
Das mitgliederfinanzierte Magazin Perspective Daily braucht die Hilfe der Community: 1.500 neue Mitglieder sollen in diesem Sommer noch zusammenkommen - Abbildung: Screenshot Perspective Daily Website
Perspective Daily bittet Community um Hilfe: 1.500 neue Abonnenten werden gebraucht
Das Online-Magazin Perspective Daily, das sich dem konstruktiven Journalismus als Basis seiner redaktionellen Arbeit verschrieben hat, wendet sich mit einem Hilferuf an seine Leser: Das mitgliederfinanzierte Medien-Start-up betont auf der eigenen Website, dass sie nur weiterbestehen können, wenn sie mehr Abonnenten dazugewinnen. Das Ziel: In diesem Sommer noch 1.500 neue Mitglieder zu sammeln.
Doch zuerst ein Blick auf den Status Quo: Konstruktiver Journalismus, was ist das eigentlich? Dabei handelt es sich um ein redaktionelles Format, das eine lösungsorientierte, neutrale und transparente Content-Erstellung beschreibt. Es geht darum, Situationen aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten, die Grundlage für Diskussionen zu bieten und Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Weitere Player im deutschen Markt, die sich – neben Perspective Daily – diesem Format widmen, sind beispielsweise die Magazine Good Impact, Krautreporter, Deine Korrespondentin oder das Bonn Institute für Journalismus und konstruktiven Dialog.
(Wer mehr über den Konstruktiven Journalismus und was dieser bewirkt erfahren will, kann sich hier einen Überblick verschaffen.)
Vertrauen als wichtigste Währung
Ein Faktor, der in puncto Leserbindung bei diesem Format eine große Rolle spielt, ist das Vertrauen. Um dieses „aufzubauen und um zu verstehen, wie unser Journalismus tickt, braucht es etwas mehr Zeit und Kontaktpunkte. Die meisten Menschen sind erst nach einigen ´Begegnungen´ mit uns bereit, Geld für ein Abo auszugeben“, heißt es dazu auf der Perspective-Daily-Website.
Hinzu kommen für das Magazin außerdem weitere Herausforderungen wie ein geringes Werbebudget und wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie die Auswirkungen der Inflation. Auch Probe-Abos und Rabattaktionen helfen nur bedingt, so das Magazin weiter. Vor zwei Jahren habe es schon einmal eine „Rettungsaktion“ gegeben: Damals wurden Leser gebeten, Gutscheine zu kaufen und zu verschenken. Nur ein kleiner Anteil dieser Gutscheine wurde am Ende aber tatsächlich eingelöst und führte zu treuen Mitgliedern.
„Der Verkauf von Gutscheinen ist für uns daher eine willkommene kurzfristige Finanzspritze; eine nachhaltige Bindung neuer Leser*innen, mit denen wir langfristig planen können, ist es nicht“, so Perspective Daily.
Neues, dreistufiges Abo-Modell soll finanzielle Abhilfe schaffen
Idealisten-, Utopie- oder Visionärs-Abo: Mit dem neuen, dreistufigen Förder-Abo-Modell will Perspective Daily sein Weiterbestehen mithilfe der Community sichern - Abbildung: Screenshot Perspective Daily Website
Abhilfe soll nun stattdessen ein neues Abo-Angebot schaffen. Bisher gab es bei Perspective Daily bereits ein dreistufiges Angebot – dieses wird nun als „Standard-Abo“ betitelt – bei dem Mitglieder ein Einsteiger-Abo für vier Euro im Monat, ein Zukunfts-Abo für fünf Euro im Monat oder ein Unterstützer-Abo für acht Euro im Monat abschließen konnten. Dieses Standard-Abo soll es auch weiterhin geben.
Damit das Unternehmen selbst aber finanziell weiterbestehen kann, wurde nun zusätzlich das dreistufige „Förder-Abo“ etabliert: Leser, die das Magazin finanziell stärker unterstützen möchten, können ein Idealisten-Abo (zehn Euro pro Monat), ein Utopie-Abo (25 Euro pro Monat) oder ein Visionärs-Abo (50 Euro pro Monat) abschließen. Die Einnahmen aus den Abos fließen anschließend zum Großteil in Personalkosten, zu kleineren Teilen in Bereiche wie Miete, Marketing oder Digitale Infrastruktur.
Transparent kommuniziert das Unternehmen, wofür die Abo-Einnahmen genutzt werden. Zum Großteil fließen die Finanzen in Personalkosten - Abbildung: Screenshot Perspective Daily Website
„Wir sind uns bewusst, dass das ganz ordentliche Preise sind, die wir da aufrufen“, resümiert Perspective Daily dazu auf der Website, „Aber wir finden eben auch: Im Vergleich zu vielen anderen Medien sind wir im Standard-Abo nach wie vor echt günstig. (Und das wollen wir natürlich auch sein, damit sich jede*r Konstruktiven Journalismus leisten kann!)“
Die Community in einer Notlage einzubeziehen und anzusprechen, ist generell keine Seltenheit. Allein im Herbst letzten Jahres finden sich in der deutschen Medienlandschaft drei Beispiele dafür, dass dies durchaus erfolgsversprechend sein kann: Durch die Kraft der Community konnten so etwa die Tageszeitung neues deutschland, das Satire-Magazin Titanic und das unabhängige Magazin Katapult aus Greifswald gerettet werden – wobei hier nicht nur Faktoren wie mehr Abonnenten, sondern auch Einnahmen durch Merchandise oder Spenden reinspielten.
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