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Die neuen Preise für die Presse Distribution und der einsame Kampf der jungen Welt

%%%Die neuen Preise für die Presse Distribution und der einsame Kampf der jungen Welt%%%
Steht zur Kritik der jungen Welt an der Preispolitik der Deutschen Post: Jonas Pohle, Vertriebsleiter der Tageszeitung aus dem Verlag 8. Mai, Berlin. Foto: junge Welt

Steht zur Kritik der jungen Welt an der Preispolitik der Deutschen Post: Jonas Pohle, Vertriebsleiter der Tageszeitung aus dem Verlag 8. Mai, Berlin. Foto: junge Welt

Die Deutsche Post AG (DPAG) hat die neuen Preise für die Presse Distribution für das Jahr 2020 kommuniziert. Wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von dnv mitteilte, reagiere man damit auf die steigenden Kosten im Presseversand, die zum einen aus einem beschleunigten Auflagenrückgang von über sechs Prozent resultierten und zum anderen durch gestiegene Transport- und Lohnkosten bedingt seien. Zudem reihe sich die Preismaßnahme in eine Reihe von Preisanpassungen ein, "die in allen Produktsegmenten, d.h. im Brief- und Paketbereich sowie Dialogmarketing, für Privat- und Geschäftskunden, notwendig waren und sind."  

Wie schon zum 1.1.2019 verteilen sich die vorgenommenen Preisschritte in der Presse Distribution unterschiedlich auf die Produktarten und Gewichtsklassen. Die Bandbreite reicht diesmal von stabilen Preisen (+0,0 Prozent) bis zu deutlichen Tariferhöhungen (+6,94 Prozent). Letztere betreffen vor allem wöchentlich erscheinende Titel, wie die DPAG bestätigte: Bei allen Monatstiteln sowie im Bereich der Tages- und Wochenpublikationen bis 170 Gramm werde die Preissteigerung 3,9 Prozent betragen, heißt es aus Bonn. Preissteigerungen um 6,9 Prozent beträfen lediglich Presseversender, die in der Vergangenheit von vergleichsweise niedrigen Zustelltarifen profitiert hätten. "Es handelt sich also um eine schrittweise Angleichung an das übliche Preisniveau der meisten Presseversender", so ein Post-Sprecher. 

junge Welt: 95.000 Euro Mehrkosten im Jahr 2019

Insgesamt fällt die Preisentwicklung deutlich moderater aus als zum vergangenen Jahreswechsel, als die Zuschläge in vielen Segmenten deutlich zweistellig ausfielen und im Extremfall sogar mehr als 40 Prozent betrugen (DNV Online berichtete). Besonders betroffen war damals die Tageszeitung junge Welt. Der Titel erscheint im Verlag 8. Mai aus Berlin und wird bundesweit im Abonnement und über den Pressefachhandel verbreitet. 40 Prozent der Abonnement-Auflage wird nach Angaben des Verlags durch die Deutsche Post zugestellt. Eine Alternative, die wie die DPAG eine flächendeckende Verfügbarkeit am Erscheinungstag verspricht, sieht das Unternehmen nicht. Für das Jahr 2019 musste die junge Welt deshalb laut eigenen Angaben Mehrkosten in Höhe von 95.000 Euro einplanen. Die nun angekündigte Preiserhöhung zum 1.1.2020 wird laut Vertriebsleiter Jonas Pohle zu einer weiteren Preissteigerung in Höhe von 4,7 Prozent führen. Darin ist zum einen ein gestiegener Stückpreis und zum anderen ein höherer Zuschlag für das sogenannte Schnellläufernetz der DPAG enthalten.

„Zusammen mit der letzten Preiserhöhung sind die Postzustellkosten für die Tageszeitung junge Welt innerhalb weniger Monate um mehr als 30 Prozent gestiegen“, bilanziert Pohle. Das sei eine dramatische Entwicklung, die die junge Welt damals ohne Vorwarnung getroffen habe. Denn bis Ende November 2018 sei der Verlag noch davon ausgegangen, dass die Versandpreise, wie von der DPAG gegenüber den Verlegerverbänden angekündigt, lediglich um 2,8 Prozent steigen würden. 

