Funke legt Zukunfts- und Sparprogramm auf

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Im Zuge des Zukunftsprogramms Funke 2022 will das Medienhaus aus Essen in das Digitalgeschäft investieren und im Printbereich sparen. Im Bild die kürzlich bezogene neue Unternehmenszentrale. Foto: Funke Mediengruppe.

Unter dem Namen Funke 2022 hat die Funke Mediengruppe heute ein Zukunftsprogramm für ihre Regional- und Lokalmedien vorgestellt. In diesem Zusammenhang hat der Medienkonzern aus Essen, zu dem u.a. die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost und die Thüringer Allgemeine gehören, einerseits gezielte Investitionen, andererseits aber auch eine Reihe von Sparmaßnahmen angekündigt. Dazu zählen unter anderem die Einstellung einer Lokalausgabe und einer Produktvariante im Tageszeitungsbereich, die Schließung einer Druckerei, die Zusammenlegung von Wochenblättern und die Zentralisierung von Werbevermarktung und Vertrieb.

„Mehr denn je brauchen wir guten, verlässlichen Regional- und Lokaljournalismus. Wir dürfen uns aber nichts vormachen, seine Zukunft ist extrem gefährdet“, sagt Ove Saffe, der für das Zeitungsgeschäft verantwortliche Geschäftsführer. „Die Kosten für die Zeitungszustellung haben sich auch aufgrund staatlicher Maßnahmen drastisch erhöht, die Zustellung wird dadurch immer schwieriger. Wenn wir die Entwicklung unserer Auflagen und der Werbeerlöse in die Zukunft fortschreiben und Belastungen wie steigende Papierpreise hinzurechnen, wird deutlich, dass wir den Schalter jetzt umlegen müssen. Genau das tun wir: Wir schaffen ein Umfeld, in dem unabhängiger und professioneller Regional- und Lokaljournalismus gedeihen kann.“

Ausbau von digitalen Bezahlangeboten

Im Fokus von Funke 2022, teilt das Unternehmen mit, stehen drei Ziele: Die Konsequente Ausrichtung auf digitale Produkte bei gleichzeitiger Stabilisierung der Printtitel; die Schaffung von Freiräumen für Investitionen in neue Produkte durch Kosteneinsparung; und das Nutzen von Wachstumschancen im Newsmarkt.

Ein Schwerpunkt ist der Ausbau digitaler journalistischer Bezahlangebote. In Hamburg hatte Funke bereits im September 2018 damit begonnen, die redaktionellen Prozesse bei den Regionalzeitungen auf das User-First-Prinzip umzustellen (dnv-online berichtete). Diesen Weg will das Medienunternehmen weiter gehen. Die Redaktionen in Nordrhein-Westfalen seien in der vorletzten Woche gestartet, die Berliner Morgenpost folge im März, danach kommen die Titel in Braunschweig und Thüringen an die Reihe. Ove Saffe: „Die Ergebnisse sind sehr ermutigend, wir verzeichnen beim Hamburger Abendblatt eine Steigerung der Digital-Abo-Abschlüsse um fast 300 Prozent seit Juli vergangenen Jahres. Auch in Nordrhein-Westfalen ist bereits nach wenigen Tagen eine dynamische Entwicklung nach oben erkennbar.“

Zudem verweist der Funke-Geschäftsführer auf die Einrichtung der neuen Staabsstelle „Digitale Transformation“ unter der Leitung von Dr. Ruth Betz und Carsten Erdmann: „Hier geschieht nicht weniger als eine Kulturrevolution: Die Standorte entscheiden und priorisieren gemeinsam, was wann wie geschieht, und liefern dann schnell Resultate. Das ist eine Blaupause für uns: 2022 soll die gesamte Mediengruppe agil ‚ticken‘.“

