Samstag, 15. August 2026

Generative KI gehört immer selbstverständlicher zum Arbeitsalltag in deutschen Unternehmen. Mitarbeiter kritisieren allerdings Faktoren wie fehlende Implementierungen oder Strategien - Abbildung: Retresco

AI Readiness Report: Generative KI ist in den meisten Unternehmen angekommen

Während die meisten Mitarbeitenden in Unternehmen offen und neugierig gegenüber der erfolgreichen Nutzung von Generativer Künstlicher Intelligenz (KI) sind, tun die Unternehmen selbst sich mit der Integration schwer. Dies ergab der AI Readiness Report von dem KI-Spezialisten Retresco und der Münchner KI-Beratung disruptive, demzufolge 40 Prozent kritisieren, dass es in der eigenen Firma am Know-how bei der Implementierung von KI fehle. Im Schnitt bezeichnen sechs von zehn ihren eigenen Arbeitgeber sogar als „KI-unreif“.

Die Nutzung von KI hat sich in den Unternehmen längst etabliert und verteilt sich dabei auf verschiedene Tools: Hier liegt ChatGPT mit 83 Prozent in der Nutzung vorne. Danach folgen DeepL (64 Prozent), Perplexity (20 Prozent), Gemini (15 Prozent) und unternehmenseigene Lösungen (12 Prozent). Auf diese Tools greifen zwar mehr als 85 Prozent der Befragten während der Arbeit zurück, aber: Dies betrifft nur einen kleinen Teil des textbasierten Arbeitens. Im Schnitt wird nur eines von 13 Teams bei mehr als der Hälfte der Aufgaben durch die KI unterstützt.

Wichtigste KPI: Zeitersparnis

Die Umfrage zeigt deutlich, was aktuell die wichtigste KPI bei der Bewertung des Einsatzes von KI darstellt: Für 88 Prozent ist vor allem die Zeitersparnis ein hilfreicher Faktor, gefolgt von Effizienzsteigerung (78 Prozent), Kostenersparnis (57 Prozent) und einer gesteigerten Qualität der Texte (56 Prozent). Die Use Cases von KI in den Unternehmen gliedern sich dabei in Arbeiten wie beispielsweise Textgenerierung, Content-Recherche, Übersetzungen oder das Umformulieren von Quelltexten.

Textgenerierung und Content-Recherchen: Hierfür werden KI-Tools am häufigsten genutzt - Abbildung: Retresco

Unter den Befragten der Studie herrscht generell eine positive Haltung zur generativen KI. Zwei Drittel sind optimistisch, was eine von KI geprägte Zukunft der Arbeit angeht, nur bei jedem Achten überwiegen pessimistische Sichtweisen.

In der Pressevertriebs- und Verlagsbranche ist man hier noch deutlich zwiegespaltener. Das zeigt sich vor allem auf Branchentreffen: So betonte Prof. Dr. Thomas Höppner von Partner Hausfeld etwa im Zuge des Digitalkongresses #beBETA 2024 vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger: Der Einsatz künstlicher Intelligenz ist mit Vorsicht zu genießen. Warum, führte er anhand des Beispiels BNN Breaking an – eine Nachrichten-Website mit Sitz in Hongkong, die KI-gesteuerte Inhaltsaggregation verwendete. Dadurch seien nicht nur irreführende Nachrichten verbreitet worden – es war teilweise auch möglich, so Inhalte zu konsumieren, die hinter den Paywalls einiger Medienhäuser standen.

Und das wird nicht nur auf Unternehmens-, sondern auch auf Verbraucherseite kritisch gesehen. Denn: Eine KI bringt zwar Vorteile wie automatisierte Prozesse und dadurch Arbeitsentlastungen einzelner Mitarbeiter mit sich. Wie fast jeder technische Prozess muss die KI allerdings von Technologieunternehmen trainiert werden, um sie erfolgreich in Unternehmen implementieren zu können.

Verlage fordern Vergütung für Online-Inhalte

Und genau hier wird es, vor allem für Verlage, oft problematisch. Denn diese fordern eine Entschädigung dafür, dass ihre Online-Inhalte zum Trainieren der KI verwendet werden. Dies ist auch aus Nutzersicht nachvollziehbar, ergab eine repräsentative, zu Beginn des Jahres 2024 durchgeführte Umfrage zu KI und Medien, durchgeführt vom US-Verlegerverband News Media Alliance: Knapp 57 Prozent der hier befragten Nutzer sprachen sich dafür aus, dass Verlage dafür entschädigt werden sollten, wenn ihre Inhalte zum Trainieren einer KI genutzt werden (mehr dazu hier).

Dem Thema Künstliche Intelligenz in der Verlagsbranche und im Pressevertrieb widmete DNV sich bereits letztes Jahr in Form einer Umfrage. Um den aktuellen Stand zu erfassen, wurde diese Umfrage dieses Jahr wieder aufgegriffen. Die ersten beiden Artikel dazu können Sie hier lesen:

Die Umfrage zum AI Readiness Report wurde im Zeitraum April bis Mai 2024 und in Form eines Online-Umfragebogens durchgeführt. Kern der Fragen war die Generative KI mit Fokus Text (in der Studie als KI abgekürzt). 81 Geschäftsführende, Fachbereichsleiter und -experten aus unterschiedlichen Branchen nahmen daran teil.

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