Samstag, 15. August 2026

Vanessa Bitter ist Leiterin des Projekts „Jahr der Nachricht“ und weiß, dass vor allem der direkte Austausch mit jungen Menschen wichtig ist, um sie in ihrer Lebensrealität erreichen zu können - Foto dpa / Michael Kappeler

„Jahr der Nachricht“: Wie erreichen wir junge Menschen mit News?

In Zeiten von Desinformationen und Fake News sowie einer wachsenden Entfremdung zwischen Medien und der Bevölkerung hat es sich die Medienkompetenzinitiative #UseTheNews zur Aufgabe gemacht, auf die Bedeutung von vertrauenswürdigen Informationen aufmerksam zu machen. Zu diesem Zweck hat die Initiative das Jahr 2024 zum „Jahr der Nachricht“ ernannt. Ziel ist es, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene für den sicheren Umgang mit Nachrichten zu rüsten.

Im Rahmen des Projekts „Jahr der Nachricht“ finden bereits seit Jahresbeginn verschiedene Aktionen statt. Zum einen soll eine Kommunikationskampagne unter dem Slogan „Nachrichten, die stimmen statt Stimmung machen“ die breite Bevölkerung ansprechen. Zum anderen sorgen spezielle Angebote dafür, dass Jugendliche und junge Erwachsene einen Zusammenhang zwischen aktuellen Nachrichten und der eigenen Lebenswirklichkeit herstellen können. Dafür bereitet ein sogenannter „Social News Desk“ täglich ein Nachrichtenthema auf – angelehnt an die entsprechenden Bedürfnisse der Zielgruppe. In regionalen Newscamps haben Schüler zudem die Möglichkeit, einen digitalen Journalismus zum Anfassen zu erleben.

Das „Jahr der Nachricht“ wird von den Partnern der Initiative #UseTheNews unterstützt. Dazu gehören neben der ARD, dem ZDF und RTL/ntv auch mehrere Verlagshäuser wie Der Spiegel, die Madsack Mediengruppe oder die Funke-Gruppe sowie Verlegerverbände wie der BDZV. Aber auch verschiedene Landesmedienanstalten, die Bundeszentrale für Politische Bildung, das Leibniz-Institut für Medienforschung oder die ZEIT-Stiftung sind dabei u.v.m.

Was können wir aus dem „Jahr der Nachricht“ lernen?

Wie das „Jahr der Nachricht“ bis jetzt verlaufen ist und was sie aus dieser Zeit bereits mitgenommen hat, erzählt Projektleiterin Vanessa Bitter im DNV-Interview:

Wie viele Jugendliche bzw. junge Erwachsene erreichen Sie mit den Aktionen wie beispielsweise den Newscamps? Wie stark ist das Interesse und die Beteiligung?

Anfang des Jahres sind wir mit dem Ziel gestartet, in jedem Bundesland ein Newscamp umzusetzen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass das Interesse und das Engagement unserer Partner enorm hoch sind. So haben in den ersten sechs Monaten bereits 18 Newscamps in zwölf Bundesländern stattgefunden. Bis Ende des Jahres sind bundesweit weitere 30 Camps geplant. Die Formate der Newscamps sind dabei sehr vielfältig: Das Konzept reicht von Projekttagen in Schulen über eigene Veranstaltungen der jeweiligen Medienhäuser bis hin zur Teilhabe an Festivals wie dem Sputnik Spring Break oder Branchenmessen wie der ConCon. Über 1.500 Schülerinnen und Schüler konnten so bereits an den Newscamps teilnehmen.

Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen ziehen? Ein Ziel ist zum Beispiel, mit „Social News Daily“ Nachrichten so aufbereiten, dass Jugendliche und junge Erwachsene den Zusammenhang zur eigenen Lebenswirklichkeit herstellen können. Wie muss das aussehen?

Um junge Menschen in ihrer Lebensrealität zu erreichen, ist es unerlässlich, mit ihnen in den direkten Austausch zu gehen. Nur so können wir verstehen, welche Themen sie gerade beschäftigen und was sie sich wünschen. Unser Redaktionsteam von „Social News Daily“ ist daher regelmäßig mit Jugendlichen beispielsweise im Rahmen von Workshops in Schulen oder auf Newscamps im Gespräch. Bei allen Themen versuchen wir dabei stets für unsere junge Audience die Frage „Was hat diese Nachricht mit meinem Leben zu tun?“ zu beantworten. Zur Europawahl haben wir junge Menschen gefragt, was Europa für sie bedeutet, in einem anderen Video haben wir aufgeklärt, was Parteien im EU-Parlament für Jugendliche und junge Erwachsene planen. In den direkten Austausch mit der Community kommen wir zudem in unseren wöchentlichen Livestreams auf TikTok. Hierfür sind wir in der Stadt, auf dem Land oder auch mal auf einem Festival unterwegs und sprechen über politische und gesellschaftliche Themen.

