Samstag, 15. August 2026

Blick auf die Zahlen: Kann die taz mit einem freiwilligen Bezahlmodell relevante Umsätze erwirtschaften? - Abb.: Sammby - AdobeStock

Wie läuft das freiwillige Bezahlmodell der taz?

Im Gegensatz zu den meisten anderen Medienhäusern setzt die linke Tageszeitung taz zur Monetarisierung ihrer Digital-Inhalte nicht auf eine Paywall, sondern auf ein Spendenmodell. Nutzer können freiwillig einen selbstgewählten Beitrag zahlen – entweder einmalig oder regelmäßig. Lassen sich damit relevante Umsätze für ein Medienhaus erzielen?

Die Antwort lautet: ja. Dazu ein paar Zahlen:

  • Im Februar hat die taz die Marke von 40.000 Unterstützern geknackt – also Menschen, die über das Spendenmodell einen freiwilligen Beitrag für die Inhalte zahlen.
  • 2024 erzielte die taz mit dem Spendenmodell einen Umsatz von rund 3,2 Mio. Euro. Die Umsätze waren in den vergangenen stetig gestiegen, 2024 um 14 Prozent.
  • Zur Einordnung: Die taz Verlagsgenossenschaft hatte in den Jahren zuvor einen Jahresumsatz von etwas mehr als 32 Mio. Euro erwirtschaftet. Gemessen daran würde das Spendenmodell also etwa zehn Prozent zum Gesamtumsatz des Medienhauses beitragen.
  • Fast 90 Prozent der Umsätze aus dem Spendenmodell kommen als regelmäßige Unterstützungsbeiträge. Entsprechend sind nur gut zehn Prozent spontane Einmalzahlungen.

Erlösentwicklung der taz mit ihrem freiwilligen Bezahlmodell taz.zahl ich - Abb.: Screenshot taz.de

Während alle Medienhäuser mit digitalem Bezahlmodell versuchen, ihre Paid-Content-Erlöse zu steigern, ist dieses Wachstum für die taz besonders wichtig. Denn: Zum 17. Oktober 2025 soll die gedruckte Tageszeitung der taz eingestellt werden – ab dann muss sich das Medienhaus aus anderen Erlösquellen refinanzieren.

Dazu wurden vier sogenannte „Zukunftsprodukte“ auserkoren:

  • Das E-Paper. Aktuell zählt es rund 17.000 Abonnenten
  • Die weiterhin erscheinende Print-Wochenzeitung Wochentaz. Pro Ausgabe werden gut 3.000 Exemplare im Einzelhandel verkauft. Hinzu kommen rund 35.000 Print-Abos (zuletzt stabil)
  • Kombi-Abos
  • Das freiwillige Bezahlmodell „taz. zahl ich“

In diesem Produktmix ist das freiwillige Bezahlmodell das niedrigschwelligste Produkt. Nutzer können entweder die voreingestellten fünf, zehn oder 15 Euro zahlen, oder aber einen eigenen Betrag wählen. Und gerade weil dort im Vergleich zu den Abo-Produkten meist deutlich niedrigere Beiträge gezahlt werden, braucht das Medienhaus möglichst viele solcher Unterstützer.

Bei der taz zeigt man sich optimistisch, die Zahl der freiwilligen Zahler noch deutlich steigern zu können. Einerseits wird dafür die Reichweite von taz.de angeführt, die monatlich rund drei Mio. Leser zählt. Erst im Oktober 2024 hatte die Website einen Relaunch bekommen (mehr dazu hier). Andererseits sind neue Produkte bereits in Arbeit, darunter eine News-App, von der man sich offenbar viel verspricht.

Wie bei anderen Paid-Content-Modellen ist auch beim Modell der taz die Kündigungsrate (Churn) ein Thema. Wie das Medienhaus damit umgeht, lesen Sie hier.

DNV hatte bereits im Mai 2024 einen Deep Dive in das Bezahlmodell der taz (sowie auch dem freiwilligen Bezahlmodell des Standard aus Österreich) veröffentlicht. Solche Deep Dives sowie Tipps und Zahlen zum Paid-Content-Geschäft veröffentlicht DNV einmal im Monat im Themen-Newsletter „Engage!“, für den man sich hier anmelden kann.

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