Pressedistribution: Deutsche Post plant starke Preiserhöhung für niedrige Gewichtsklassen

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Die Deutsche Post will die Preise für Pressedistribution nur im Durchschnitt um rund 2,8 Prozent erhöhen. In Einzelfällen könnte es zu drastischen Abweichungen kommen/ Foto: DPDHL Group

Die Deutsche Post plant nun doch massive Preiserhöhungen in der Pressedistribution. Betroffen sind vor allem Tageszeitungen mit einem Gewicht von weniger als 140 Gramm. Diese sollen ab 2019 zwischen zehn und 40 Prozent mehr zahlen als in diesem Jahr. Laut der aktuellen Preisvereinbarung für die Jahre 2017 bis 2019 sollten die Preise im kommenden Jahr um 2,8 Prozent steigen - das hatte das Unternehmen noch vor einigen Wochen bekräftigt (dnv-online berichtete).

Beim Blick auf die bereits veröffentlichten Preislisten der Deutschen Post offenbart sich nun folgendes Bild:

Zustellpreise pro Postvertriebsstück für Tageszeitungen in 2019 (Auszug)

Gewicht in GrammStückpreis 2018Stückpreis 2019Erhöhung
weniger als 3027,9139,5041,53%
30 bis < 4028,6739,5037,77%
40 bis < 5029,4739,5034,03%
50 bis < 6030,2239,5030,71%
60 bis < 7031,0139,5027,38%
70 bis < 8031,7939,5024,25%
80 bis < 9032,5839,5021,24%
90 bis < 10033,3339,5018,51%
100 bis < 11034,1039,5515,98%
110 bis < 12034,8839,9114,42%
120 bis < 13035,6340,2412,94%
130 bis < 14036,4240,5411,31%
140 bis < 15037,1840,879,92%
150 bis < 16037,9641,168,43%
160 bis < 17038,7341,537,23%
170 bis < 18039,4941,825,90%
180 bis < 19040,3042,164,62%
190 bis < 20041,0642,483,46%
200 bis < 21041,8543,113,01%

Wie die Tabelle zeigt, wurden die Preise für die Gewichtsklassen unter 100 Gramm vereinheitlicht. Die geplanten Preiserhöhungen liegen in diesem Bereich pro Gewichtsklasse allesamt über 2,8 Prozent, im Extremfall bei einem Sendungsstück mit weniger als 30 Gramm sogar bei 41,53 Prozent. Erst ab den Gewichtsklassen ab 210 Gramm betragen die Preiserhöhungen rund 2,8 Prozent.

Bei den Wochentiteln sind von den überdurchschnittlichen Preiserhöhungen die Gewichtsklassen unter 100 Gramm betroffen. Dort liegen die Preiserhöhungen gerundet zwischen drei und zehn Prozent. In diese Gewichtsklassen fallen auch Zeitschriften, beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Woche.

Zustellpreise pro Postvertriebsstück für Wochentitel in 2019 (Auszug)

Gewicht in GrammStückpreis 2018Stückpreis 2019Erhöhung
weniger als 3035,9439,59,91%
30 bis < 4036,2739,58,91%
40 bis < 5036,5739,58,01%
50 bis < 6036,9239,56,99%
60 bis < 7037,1839,56,24%
70 bis < 8037,5439,55,22%
80 bis < 9037,8639,54,33%
90 bis < 10038,1739,53,48%

Mit Blick auf die Preislisten fällt ebenfalls auf, dass die Deutsche Post die Stückpreise für die Zustellung von Tages- und Wochentiteln in den Gewichtsklassen unter 210 Gramm und über 740 Gramm angleichen will. Bisher waren die Preise für die Zustellung von Tageszeitungen im Bereich unter 210 Gramm niedrigerer als bei den Wochentiteln, während sie in allen darüberliegenden Gewichtsklassen höher waren.

