Donnerstag, 09. April 2020

Zustellung von Zeitungen und Anzeigenblättern soll mit 40 Mio. Euro gefördert werden

%%%Zustellung von Zeitungen und Anzeigenblättern soll mit 40 Mio. Euro gefördert werden%%%
Sehen noch Anpassungsbedarf bei der Höhe der Zustellförderung: BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff (l.) und BVDA-Geschäftsführer Dr. Jörg Eggers/ Fotos: BDZV, Bernd Brundert

Sehen noch Anpassungsbedarf bei der Höhe der Zustellförderung: BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff (l.) und BVDA-Geschäftsführer Dr. Jörg Eggers/ Fotos: BDZV, Bernd Brundert

Der Haushaltsausschuss im Bundestag hat einer finanziellen Förderung der Zustellung von Zeitungen und Anzeigenblättern zugestimmt. Insgesamt soll ein Budget von 40 Mio. Euro bereitgestellt werden. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) begrüßten zwar die grundsätzliche Bestrebung, die Zustellung zu fördern, halten die in Aussicht gestellten Mittel aber für zu gering.

„Es ist gut, dass das Arbeitsministerium den Handlungsbedarf erkannt und sich entschlossen hat, auf eine Situation zu reagieren, die auch durch Regierungshandeln entstanden ist“, erklärt Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des BDZV. „Ebenso begrüßen wir, dass der Haushaltsausschuss eine entsprechende Etatposition eingerichtet hat. Die vorgesehene geringe Förderhöhe für das Jahr 2020 löst aber kein einziges Problem. Die Fördersumme  mag zunächst hoch erscheinen, hätte aber pro ausgeliefertem Zeitungsexemplar weniger als einem Cent entsprochen. Dem stehen durchschnittliche Vertriebskosten von 52 Cent pro ausgetragener Zeitung gegenüber. Der hohe Kostendruck bei der Zeitungszustellung bleibt eine Herausforderung mit gesellschaftspolitischer Tragweite, was sich zukünftig auch in einer angemessenen und wirksamen Förderhöhe widerspiegeln muss.“

BVDA-Geschäftsführer Dr. Jörg Eggers äußert sich ähnlich. Einerseits erklärt er: "Der BVDA begrüßt die Tatsache, dass die seitens der Koalition geplante Infrastrukturförderung in der Zustellung für Anzeigenblätter die Bedeutung und Leistung der lokalen Mediengattung anerkennt. Es gibt zwei Gründe dafür, warum die Politik das lokale Medium als relevant ansieht. Erstens: Die in vielen Jahren erfolgte lokaljournalistische Profilierung der Anzeigenblätter ist eine wichtige Basis für die Meinungs- und Willensbildung im Nahbereich. Zweitens: Mit ihrer nahezu flächendeckenden Zustellung leisten die kostenlosen Wochenblätter einen wesentlichen Beitrag für die Grundversorgung mit lokalen Informationen.“

Andererseits stellt Eggers aber auch fest: „Die jetzt vom Haushaltsauschuss des Bundestages vorgeschlagene Höhe von 40 Millionen Euro greift eine finanzielle Entlastung von Anzeigenblättern und Tageszeitungen auf, die schon im Koalitionsvertrag vereinbart worden ist. Allerdings war die dort angepeilte Förder- bzw. Entlastungshöhe mit Blick auf die äußerst angespannte Kostensituation in den Verlagen bereits damals von der Realität überholt. Dies gilt noch mehr für den heutigen Stand und erst recht für die nächsten fünf Jahre - den geplanten Zeithorizont der Förderung.“

Eggers hat konkrete Vorstellung über die Höhe der zu leistenden Förderung: „Wer auch in Zukunft auf eine Pressevielfalt im Lokalen Wert legt, wird eine angemessene Fördersumme anvisieren müssen. Um eine nahezu flächendeckende Sicherung der Zustellung auch zukünftig leisten zu können, müssten die Verlage je nach Region eine Summe zwischen 5 und 7 Cent (gerundet) pro Anzeigenblattexemplar erhalten. Dies würde hochgerechnet auf die Anzeigenblattbranche einen Betrag von 200 bis 300 Mio. Euro ergeben. Der jetzt vorgesehene Betrag bleibt umgerechnet weit unter diesen 5 bis 7 Cent. Auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, die ihre freie Presse bereits umfassend unterstützen, bleibt die geplante Summe deutlich hinter den notwendigen finanziellen Erfordernissen der Verlage zurück. Deshalb wird der BVDA weiterhin bei den politisch Verantwortlichen dafür werben, eine wirksame Höhe der Zustellförderung festzusetzen."


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(wr) 15.11.2019


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