
Das OMR Festival bot auch 2024 wieder zahlreiche Möglichkeiten, sich über aktuelle Trends und Entwicklungen rund um die Digital-Branche zu informieren - Foto: OMR/Julian Huke Photography
OMR: 7 Learnings von Europas größtem Event für die Digital-Branche
Zwischen Insights und Entertainment – dafür ist das OMR Festival bekannt. Am 7. und 8. Mai 2024 fand die Veranstaltung für das digitale Universum wieder in der Hamburg Messe statt. Ein umfangreiches Programm aus Keynotes, Paneldiskussionen und Masterclasses mit über 750 Speakern und mehr als 1.000 Ausstellern lockten knapp 70.000 Besucher in die Hansestadt. Darüber hinaus sorgten Auftritte von Promis wie Kim Kardashian, Politikern wie Robert Habeck oder Music Acts wie Tokio Hotel für enorme Aufmerksamkeit und einen großen Andrang an den Stages. So wurde das OMR Festival auch in diesem Jahr seinem Ruf gerecht.
DNV war ebenfalls vor Ort, hat in all dem Trubel nach Erkenntnissen für die Verlags- und Pressevertriebsbranche gesucht – und ist auch fündig geworden. Im Folgenden haben wir einige interessante Aussagen zusammengefasst:
1. TikTok und Co.: Der Inhalt zählt, nicht der Absender
„Wir befinden uns in einer veränderten Ordnung der Social-Media-Welt“, erklärte die Social-Media- und Influencer-Marketing-Expertin Ann-Katrin Schmitz in ihrer Keynote. Sie spricht von der sogenannten Attention Economy. Früher funktionierten Social-Media-Plattformen nach dem Social Graph. Das bedeutet, die Inhalte, die wir sehen, stammen von Personen, die wir entweder proaktiv abonniert haben oder mit denen wir auf andere Weise in Kontakt stehen. Dabei ging es um Relationships, wie Schmitz betont. Das hat sich geändert. Inzwischen dominiert der Content beziehungsweise Interest Graph den Algorithmus. Dieser orientiert sich an den Inhalten, die wir konsumieren und beobachtet, wie stark wir mit einem Inhalt interagieren. Auf dieser Basis werden uns weitere passende Inhalte vorgeschlagen.
Das bedeutet: Wir müssen unsere Content-Pläne auf genau dieses Prinzip ausrichten. Der Inhalt steht im Vordergrund, nicht mehr der Absender. Dieser Shift wurde in den vergangenen Jahren durch TikTok vorangetrieben, ist aber mittlerweile auf sämtlichen Plattformen zu beobachten.
In diesem Zuge verliert auch die Followerzahl als KPI an Relevanz. Künftig sollte man sich laut Schmitz an folgenden Kennzahlen orientieren: Performance der Content Pieces, Trendorientiertheit, Community Engagement, Re-Shares sowie Reach außerhalb der bestehenden Reichweite.
2. BookTok boomt und Buch Clubs erleben ein Revival
BookTok sollte definitiv nicht unterschätzt werden. Buchvorstellungen auf TikTok von jungen Influencern haben die Buchhandlungen mit BookTok-Bestsellerlisten und BookTok-Präsentationstischen bereits verändert und sind seit geraumer Zeit bedeutende Umsatzbringer. Eine intensive Zusammenarbeit mit Influencern, Verlagen und Autoren sorgt dafür, dass die Gen Z mit Literatur zusammengebracht wird, die ihren Vorlieben entsprechen.
Gleichzeitig starten zahlreiche Influencer oder auch Promis wie etwa Reese Witherspoon Buch Clubs und begeistern so vor allem junge Menschen wieder für das Medium Buch.
3. Der Shift zu „Private Social“
Immer mehr soziale Plattformen launchen Features für einen privateren Austausch. Dazu gehört zum Beispiel Meta. Der US-amerikanische Konzern startete vergangenes Jahr die Broadcast Channels auf Instagram sowie die WhatsApp Channels.
Solche Features sorgen dafür, dass der Austausch auf Social-Media-Plattformen in einen privateren Raum rutscht sowie auf einer persönlicheren Ebene stattfindet. User nutzen vermehrt Direct Messenger (DMs) sowie Gruppenchats wie Broadcast Channels für den Austausch in kleineren Communities. Der öffentliche Feed, das ehemalige Herzstück von Instagram, wird weniger intensiv genutzt.
4. TikTok wird zur relevanten Suchmaschine
41 Prozent der TikTok-User haben die Plattform bereits als Suchmaschine genutzt, verdeutlicht OMR-Gründer Philipp Westermeyer in seiner Keynote „State of the German Internet“ diesen Trend.