Die Deutsche Post hatte dem Vernehmen nach gegenüber den Zeitungsverlagen argumentiert, dass die Preiserhöhungen in einzelnen Gewichtsklassen zwar höher sind, im Durchschnitt aber den vereinbarten Wert von rund 2,8 Prozent ergeben. Dies liegt daran, dass die Stückpreise für die Gewichtsklassen über 610 Gramm ebenfalls vereinheitlicht wurden, nämlich auf 95 Cent. Dadurch liegt die Preiserhöhung in diesen Gewichtsklassen deutlich unter 2,8 Prozent – größtenteils wurden die Preise gegenüber dem Vorjahr sogar gesenkt.

Die Rechnung ist allerdings nur scheinbar richtig, denn von den geschilderten Preisvorteilen bei einem Stückgewicht von mehr als 610 Gramm profitieren Zeitungen nur selten. Auf der anderen Seite kann die deutlich stärkere Erhöhung der Preise bei niedrigen Gewichtsklassen ernsthafte Folgen auf der Kostenseite mit sich bringen – wie der Fall der jungen Welt zeigt.

junge Welt gerät in "Existenznot"

Die junge Welt, herausgegeben vom Verlag 8. Mai, wäre bei einer Durchsetzung der genannten Preisliste mit einer Preissteigerung von durchschnittlich 28,5 Prozent konfrontiert. Dies erklärt Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer des Verlags 8. Mai, gegenüber DNV. In Summe würden dadurch Mehrkosten von 90.000 Euro für das kommende Jahr entstehen. "Das Dreifache der Summe, die alle anderen Vertriebsdienstleister zusammengenommen an Preiserhöhungen vom Verlag verlangen", sagt Koschmieder.


Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer des Verlag 8. Mai/ Foto: Verlag 8. Mai

Gegenüber der jungen Welt hätte die Deutsche Post die Veränderungen in der Preisstruktur mit einer "überproportional negativen Stückkostenentwicklung durch beschleunigte Absatzerosion bei Tagestiteln" begründet. Koschmieder dazu: "Erstaunlich, denn einerseits sind ausgerechnet Tageszeitungen mit starkem Auflagenverfall von den 'Optimierungsmaßnahmen' gar nicht oder in deutlich geringerem Umfang betroffen. Und andererseits hat gerade die Tageszeitung junge Welt in den letzten Jahren ihren Abobestand – auch den, der über die Post ausgeliefert wird – steigern können."

Koschmieder kritisiert außerdem, dass sich die Zustellqualität der Deutschen Post in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert habe. Zwischen 2013 und 2018 haben sich ihm zufolge die Reklamationen von Bestandskunden wegen "schlechter Postzustellung" mehr als verdoppelt. Ebenso steige die Zahl der Abbestellungen wegen "mangelnder Zustellqualität". Auch die Gewinnung neuer Print-Abos werde vor diesem Hintergrund erschwert. Trotzdem solle der Verlag 8. Mai im kommenden Jahr 50 Prozent mehr für die Postzustellung bezahlen als noch 2013. Das sei nicht nachvollziehbar.

Laut Koschmieder ist durch das "rigide und kurzfristige Vorgehen" der Deutschen Post die Existenz der jungen Welt gefährdet. Wie er berichtet, wurde eine Übergangsregelung für solch einen Härtefall laut Information eines Kundenbetreuers der Deutschen Post AG vom Vorstand des Unternehmens entschieden abgelehnt. "Es ist zu befürchten, dass die Deutsche Post mit solchen wettbewerbsverzerrenden Preiserhöhungen generell ihren Abschied von der Pressedistribution – zumindest im Tagessegment – einleitet", meint Koschmieder. Er befürchte, dass die Auswirkungen der Preispolitik der Deutschen Post künftig nicht nur kleinere Zeitungen gefährden könnten und spricht deshalb von einem "massiven Angriff auf die Pressefreiheit".

Die Preisliste der Deutschen Post für die Pressedistribution in 2018 können Sie hier herunterladen.

Die Preisliste der Deutschen Post für die Pressedistribution in 2019 können Sie hier herunterladen (Teil der Imagebroschüre).


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(wr) 30.11.2018


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