Andreas Schoo, der für digitale Aktivitäten zuständige Geschäftsführer, betont, dass Funke auch an anderer Stelle weiter in das Digitalgeschäft investieren will: „Unsere Investitionen in journalistische Innovationen wie den Datenjournalismus und digitales Storytelling sind teuer und zahlen sich oft erst nach Jahren aus. Sie sind aber wichtig, um auch künftig Leserinnen und Leser für unsere Titel zu gewinnen. Und natürlich wollen wir uns auch die Möglichkeit offen halten, in die Übernahme von Produkten zu investieren, die zu unserem Regional- und Lokalportfolio passen.“

Sparprogramm im Zeitungsgeschäft 

Der Tageszeitungsbereich soll im Rahmen von Funke 2022 auf maximale Kosteneffizienz getrimmt werden. Teil der Neuausrichtung sei ein strategisches Kostensenkungsprogramm an allen Standorten, das auch Personalabbau beinhaltet, heißt es weiter. Darüber habe man am heutigen Donnerstag, den 7. Februar die Betriebsräte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Bereiche informiert.

Konkret soll in Nordrhein-Westfalen die Ausgabe der Westfalenpost in Warstein eingestellt werden. Sie sei „trotz großer Anstrengungen seit Jahren schon nicht mehr wirtschaftlich zu führen“, teilt Funke mit. Aufgrund der strukturell rückläufigen Tageszeitungsauflagen seien zudem die beiden NRW-Druckereien in Essen und Hagen jeweils nur noch etwa zur Hälfte ausgelastet. Deswegen ist geplant, die Druckaktivitäten an dem größeren Standort Hagen zusammenzuführen. Diese Maßnahme wird durch ein umfassendes Investitionsprogramm im niedrigen zweistelligen Millionenbereich flankiert. In Hagen entstehe ein hocheffizienter Betrieb mit neuen Arbeitsplätzen. Mit den Mitarbeitern des Essener Betriebes bzw. deren Vertretern werde „zeitnah darüber beraten, inwiefern Beschäftigungen am Standort Hagen möglich sind“.

Für die Berliner Morgenpost prüft Funke aktuell "Möglichkeiten eines effektiven Digitalkurses". Außerdem wird das Kompaktformat eingestellt. Und in Thüringen sollen "Szenarien erarbeitet werden, wie eine Versorgung der Leserinnen und Leser in ländlichen Gebieten mit digitalen Angeboten gewährleistet werden kann."

Auch die Zentralredaktion in Berlin soll sparen. Dort werden die Aufgaben des Service-Ressorts ausgelagert und Redakteursstellen in der Produktion abgebaut. „Die Zentralredaktion ist für uns überaus wichtig, sie ist eine unüberhörbare publizistische Stimme in Deutschland geworden. Das wird auch so bleiben. Allerdings werden wir von Berlin aus künftig straffer und standardisierter die Regionaltitel beliefern“, so Ove Saffe.

Der Vertrieb werde ebenfalls weiter optimiert und zentralisiert, heißt es weiter. Darüber hinaus sei eine Neuaufstellung der kaufmännischen Bereiche vorgesehen.

Resultierend aus dem stetig rückläufigen Print-Werbegeschäft werden in Braunschweig die Wochenblattaktivitäten reduziert. In Hamburg ist eine zentrale Redaktion für alle Wochenblätter geplant. Die Digitalisierung habe die Werbevermarktung so radikal verändert, dass auch hier eine grundlegende Anpassung der Strukturen und Prozesse notwendig sei. Ziel ist eine sinnvolle Zentralisierung bei gleichzeitiger Schaffung schlagkräftiger Teams vor Ort. „Die Neuaufstellung der Vermarktung ist eine besondere Herausforderung. Wir müssen hier ganz neu denken und kommen leider nicht am Abbau von Stellen vorbei“, so Ove Saffe.

Lesen Sie dazu auch:

Neue Stabsstelle soll digitale Transformation der Funke Mediengruppe steuern (6. Februar 2019)

Funke Mediengruppe verfehlt Umsatzziel für 2017 (8. Januar 2019) 


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(jf) 07.02.2019


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