Welche Strategie verfolgt Axel Springer mit dem KKR-Deal?

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Die Beteiligung von KKR soll Axel Springer finanzielle Mittel geben, um in das Digitalgeschäft zu investieren und möglicherweise auch zuzukaufen/ Foto: Axel Springer SE

Es ist die Top-Meldung der Woche in den Medienmärkten: Nachdem bereits vor einigen Wochen bekannt wurde, dass Axel Springer mit dem Finanzinvestor KKR Gespräche führt, wie dieser sich an dem Verlag beteiligen kann, hat KKR nun ein konkretes Angebot vorgelegt. 63 Euro je Aktie bietet das Unternehmen – Springers Equity Value würde damit auf 6,3 Mrd. Euro steigen.

Warum kommt dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt und was bedeutet er für die Strategie des Verlags? 

Axel Springer hat in einer Pressemitteilung sehr ausdrücklich übermittelt, dass KKR als strategischer und finanzieller Partner verstanden wird. Der Einstieg des Finanzinvestors soll es ermöglichen, in „weitere Wachstumsprojekte zur langfristigen Wertgenerierung“ zu investieren. Diese Wachstumsprojekte sollen zum einen auf das digitale Rubrikengeschäft einzahlen, zum anderen auf die digitalen journalistischen Angebote. Die digitalen Rubrikenangebote – im Wesentlichen sind das Jobportale wie Stepstone und Immobilienportale wie Immowelt – hat Springer im Unternehmensbereich Classifieds Media gebündelt. Mittlerweile erwirtschaftet der Verlag 44 Prozent seines Umsatzes und 61 Prozent seines bereinigten EBITDA mit diesem Bereich. Bereichsübergreifend werden mit digitalen Aktivitäten 74 Prozent des Umsatzes und 87 Prozent des bereinigten EBITDA erwirtschaftet – Tendenz steigend.

„Wir sind traditionell aus Sicht vieler Aktionäre, die bei Axel Springer beteiligt sind, deshalb attraktiv gewesen, weil wir trotz eines strukturell rückläufigen analogen Geschäfts durch Kosteneinsparungen immer wieder verlässlich hohe Gewinnmargen, gute operative Ergebnisse, steigende Ergebnisse pro Aktie und vor allem steigende Dividenden erwirtschaftet haben“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Dr. Mathias Döpfner. „Seit eineinhalb Jahrzehnten verfolgen wir nun einen Digitalisierungskurs und Transformationsprozess – kulturell und in der Zusammensetzung unseres Portfolios. Die Erfolge, die wir dabei erreicht haben, führen dazu, dass immer mehr Geschäfte, die wir betreiben, keine strukturell rückläufigen Umsätze sehen, sondern robustes organisches Wachstum. Geschäfte, die so wachsen, brauchen in anderer Weise Investitionen, als Geschäfte, die strukturell rückläufig sind. Mit der Verschiebung unseres Portfolios verschieben sich auch die Prioritäten im Unternehmen, weshalb Wachstum und Investition in Wachstum völlig andere Prioritäten haben. Wir haben festgestellt, dass das nicht jedem Aktionär gefällt, der traditionell bei Axel Springer investiert ist – weil er vielleicht stärker Dividenden-orientiert, stärker kurzfristig orientiert ist.“

Deshalb will sich der Verlag nun einen finanzkräftigen Investor an Bord holen, der die eingeschlagene Entwicklung und die Wachstumsprojekte unterstützt. Springer glaubt, mit KKR so einen Investor gefunden zu haben. Dessen Beteiligung setzt eine Mindestannahmequote von 20 Prozent sowie unter anderem auch Kartellfreigaben voraus. Döpfner will seine Beteiligung von 2,8 Prozent nicht veräußern, selbiges gilt für Friede Springer und ihren Anteil von 42,6 Prozent am Unternehmen. Die Investorenvereinbarung zwischen den beiden Unternehmen sieht vor, dass Axel Springer eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) bleibt und keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden können.
 


Foto: Axel Springer SE

Döpfner selbst sagt, dass er die KKR-Seite sehr gut kenne: „KKR ist ein guter Partner. Ich kenne Henry Kravis, der KKR 1976 gegründet hat, seit mehr als 20 Jahren und den Europachef Johannes Huth seit mehr als einem Jahrzehnt.“

Dass Springer gerade jetzt die Gespräche mit KKR geführt hat, hängt auch mit der Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusammen. Laut Döpfner lässt insbesondere der Brexit das Geschäft mit den Jobportalen langsamer wachsen, als erwartet. Zudem wird durch die in Frankreich eingeführte Digitalsteuer mit einer zusätzlichen Belastung von zehn Mio. Euro gerechnet, erklärte Finanzvorstand Dr. Julian Deutz. Beides hat dazu geführt, dass Springer seine Jahresprognose nach unten korrigiert hat. Der Konzernumsatz soll 2019 im niedrigen einstelligen Prozentbereich und das bereinigte EBITDA im mittleren einstelligen Prozentbereich zurückgehen. Organisch soll der Konzernumsatz im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen und das bereinigte EBITDA auf Vorjahresniveau liegen.

Döpfner erklärt: „Die Frage ist nun, wie man damit umgeht. In der Vergangenheit hätten wir vielleicht die Investitionen gekürzt, an den Kosten gespart, um unsere Quartals-Guidance um jeden Preis zu halten. Das kann man machen und manchmal ist das auch richtig, aber auf Dauer und immer wieder ist es sicher nicht richtig, weil Wachstumsunternehmen wie Stepstone darunter leiden. Deswegen haben wir uns jetzt entschieden, trotz dieser etwas verlangsamten Wachstumsentwicklung die Investitionen, die wir schon beschlossen hatten, fortzusetzen und nicht zu stoppen. Wir zeigen mit diesem Schritt, wie logisch und richtig es ist, jetzt auf langfristiges Wachstum zu setzen und einen strategischen Investor an Bord zu holen.“

Die Vereinbarung zwischen Axel Springer und KKR sieht laut Döpfner vor, dass sich der Finanzinvestor für mindestens fünf Jahre beteiligt. Laut Deutz liegt die durchschnittliche Beteiligungsdauer bei KKR-Investments bei etwa acht Jahren. Die finanziellen Mittel sollen in den Ausbau digitaler Geschäfte gesteckt werden, sowohl im Bereich der Rubrikenmärkte als auch bei den journalistischen Angeboten. Auf der anderen Seite sollen sie auch für M&A-Aktivitäten genutzt werden. Konkrete Szenarien für mögliche Übernahmen sind laut Döpfner noch nicht vereinbart worden, man führe dazu aber Gespräche.

„Diesen Weg des Wachstums muss und wird dieses Unternehmen an dieser Stelle seiner Entwicklung gehen“, bekräftigt Döpfner. „Wir glauben, dass der Weg mit einem Finanzinvestor der richtige ist. Klar ist: Wir werden diesen Weg gehen, am liebsten mit KKR, wenn es seitens der Aktionäre ermöglicht wird. Wenn nicht, dann gehen wir den Weg anders und gegebenenfalls schlichtweg in der vorhandenen Struktur. Denn eines ist klar: Die Geschäfte, die wir heute besitzen, brauchen diese Investitionen. Wir müssen an mittel- und langfristiger Wertentwicklung und Ergebnismaximierung interessiert sein. Die Quartalsperspektive passt zu diesem Unternehmen in dieser Phase nicht mehr.“


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(wr) 13.06.2019


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