Dienstag, 22. Oktober 2019

Postmarkt Niederlande: PostNL darf Sandd übernehmen

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PostNL kontrolliert künftig mher als 90 Prozent des Briefmarktes in der Niederlande/ Foto: PostNL

Die niederländische PostNL bekommt eine noch stärkere Position im heimischen Postmarkt. Das Unternehmen darf seinen größten Wettbewerber Sandd übernehmen und damit seinen Marktanteil noch einmal ausbauen. Die niederländische Wettbewerbsbehörde ACM hatte das Vorhaben Anfang September nicht freigegeben, woraufhin PostNL nach Artikel 47 des niederländischen Wettbewerbsrechts auf eine Ministererlaubnis drängte. Diese wurde von Mona Keijzer, stellvertretende Ministerin für Wirtschaft und Klimapolitik, Ende September unter Auflagen erteilt. Es gebe ein „signifikantes öffentliches Interesse“ an dem Zusammenschluss, welches die erwarteten Einschränkungen des Wettbewerbs überwiege.


Mona Keijzer, stellvertretende Ministerin für Wirtschaft und Klimapolitik/ Foto: Martijn Beekman

Die Auflagen deckeln den Preis, den PostNL für Dienstleistungen für Kunden und Endverbraucher aufrufen kann, und schreiben dem Unternehmen zudem vor, anderen Postunternehmen einen Zugang zum eigenen Netzwerk zu garantieren. Keijzer kommentiert: „Auch die Regulierungsbehörde sieht die Effizienzgewinne einer Übernahme. Gleichzeitig stellt das ACM fest, dass ‚die Übernahme zu unnötig höheren Tarifen für Geschäftskunden und Verbraucher führen kann‘. Das möchte ich auch vermeiden. Der Briefmarkenpreis darf nicht stärker steigen als die dafür anfallenden tatsächlichen Kosten. PostNL ist es auch nicht gestattet, anderen Postunternehmen den Zugang zum Netzwerk zu verweigern. Deshalb lasse ich die Übernahme nur mit Vorschriften zu. Auf diese Weise kann ich auch den Anstieg der Preise für Geschäftsbriefe begrenzen."

Zu den Auflagen gehört auch eine Rendite-Obergrenze von neun Prozent für PostNL. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die Preise nicht übermäßig steigen werden. Auch hat das Unternehmen zugesichert, dass es im Zuge der Übernahme keine betriebsbedingten Kündigungen für die Zusteller von Sandd geben werde. Für die weiteren Mitarbeiter werde nach Positionen bei PostNL oder nach Alternativen gesucht.

PostNL zahlt für die Übernahme laut Unternehmensangaben 130 Mio. Euro. Die Zusammenführung der beiden Zustellnetzwerke soll innerhalb der ersten sechs Monate des Jahres 2020 erfolgen. Bisher wurde PostNL im niederländischen Postmarkt ein Marktanteil von etwa 70 Prozent beigemessen, Sandd kam auf 20 bis 25 Prozent. Die Sendungsmenge von PostNL im Briefmarkt lag 2018 bei 1,781 Mrd. Stück, jene von Sandd bei rund 720 Mio. Stück. PostNL beschäftigte 2018 etwa 18.000 Briefzusteller, bei Sandd waren es 16.000.

Die Übernahme von Sandd steht bei PostNL im Kontext einer Strategie, sich verstärkt auf das Geschäft in den Benelux-Staaten zu konzentrieren. Aus diesem Grund stößt PostNL auch derzeit die deutsche Tochtergesellschaft Postcon und die italienische Nexive ab. Käufer von Postcon ist der Finanzinvestor Quantum Capital Partners, das Bundeskartellamt hat der Transaktion bereits zugestimmt.


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(wr) 07.10.2019


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