Daher wird es auch hier immer wichtiger, SEO richtig einzusetzen. Relevante Keywords im Titel der Videos sowie in der Description helfen bei der Auffindbarkeit. Auch der gesprochene Text wird bei der Suche berücksichtigt und sollte daher wichtige Keywords enthalten. Darüber hinaus funktionieren laut Westermeyer auch Hashtags bei TikTok noch sehr gut.
Knapp 70.000 Marketing-Interessierte besuchten das OMR Festival in diesem Jahr. Bei dieser Gelegenheit kam das Networking auch nicht zu kurz - Foto: OMR/Julian Huke Photography
5. Auf Reddit präsent sein, lohnt sich
Reddit wird von OpenAI als Trainingsquelle für seine KI genutzt. Der Social-News-Aggregator wurde vor fast 20 Jahren gegründet, ist hierzulande aber relativ unbekannt im Vergleich zu Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. Auf Reddit können registrierte User Text-, Video- oder Bildinhalte in verschiedenen Themengebieten – sogenannten Subreddits – veröffentlichen. Andere Nutzer bewerten diese Posts als positiv oder negativ, was sich auf die Platzierung des Beitrags auf der Startseite auswirkt. Darüber hinaus finden in den Subreddits rege Diskussionen statt.
OpenAI hat erkannt, dass es auf Reddit Inhalte und Diskussionen gibt, die von den Usern als relevant und interessant eingestuft werden und nutzt diese nun, um seine KI zu trainieren. Das bedeutet: Neben öffentlichem Content aus dem Web (60 Prozent), aus digitalen Büchern (15 Prozent) und von Wikipedia (5 Prozent) spielen Inhalte von Reddit mit 20 Prozent beim KI-Training bei OpenAI eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
Warum ist das relevant? KI beeinflusst Kaufentscheidungen, betont Roland Eisenbrand von OMR in seiner Keynote. 33 Prozent der User haben KI bereits zur Produktrecherche genutzt. Wer auf Reddit vorkommt, hat somit auch gute Chancen, in KI-Suchanfragen aufzutauchen.
6. AI ist weiter auf dem Vormarsch, wird aber irgendwann an Grenzen stoßen
Artificial Intelligence (AI) war auch in diesem Jahr das bestimmende Thema auf dem OMR Festival. So drehten sich viele Keynotes um die Frage, wie AI im Marketing eingesetzt werden kann, um beispielsweise effizienter zu arbeiten, oder welche Möglichkeiten AI bereits in der Text- und Videoerstellung bietet.
So zeigte Philipp Westermeyer auf, dass Deep Fakes (mit AI erstellte Videos) immer realistischer werden und zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung führen. „Das ist bedenkenswert“, beschreibt der OMR-Chef die Lage.
Letztlich sprachen viele Speaker auch davon, wie AI vor allem für Zeitersparnisse sorgen wird oder bereits sorgt. Dabei wird uns die Künstliche Intelligenz nicht die Arbeit wegnehmen, sondern es werden diejenigen Menschen sein, die die KI richtig nutzen können – da sind sich alle einig.
Der Digitalexperte und Tech-Investor Philipp Klöckner berichtete zudem von Grenzen, an die AI bald stoßen wird und sprach dabei von einem Inzuchtproblem: Schon jetzt werden unzählige Inhalte von AI produziert und im Internet verbreitet. Diese werden wiederum herangezogen, um die AI zu trainieren. In diesem Zuge werden exklusive Inhalte für das AI-Training immer wichtiger.
7. Es wird zu wenig in Innovation investiert
In seiner Keynote stellte OMR-Gründer Philipp Westermeyer erneut die Gewinner und Verlierer der digitalen Welt vor. Zu den Verlierern der letzten Monate gehört u.a. die Innovation. Das Team von OMR beobachtet, dass immer weniger Geld in Innovationen fließt. „In den Firmen entstehen keine Innovationen mehr“, stellt Westermeyer fest.
Fehlende Innovationen werden derzeit auch in der Verlagsbranche kritisiert. So attestierte etwa FAZ-Herausgeber Carsten Knop auf dem Branchenevent Medienhaus/NEXT/ der gesamten deutschen Wirtschaft eine über Jahrzehnte mangelnde Bereitschaft, große Innovationssprünge zu machen und sich stattdessen nur über inkrementelle Produktverbesserungen zu entwickeln. Und er fragte: „Sind die Geschäftsführungen unserer Häuser bereit dazu, viel Geld in die Hand zu nehmen für etwas, von dem wir überzeugt sind, dass es auch wirklich gut ist, wenn wir es auf die Kunden loslassen? Oder basteln wir digital immer noch zu viel herum?“ Mehr dazu können Interessierte hier nachlesen.
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Sophia Fiedler 13.05.2024





