
Diskutierten bei der Langen Nacht der Zeitungen über den KI-Einsatz in Medienhäusern (v.li.): Cai Tore Philippsen (FAZ), Dr. Sibylle Anderl (Die Zeit) und Fabian Heckenberger (SZ) - Foto: Andreas Henn
Lange Nacht der Zeitungen 2024: Ein Abend rund um KI und Grosso-Verhandlungen
Die drei überregionalen Zeitungen Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung haben auch in 2024 ihr Vorab-Event zu Tagung der Presse-Grossisten veranstaltet. Am 23. September kamen bei der „Langen Nacht der Zeitungen“ rund 120 Protagonisten der Verlags- und Pressevertriebsbranche im Restaurant Lumen in Wiesbaden zusammen. Ihnen wurde eine Podiumsdiskussion rund um den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Medienhäusern sowie ein Buffet und reichlich Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken geboten.
Die Gäste beschäftigte abseits der Bühne vor allem die aktuelle Verhandlungssituation zwischen den Presse-Grossisten und den Verlagen. Beide Parteien ringen derzeit um neue Konditionen und Strukturen für das Pressevertriebssystem (mehr dazu hier). In den Gesprächen wurden vielen Informationen und Meinungen dazu ausgetauscht und man blickte mit Spannung auf die Jahrestagung des Gesamtverbands Pressegroßhandel (GVPG), die am Folgetag in Wiesbaden stattfindet. Viele Teilnehmer erwarteten, dass dort öffentliche Statements zur gegenwärtige Lage gemacht werden.
Genau dieser Austausch ist einer der Gründe, warum die drei überregionalen Zeitungen ihr Event ins Leben gerufen haben. Sarah Reinbacher, Leiterin Vertrieb & Werbung bei der Zeit, erklärt: „Mit der Langen Nacht der Zeitungen wollen wir eine Möglichkeit zum zwanglosen, offenen Austausch zwischen allen Akteuren unserer Branche bieten. Und wir möchten uns nicht zuletzt auch bedanken bei unseren Vertriebspartnern für die gute Zusammenarbeit.“
Dass es auch und gerade in Zeiten schwieriger Marktentwicklungen und Verhandlungssituationen Austausch braucht, wird immer wieder betont. Norbert Weger, stellvertretender Gesamtvertriebsleiter der Süddeutschen Zeitung, unterstreicht: „Nicht nur in den aktuellen Zeiten, sondern auch in der Vergangenheit und mit Blick in die Zukunft waren und sind Begegnungen und ein zielführender Austausch wesentlicher Bestandteil der Kommunikation in unserer Pressewelt. Gute Kommunikation ist die Brücke zur Lösung von Problemen.“
Es sind dabei nicht ohne Grund eben jene drei Zeitungen, die eine solche Plattform für die Kommunikation stellen. Sie gehören im Zeitungsmarkt zu den führenden Titeln und haben eine entsprechende Relevanz im Handel und für das System. Wie es um die Situation des Zeitungsmarktes insgesamt bestellt ist, analysiert Wolfgang Deichert, Head of Retail Sales & Distribution bei der FAZ: „Die Tages- und Wochenzeitungen sind an sechs bis sieben Wochentagen immer noch der Frequenzbringer im Pressehandel. Sie schaffen täglich Nachfrage, bringen Kunden in den Laden und sind mit Abstand, und über 30 Prozent Anteil, der größte Umsatzbringer unter den Presseerzeugnissen (Objektgruppen). In der Bedeutung des Vertriebsweges Handel für die Verlage muss man hingegen differenzieren. Bei überregionalen Abo- und Wochenzeitungen erreicht der EV-Verkauf Print häufig einen Anteil von ca. 15-20 Prozent, bei Kaufzeitungen bekannterweise sogar bis zu ca. 70 Prozent. Bei regionalen Abozeitungen ist der Handel mit weniger als 5 Prozent eher unbedeutend.“
Impressionen zur Langen Nacht der Zeitungen 2024
(alle Fotos: Andreas Henn)
Wolfgang Rakel 24.09.2024





