht gestoppten Rückgangs der Erlöse im Pressevertrieb stellte Nolte fest, dass die Zeit der hochauflagigen Publikumszeitschriften zu Ende gehe. "Zugleich machen die vielen neuen Titel, die die Verlage beispielsweise in den Segmenten Food, Living und Landmagazine mit Erfolg lancieren, der Branche Mut", sagte er.

Printmedien nehmen Ankerfunktion ein

Nach einem Grußwort der Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen, die dem Verband zur 60. Jahrestagung in der Stadt gratulierte, gab Stephan Grünewald, Managing Partner des Markforschungsunternehmens Rheingold Institut, einen Ausblick auf die gegenwärtige psychische Konstitution der deutschen Gesellschaft und ihre Wirkung auf die Mediennutzung. In einer 'gekränkten Gesellschaft', als welche Grünewald die deutsche charakterisierte, hätten insbesondere Printmedien gute Marktchancen, die als Leitmedien eine Ankerfunktion einnehmen, oder aber den Lesern - wie etwa die Mindstylemagazine wie Happinez - eine legitimierte Selbstversöhnung bzw. träumerische Selbsterweiterung verschaffen.

In einer kritischen Reflexion über den Vertrauensverlust, den Medien bei Teilen des Publikums derzeit erleiden, identifizierte Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, vier Ursachen für diese Erscheinung: Die fortschreitende Skandalisierung, mit der Medien berichten, die Konformität, mit der Medien bestimmte Themen bearbeiten und bewerten, der Eindruck von Aktivismus, dass also die Medien unisono für bestimmte Standpunkte und Sichtweisen Partei ergriffen, sowie der Umgang mit Fehlern. An diesen Ursachen müssten die deutschen Medien, die nach seiner Einschätzung gleichwohl und noch immer zu den besten der Welt gehörten, dringend arbeiten, so di Lorenzo.

Zum Abschluss des Vormittags führte der Moderator Claus Strunz ein Gespräch mit Dr. Stephan J. Holthoff-Pförtner, Gesellschafter und Verleger der Funke Mediengruppe in Essen. Darin gab Holthoff-Pförtner Einblick in seine Erwartungen bezüglich der Digitalisierung der Medien, aber auch seine Leitlinien für die Ausrichtung der Funke Mediengruppe. "Wir glauben an Print, und wir nehmen die Verantwortung, die den Medien als vierter Gewalt zukommt, sehr ernst", sagte er. "Wir wollen vor allem für den unabhängigen Journalismus in unserem Haus gute Bedingungen bieten, damit wir dieser Verantwortung gerecht werden."

Bezüglich des Pressevertriebs sagte er: "Das Privileg des Presse-Grossos ist politisch und juristisch klug begründet, denn es dient der Vielfalt und Freiheit der Presse. Niemand sollte dieses System aus eigennützigen Gründen gefährden."

Verleger und Chefredakteure stellen Erfolgskonzepte vor

Der nachmittäglicher Teil der Veranstaltung hob an mit einem Interview, das Claus Strunz mit dem Sportmoderator Gerhard Delling führte, der nicht nur zahlreiche Anekdoten aus seinen beruflichen Erlebnissen beisteuerte, sondern auch nachdenkliche und kritische Überlegungen über das wirtschaftliche und mediale Gewicht, das die Gesellschaft dem Fußball zumisst, anstellte.

In der abschließenden Podiumsdiskussion stellten Sinja Schütte, Chefredakteurin der Zeitschriften Living at Home und Flow, Dr. Lucas von Bothmer, Chefredakteur der Zeitschrift Jäger, und Christoph Schwennicke, Verleger von Cicero, die Konzepte und Erfolgsgeheimnisse ihrer Titel vor. Bei allen Unterschieden zwischen den Themenfeldern, mit denen ihre Magazine sich befassen, teilten die drei Diskutanten die Überzeugung, dass leidenschaftlicher Journalismus gerade in Printmedien eine wirtschaftliche Zukunft besitze.

Der öffentliche Teil der Grosso-Jahrestagung findet heute abend seinen Ausklang mit dem Grosso-Treff, auf dem die Pressegroßhändler mit ihren Partnern aus Verlagen und Nationalvertrieben, Dienstleistern des Pressevertriebs sowie Vertretern der anderen Vertriebssparten zusammenkommen.

Die Tagung wird am Mittwochvormittag mit der Hauptversammlung der Mitglieder des Bundesverbandes Presse-Grosso fortgesetzt. Am Mittwochnachmittag folgt das Logistik- und Vertriebsforum des Verbandes.



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(sgo) 13.09.2016


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