Gegen die aktuell geltende Preisstruktur der Deutschen Post im Bereich der Presse Distribution hatte der Verlag 8. Mai deshalb sowohl beim Bundeskartellamt als auch bei der Bundesnetzagentur Beschwerden eingereicht. Die Beschwerde beim Bundeskartellamt, laut Schriftsatz gegen eine „missbräuchliche Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung“, werde noch geprüft. Der Antrag auf nachträgliche Entgeltüberprüfung wurde inzwischen von der Bundesnetzagentur aus inhaltlichen Gründen zurückgewiesen. Für die Behörde seien weder Hinweise auf einen Preishöhenmissbrauch noch Anhaltspunkte für eine ungerechtfertigte Diskriminierung erkennbar, heißt es in dem Schreiben das DNV vorliegt. Zudem lägen der Bundesnetzagentur keine weiteren Beschwerden vor. 

Worte, die bei der jungen Welt noch lange nachhallten: "Wir sehen diese Nichtreaktionen als gravierendes Signal an die Deutsche Post AG, ungestört weiterhin kräftig an der Preisschraube drehen zu können", ärgert sich Pohle. Das Unternehmensziel ist klar definiert: der Unternehmensgewinn soll bei fünf Milliarden Euro im Jahr liegen. Der Versorgungsauftrag spielt keine Rolle mehr." Dass es auch anders laufen könne, zeige das Beispiel der Büchersendungen. In diesem Bereich hatte die DPAG nach breiten Protesten eine  angekündigte Preiserhöhungen um ein Jahr verschoben (DNV Online berichtete).

Höhere Preise, schlechtere Leistung?

Aber nicht nur die Preispolitik der DPAG für die Zustellung bereite der jungen Welt große Sorgen, so Pohle weiter. Denn im Kundenservice gingen immer mehr Beschwerden von Abonnenten über die Zustellqualität ein. Der Vertriebsleiter berichtet: „Vermehrt klagen Abonnenten darüber, dass Zustellungen nicht mehr tagesaktuell erfolgen, sondern Zeitungen von zwei, drei Tagen gebündelt im Briefkasten landen. Und in einzelnen Regionen erfolgt schon jetzt bereits regelmäßig keine Zustellung mehr am Montag." Die DPAG weise zwar darauf hin, dass Tageszeitungen auch dann zugestellt würden, wenn keine Briefpost verteilt werde. In der Praxis gehe der Zusteller aber nicht wegen ein oder zwei zuzustellenden Tageszeitungen auf die Tour, sagt der Vertriebsleiter der jungen Welt und ergänzt: "Erst nach regelmäßigen Reklamationen konnten wir im Einzelfall erreichen, dass die Zeitung tatsächlich zugestellt wird. Die schlechte Zustellqualität, das werden auch viele andere Verlage bestätigen können, führt zu erhöhten Abbestellungen von Abonnements. Andere würden nach einem Probeabo gerne bestellen, verzichten aber wegen der schlechten Zustellqualität darauf. Die DPAG tut also einiges dazu, dass Kunden, die eigentlich lieber die gedruckte Ausgabe lesen würden, auf die zuverlässiger und schneller gelieferte Onlineausgabe zurückgreifen.“ 

Der Vorwurf einer sich verschlechternden Zustellqualität war in den vergangenen Monaten auch von anderen Marktteilnehmern zu hören. Dass es Probleme gegeben hat, bestreitet die Deutsche Post auf Nachfrage nicht. Nach Darstellung der DPAG sind diese allerdings ausgeräumt: Man habe durch verschiedene Maßnahmen sichergestellt, dass sich die Zustellqualität heute wieder auf einem hohen Niveau befinde. Sowohl die Anzahl der einfachen Reklamationen, als auch die Zahl der für Verlage besonders erfolgskritischen Mehrfachreklamationen sei signifikant zurückgegangen.

Lesen Sie dazu auch:

Deutsche Post erhöht Versandtarife für Zeitschriften und Zeitungen um bis zu 6,9 Prozent (24. September 2019)


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(jf) 24.09.2019


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