"Um junge Menschen mit Nachrichten zu erreichen, führt kein Weg an TikTok, Instagram und Co. vorbei. Wir müssen dort sein, wo sich die Zielgruppe informiert. Das bringt mit sich, dass Redaktionen auch ein Stück weit nach den Regeln der jeweiligen Plattform spielen müssen…"

Vanessa Bitter
Projektleiterin „Jahr der Nachricht“

Gerade jüngere Generationen nutzen TikTok und Co., um sich zu informieren. Inwieweit eignen sich diese Plattform aus Redaktionssicht, um News auszuspielen? Und worauf muss man dabei achten?

Um junge Menschen mit Nachrichten zu erreichen, führt kein Weg an TikTok, Instagram und Co. vorbei. Wir müssen dort sein, wo sich die Zielgruppe informiert. Das bringt mit sich, dass Redaktionen auch ein Stück weit nach den Regeln der jeweiligen Plattform spielen müssen, um die gewünschte Reichweite zu erzielen. Ohne einen fesselnden Hook, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, springen viele spätestens nach drei Sekunden ab. Schnell sein gilt dabei nicht nur für den Einstieg: Im besten Fall dauert ein Video nicht länger als 40 Sekunden. Unsere Inhalte haben daher nicht den Anspruch, alles zu einem Thema allumfassend zu erklären. Stattdessen fokussieren wir uns auf eine einzelne Hauptfrage und -information pro Video. Auch halten wir unsere Sätze möglichst kurz und verwenden simple Begriffe, die für unsere Zielgruppe zugänglich sind.

Gleichzeitig bedarf es individueller Strategien für die einzelnen Plattformen. In der Generation Z und Alpha ersetzt TikTok inzwischen immer häufiger die Google-Suche. Für die sogenannte „Social Search“ sind daher die Thumbnails, die Teaserbilder der Videos auf der „For You Page”, besonders entscheidend. Widererkennungswert schaffen zudem die Hosts, mit denen sich die Zielgruppe identifizieren kann.

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Welche Aktionen sind für dieses Jahr noch geplant?

Neben vielen weiteren Newscamps sind bereits weitere Modellprojekte zwischen Lokalredaktionen und Schulklassen in Planung. In einem Projektzeitraum widmen sich Jugendliche Zukunftsthemen ihrer Heimatregion und produzieren in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Medienpartner Audio- und Videoformate. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei viel über das journalistische Handwerk, gleichzeitig profitieren die Lokalredaktionen von dem Austausch mit der jungen Zielgruppe. Diese Form der Nachrichtenkompetenz-Vermittlung wollen wir bei #UseTheNews auch über das Jahr der Nachricht hinaus weiter vorantreiben.

Auch für unser News-Format „Social News Daily“ planen wir einige Neuerungen. Nach der Sommerpause werden wir unser Liveformat auf TikTok weiter ausbauen und zudem mit einem wöchentlichen Livestream auf Twitch starten. Bis Ende des Jahres wollen wir Erkenntnisse darüber sammeln, wie wir eine junge Audience auf Social Media mit journalistischen Inhalten erreichen. Bereits jetzt arbeiten wir an zwei Whitepapern für die journalistische Praxis und für den Bildungsbereich, um unsere Learnings der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zeitgleich wird eine Studie vom Leibniz-Institut für Medienforschung erscheinen, dass die Aktionen im Jahr der Nachricht wissenschaftlich begleitet.

Wie kann man als Medienschaffender oder Verlag noch mitmachen?

Hinter dem Jahr der Nachricht steht das breite Partnernetzwerk von #UseTheNews. Wir freuen uns über alle, die sich der Initiative anschließen und das Jahr der Nachricht mit uns gestalten – das kann eine Kooperation mit dem Team von „Social News Daily“ sein oder die Teilnahme an einem Modellprojekt oder einem Newscamp.

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