Freitag, 02. Oktober 2026

Claude Moyse, Gründer und Herausgeber der raptor publishing GmbH, gründete den Verlag im Jahr 2004, um die japanische Kultur den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland näherzubringen - Foto & Abbildungen: Raptor Publishing

Wie der Raptor-Verlag mit Nischenprodukten überzeugt

Comics und Mangas boomen im internationalen Buchmarkt, auch koreanische Comics finden ihren Weg nach Deutschland und Bahnhofsbuchhandlungen folgen immer mehr dem Manga-Trend. Die Themen scheinen an Beliebtheit also dazuzugewinnen – und doch haben Zeitschriften es in diesen Bereichen genauso schwer wie fast alle Print-Produkte im deutschen Markt, zu bestehen und vor allem weiterzuwachsen. Ähnlich wie bei deutschen Gaming-Zeitschriften ist auch hier ein starker Rückgang zu beobachten: Gab es früher noch Zeitschriften wie Banzai (Carlsen Verlag), die Kids Zone (Computec Media) oder Manga Twister (Egmont Verlagsgesellschaften), ist das Angebot heute auf ein paar wenige Player in diesem Bereich geschrumpft.

Einer davon ist die im Jahr 2004 gegründete raptor publishing GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Diese hat sich auf Special-Interest-Zeitschriften vorrangig im Manga- und Anime- Bereich sowie in puncto Gaming und asiatische Kultur fokussiert. Den Vertrieb der Titel im deutschen Presse-Grosso übernimmt der Nationalvertrieb MZV Moderner Zeitschriftenvertrieb mit Sitz in Unterschleißheim.

Dass der Raptor-Verlag seit knapp 20 Jahren mit derart vielen Nischen-Produkten beim allgemein rückläufigen Print-Trend fortgeführt wird, zeigt: Auch Print-Magazine mit spitzen Zielgruppen können Bestand haben.

Das Raptor-Portfolio durchlebt einen stetigen Wandel

Gründer und Herausgeber Claude Moyse war zuvor als European Marketing Manager bei Nintendo of Europe tätig (gehört zum japanischen Videospiele- und Spielekonsolen-Hersteller Nintendo). Die Affinität zu Japan und der Videospiele-Branche war also bereits gegeben, erklärt er auf Nachfrage von DNV: „Eines meiner Ziele war es, japanische Kultur deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen näherzubringen. Im Laufe der Jahre sind noch andere Themen bzw. andere Zeitschriften dazugekommen.“

Acht Titel aus diesen Bereichen bietet das Raptor-Portfolio aktuell: Koneko, Virus, K*bang, Early Screams, Exp, Dynasty und die einmal jährlich erscheinende Dokidoki. Das Sortiment durchlebe jedoch einen stetigen Wandel: Zeitschriftentitel und Trends würden kommen und gehen, so Moyse. Bunt organisiert ist bei dem Verlag außerdem nicht nur das Angebots-Portfolio, sondern auch der Mix aus festangestellten Mitarbeitern und Freiberuflern: Diese leben überwiegend im deutschen Raum. Ein paar Freelancer seien aber auch in Japan und Korea vor Ort. Der zentrale Standort in Frankfurt am Main ist vor allem für den Online-Shop gedacht.

Zusätzliche Erlösquellen: Im Shop auf der Website können, neben den Print-Heften, auch Merchandise-Artikel wie Terminplaner, Wandkalender oder Bücher erworben werden - Fotos: Raptor Publishing

In diesem Online-Shop kann man, neben Zeitschriften, auch einige Merchandise-Artikel erwerben, beispielsweise Tassen, Lucky Bags (Überraschungstüten), Schlüsselanhänger oder T-Shirts. Diese weitere Erlösquelle ist gerade bei Verlagen mit Fokus auf Special-Interest-Angeboten keine Seltenheit, denn: „Der Markt für Print-Magazine ist bereits seit 2004, dem Jahr unserer Gründung, kontinuierlich rückläufig“, bestätigt auch Claude Moyse: „Zumindest was General Interest betrifft. Uns als Verlag interessieren jedoch eher die Nischenthemen und kleinen Fan-Szenen. Gaming zum Beispiel war früher (im letzten Jahrhundert) noch ein Nischenthema, inzwischen jedoch ist es mit über 40 Millionen spielenden Deutschen zu einem General-Interest-Thema, geworden, das man mit Print kaum bedienen kann, zumindest wenn es um aktuelle News geht. In der Konsequenz bedeutet das für uns, nur sehr spezialisierte Gaming-Magazine zu veröffentlichen.“

(Die Entwicklung im deutschen Gaming-Magazine-Bereich begleitete auch DNV – mehr dazu hier.)

