Dienstag, 12. November 2019

Spiegel Verlagsgruppe: Print-Geschäft verliert allmählich an Bedeutung

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Geschäftsführer Thomas Hass will die Abhängigkeit des Verlags vom Hauptobjekt Der Spiegel reduzieren/ Foto: Christian O. Bruch

Die Spiegel Verlagsgruppe hat 2017 einen Jahresüberschuss von 31 Mio. Euro erwirtschaftet. Damit liegt der Konzern fünf Mio. Euro über dem Vorjahresniveau und übertrifft zugleich die eigenen Erwartungen. Die Prognose war ursprünglich von einem stabilen Jahresüberschuss von rund 26 Mio. Euro ausgegangen. Die deutlich positivere Entwicklung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Erwartungen bezüglich der Umsatzentwicklung im Online-Geschäft „zu moderat“ gewesen seien, wie Geschäftsführer Thomas Hass im jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht schreibt. Zudem hatten sich „signifikante strukturelle Kostenanpassungen“, die der Verlag 2015 im Rahmen seines Restrukturierungsprogramms „Spiegel 2018“ eingeleitet hatte, positiv ausgewirkt. Der Gesamtaufwand hatte sich dadurch um vier Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr reduziert.

Den Großteil des Gesamtumsatzes von 269 Mio. Euro liefern nach wie vor die Printprodukte des Hauses. Mit einem Umsatzanteil von 62 Prozent hat ihre Bedeutung gegenüber dem Vorjahr jedoch sichtbar abgenommen (2016: 67 Prozent). 2013 lag der Anteil gar bei noch 73 Prozent.

Der Bedeutungsverlust spiegelt sich sowohl in der Entwicklung der Anzeigen- als auch der Vertriebserlöse wieder. Der Print-Anzeigenumsatz ging 2017 um neun Mio. Euro bzw. 17 Prozent auf 46 Mio. Euro zurück. Der Print-Vertriebsumsatz war um zwei Mio. Euro bzw. zwei Prozent rückläufig und belief sich auf 122 Mio. Euro. Der Print-Vertrieb repräsentiert damit 45 Prozent des Konzernumsatzes (Vorjahr: 46 Prozent), die Print-Anzeigenerlöse 17 Prozent (Vorjahr: 21 Prozent).

Spiegel ist digital auf Wachstumskurs

Positiv hingegen entwickelte sich das Digitalgeschäft. Mit den Online-Angeboten erwirtschaftete der Verlag einen Umsatz von 46 Mio. Euro, was einem Plus von sieben Mio. Euro bzw. 17 Prozent entspricht. Ihr Anteil am Konzernumsatz stieg dadurch von 16 auf 18 Prozent. Laut Unternehmensangaben ist die positive Entwicklung in diesem Bereich auf steigende Werbeerlöse zurückzuführen. So kommt es, dass 2017 die Online-Erlöse in Summe erstmals den Print-Anzeigenumsatz übertrafen (vgl. Tabelle). Ab 2018 dürfte sich dort zusätzlich das neue digitale Bezahlmodell Spiegel+ bemerkbar machen, nach dessen Einführung die Zahl der Digitalabonnenten des Spiegel auf über 100.000 angestiegen ist (DNV Online berichtete).

Der Verlag verfolgt laut Geschäftsführer Hass mittel- bis langfristig das Ziel, die Abhängigkeit vom Hauptobjekt Der Spiegel auf Umsatz- und Ergebnisseite zu reduzieren. Gleichzeitig soll die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsfelder sowie die Transformation bestehender Objekte in das Internet vorangetrieben werden. 2017 hatte das Flaggschiff Der Spiegel 51 Prozent des Konzernumsatz geliefert – und damit einen geringeren Anteil als noch im Vorjahr (55 Prozent). 2013 lieferte Der Spiegel noch 61 Prozent des Konzernumsatzes. Würde sich diese Entwicklung auch im Geschäftsbericht für 2018 bestätigen, würde das Nachrichtenmagazin erstmals weniger als die Hälfte zum Gesamtumsatz der Verlagsgruppe beitragen.

Die dritte große Sparte neben Print und Online ist der Geschäftsbereich Film und Fernsehen. Dort erzielte die Spiegel Verlagsgruppe einen Umsatz von 40 Mio. Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von drei Mio. Euro bzw. neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Film- und Fernsehangebote lieferten somit 15 Prozent zum Konzernumsatz (2016: 14 Prozent).

Für 2018 geht der Verlag von einem Umsatzrückgang von weniger als fünf Prozent aus. Die Anzeigenerlöse sollen fünf bis acht Prozent unter Vorjahresniveau liegen, die Vertriebserlöse etwa zwei Prozent. Im Bereich Film und Fernsehen wird ein stabiles Ergebnis erwartet, während das Online-Geschäft weiter wachsen soll. Der Verlag prognostiziert sowohl bei den Personal- als auch bei den Sachkosten „spürbare“ Einsparungen. Auf der anderen Seite seien erhebliche Investitionen in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder (z.B. digitaler Bezahlmodelle) sowie die technische und optische Modernisierung der Online-Auftritte der Spiegel-Gruppe zu erwarten. In Summe sollen die Kosten deshalb spürbar über denen des Vorjahres liegen. Der Jahresüberschuss soll um bis zu 20 Prozent geringer ausfallen.

Die Geschäftsentwicklung der Spiegel Verlagsgruppe im Überblick:

Umsatz 2017 (in Mio. Euro)Veränderung zum Vorjahr
Gesamt2690%
Print-Vertrieb122-2%
Online4917%
Print-Anzeigen46-16%
Film- und Fernsehen408%
Dienstleistungen20%
Sonstige1011%


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(wr) 10.01.2019


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