Braun fordert neue Regeln für den Pressevertrieb; Nolte: Kein Zusammenhang mit Spannenverhandlungen

Der Vorstandsvorsitzende des Fachverbandes Publikumszeitschriften im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Manfred Braun (Bild oben), im Hauptberuf in der Geschäftsleitung der WAZ-Mediengruppe für das Zeitschriftengeschäft sowie als Verlagsgeschäftsführer für die Zeitungen der WAZ in Nordrhein-Westfalen verantwortlich, möchte das deutsche Pressevertriebssystem optimieren. Gegenüber der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG kündigte Braun eine entsprechende Initiative des VDZ an, zu der er "erfahrene Vertriebsleute aus den Verlagen" einladen wolle, schreibt die SZ heute (01.04.2011).

Braun bemängelt "große Schwächen" des Systems, zuvörderst den knappen Platz in den Regalen des Einzelhandel. Er möchte die Verteilung im Regal neu regeln, ohne aber die Chancen für neue Titel und weniger auflagenstarke Zeitschriften zu sehr einzuschränken. Dabei sei über Markteintritts- und Marktaustrittsregeln nachzudenken, regte Braun an. "Wir müssen künftig auch die Konditionen für die Grossisten anders berechnen, um mehr Gerechtigkeit in das System zu bringen", so Braun.

Derzeit arbeite man daran, eine Runde von Fachleuten zusammen zu stellen, die über die Reform beraten, war vom VDZ in Berlin zu hören. Dieser Kreis soll in einem ersten Schritt die Problemfelder identifizieren und eine gemeinsame Haltung zu den strittigen Fragen unter den Verlagen abstimmen.

An diesen Gesprächen würden Vertreter des Presse-Grossos zunächst nicht beteiligt, doch sei Brauns Vorstoß keineswegs gegen das Presse-Grossos gerichtet, sagte Ludwig von Jagow, Geschäftsführer Vertrieb des VDZ, gegenüber dnv-online. "Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, zwischen den Verlagen die erforderlichen Kompromisse zu entwickeln, ohne die eine Reform des Vertriebssystems nicht möglich wäre", sagte er. Zur Lösung der Probleme, vor denen die Verlage speziell im Einzelhandel stehen, hätten alle Beteiligten ihren Beitrag zu leisten.

Auf Anfrage von dnv-online erklärte Frank Nolte (Bild unten), 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Presse-Grosso: "Herr Braun hat auch mit mir in den letzten Wochen über diese Themen gesprochen. Mir erscheint wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, als wenn die Marktregeln, die Herrn Braun vorschweben, Gegenstand der aktuellen Gespräche zwischen Verlagen/NDs und Presse-Grosso über die weitere Zusammenarbeit sind. Vielmehr sollen während der Laufzeit der neuen Abkommen gemeinsam Lösungen für die Zukunft angestrebt werden."

Nolte unterstrich die von Braun genannten Stärken des deutschen Pressevertriebssystems, vor allem die Schnelligkeit und die Offenheit für alle Verlage. "Herrn Braun kann ich voll zustimmen, dass andere Branchen von den Leistungen des Grosso-Systems nur so träumen", sagte Nolte. "Daher geht es nicht um eine Revolution – wie der SZ-Titel nahelegt -, sondern um eine Weiterentwicklung dieses einmaligen und lebendigen Vertriebsnetzes."


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(sgo) 01.04.2011


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