Aktive Kundenansprache statt passives Rumliegen

Bei Gründung des Verlags, also im Jahr 2004, machte der Einzelhandel beim Raptor-Verlag noch die vollen 100 Prozent am Gesamtumsatz aus. Mittlerweile liege dieser, je nach Zeitschrift, bei etwa 25 bis 50 Prozent, so Moyse. Die beiden Titel Koneko und Virus können Leser auch im Abo erhalten. Genaue Abonnenten-Zahlen veröffentlicht der Verlag nicht, die Abo-Zahlen beider Titel seien jedoch „über die Jahre hinweg kontinuierlich wachsend.“

Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Raptor-Verlag sehr viel Arbeit und Kreativität in den Vertrieb der Zeitschriften investieren würde, um die Magazine so breit wie möglich zu streuen, erklärt Moyse: „Dazu gehören natürlich nach wie vor der Presse-Grosso und der Bahnhofsbuchhandel, aber inzwischen auch viele andere Verkaufsstellen wie etwa Fachhändler (auch aus völlig anderen Sparten), Comic-Händler, Gothic-Läden, Saturn/Media Markt, Events, Straßenfeste, Kino, Conventions. Verglichen mit 2004, wo wir im Ladenregal liegend passiv darauf gewartet haben, dass ein passender Kunde vorbeikommt, gehen wir inzwischen den entgegengesetzten Weg.“

Die Zielgruppenansprache erfolgt vor allem stark über Social Media. Dort kommuniziert der Verlag auf mehreren Kanälen mit der Community und profitiert unter anderem davon, dass diese die neuen Hefte in ihren eigenen Instagram-Stories ankündigen - Screenshots: Instagram-Kanäle K*Bang und Koneko

Wachstum über diverse Kanäle

Ein garantiertes Erfolgsrezept, um neue Leser und Abonnenten zu gewinnen, gibt es dabei aber nicht. Auch der Raptor-Verlag geht den Weg, auf viele verschiedene Kanäle zu setzen und potenzielle Neukunden sowohl im Handel als auch über das Internet (z.B. auf Instagram) und auf Events anzusprechen. Bei Letzterem lohnen sich vor allem solche, wo die Zielgruppen auch unterwegs sind. Bei Anime- und/oder Manga affinen Zielgruppen sind das Conventions und Messen wie etwa die Leipziger Buchmesse oder die in Düsseldorf jährlich stattfindende Dokomi: Hier war das Koneko-Magazin beispielsweise mit einem eigenen Stand auch dieses Jahr vor Ort.

Hilfreich könne auch eine Verknüpfung mit dem in Deutschland boomenden Manga-Buchsegment sein, bestätigt Moyse – erklärt aber auch, dass die Märkte und Vertriebswege hier doch sehr unterschiedlich seien. Mehr Sinn ergäbe es, wenn Verlage kooperieren und sich gegenseitig unterstützen. Neben dem klassischen Anzeigentausch oder Beilagen-Kampagnen arbeitet der Rator-Verlag deshalb gerade auf Social Media mit anderen Verlagen und Publishern zusammen.

Wovon die Zeitschriften außerdem profitieren können, sind Serien-Hits im Anime-Bereich (ein Effekt, den man auch bei anderen Genres beobachten kann), erklärt Moyse: „Wenn man auf die letzten 30 Jahre zurückblickt, haben Serien wie Sailor Moon, Dragon Ball, Yu-Gi-Oh und Co. immer für allgemeinen Aufwind – auch im Print-Bereich – gesorgt. Diesen Effekt gibt es nach wie vor, wenn auch nicht mehr so stark. Im Gaming-Bereich sehe ich diesen Effekt nicht.“

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