Samstag, 15. August 2026

Isabelle Gardt ist Geschäftsführerin und Head of Marketing bei OMR. Sie weiß, welche Schritte OMR von einer kleinen Konferenz für Online Marketing hin zur Mega-Marke gemacht hat - Foto: Janne Dierks

OMR: Diversifizierung als Erfolgskonzept

Die meisten Menschen denken bei OMR wahrscheinlich zunächst einmal an das Festival. Dieses zieht jährlich tausende Teilnehmer nach Hamburg und sorgt mit Auftritten von Prominenten wie Kim Kardashian, Politikern wie Robert Habeck oder Music Acts wie Tokio Hotel für enorme Aufmerksamkeit auch außerhalb der Branche.

Doch OMR (ehemals Online Marketing Rockstars) ist mehr als nur das Festival. Gründer Philipp Westermeyer und sein Team haben das 2011 gestartete Unternehmen mittlerweile zu einer diversifizierten Medienmarke mit mehreren Geschäftsfeldern ausgebaut. Wie das gelungen ist, erfuhr DNV im Gespräch mit OMR-Geschäftsführerin und Marketing-Chefin Isabelle Gardt.

Organisches Wachstum mit Fokus auf ein Kernthema

Im Laufe der Jahre sind unter dem Dach von OMR neben dem Festival wie gesagt einige weitere Angebote entstanden. Alle Standbeine haben sich rund um den Schwerpunkt von OMR – nämlich Digital Marketing und Technologie – entwickelt, decken aber ein breites Spektrum an unterschiedlichen Pain Points ab, erklärt Isabelle Gardt. Sie ist seit 2017 Head of Marketing und seit 2022 zusätzlich Geschäftsführerin von OMR.

Gardt berichtet, dass bereits nach den ersten zwei Jahren, in denen die Konferenz stattfand, klar war, dass OMR nicht nur ein Event-Format sein soll: „Denn meistens läuft es so: Du veranstaltest dein Event, machst drei Monate davor Marketing, danach gibt es ein bisschen Recap. Und dann hört das restliche Jahr niemand mehr von dir.“ OMR wollte dagegen eine Marke sein, mit der die User immer wieder in Kontakt treten können. Und so wurde 2014 die OMR-Redaktion geschaffen, die täglich Beiträge für die Website und die Newsletter schreibt. Inhaltlich orientiert sich das Team an den Themen, die auch auf den Bühnen des OMR-Festivals stattfinden. Im Kern geht es also auch hier um Erfolgsgeschichten und Learnings aus der Digital- und Marketingbranche. Gleichzeitig wurde mit den Newslettern auch der Verteiler für das Festival erweitert.

Das OMR Festival ist 2011 als kleine Konferenz gestartet. Rund 150 Freunde, Bekannte und Geschäftspartner nahmen damals an dem Event teil. Heute zieht das OMR Festival jedes Jahr wieder um die 70.000 Besucher in die Messe Hamburg - Foto: OMR/Julian Huke Photography

Nach diesem Vorbild sei das Angebot von OMR weiter organisch und auch ein bisschen zufällig weiter gewachsen, sagt Gardt. „In der Zeit, in der Philipp viel mit dem Kinderwagen unterwegs war, hat er dabei immer Podcasts aus Amerika gehört. So kam ihm die Idee, dasselbe auch in Deutschland anzubieten“, erinnert sich die Geschäftsführerin. Also startete er noch vor dem hiesigen Podcast-Boom den OMR-Podcast. Auch hier handelt es sich um einen weiteren Verbreitungskanal für die Art von Geschichten, für die OMR seit jeher steht: Wie ist ein Unternehmen groß geworden? Wie gewinnt man Reichweite? Philipp Westermeyer legte mit seinem Podcast damals den Grundstein für die Podstars-Sparte von OMR – mit der heute ein rund 40-köpfiges Team zahlreiche Wirtschafts- und Business-Podcasts produziert oder vermarktet.

Mehr Kontaktpunkte durch Diversifizierung

Bis heute hat OMR folgende Geschäftsfelder unter seiner Marke etabliert: das OMR-Festival, das Informationsangebot auf omr.com mit zahlreichen Newslettern, die Podcast-Tochter Podstars, das Weiterbildungsangebot OMR Education, das Jobportal OMR Jobs & HR sowie die Software-Vergleichsplattform OMR Reviews. Bei der Entwicklung dieser Bereiche hat sich das Team unter anderem an den Bedürfnissen seiner Kunden orientiert. OMR Education zum Beispiel entstand aus dem Wunsch heraus, gezielt mehr über Online-Marketing-Themen zu lernen. In verschiedenen Formaten bietet OMR daher nun die Möglichkeit, sein Wissen zu Themen wie Social-Media-Marketing, Podcast-Marketing, E-Mail-Marketing und vielem mehr zu vertiefen.

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Letztlich hat jedes dieser Geschäftsmodelle seine eigene Nische, die es bedient. „So haben wir das Angebot ausgewogen diversifiziert, so dass auch wenn mal eine Säule wegbrechen würde, wir immer noch bestehen bleiben können“, so Gardt. Das breite Angebot hat OMR auch durch die schwierige Corona-Zeit geholfen. „Wir hatten das Glück, dass wir zu dem Zeitpunkt schon so diversifiziert waren, dass wir auch andere Standbeine hatten neben dem Festival. Ansonsten hätten wir echt ein Problem gehabt.“

Insbesondere der Bereich OMR Reviews sei ein Wachstums-Case, berichtet Gardt. Auf der Vergleichsplattform für Software können Nutzer Einschätzungen und Bewertungen zu Tools aus der Marketing-Branche abgeben oder lesen. Rund 70 Mitarbeiter sind bereits bei OMR Reviews beschäftigt. Langfristig müssen hier neue Kollegen hinzukommen, verrät die Marketingexpertin, denn neue Partner und Produkte sind bereits in Aussicht.

„Mit all diesen Angeboten haben wir unterschiedliche Einstiegspunkte zur Marke OMR geschaffen. Und das ist auch der wichtigste Hintergrund.“

Isabelle Gardt
OMR

Für die Markenwahrnehmung und Kredibilität von OMR spielen alle Geschäftsbereiche gleichermaßen eine wichtige Rolle. Und sie schaffen neue Kontaktpunkte zur Branche. „Mit all diesen Angeboten haben wir unterschiedliche Einstiegspunkte zur Marke OMR geschaffen. Und das ist auch der wichtigste Hintergrund. Die Menschen lernen uns nicht mehr nur über das Festival kennen, sondern kommen zum Beispiel über die OMR Reviews erstmals mit OMR in Kontakt, weil sie sich zunächst einmal für ein Softwareprodukt interessiert haben“, erklärt Gardt.

Passende Erlösquellen für jedes Geschäftsfeld

So vielfältig die Geschäftsfelder von OMR mittlerweile sind, so vielfältig sind auch die daraus entstehenden Erlösströme. Dabei wird in jedem Geschäftsfeld ein anderer Schwerpunkt gelegt – entsprechend der jeweiligen Strategie. „So ist das Festival ein Zusammenspiel aus Partnern und Ticketverkäufen, wohingegen das Geschäftsmodell von OMR Reviews auf einem Abo-Modell aufbaut“, erläutert Gardt. „Bei OMR Education verkaufen wir unsere Weiterbildungsprodukte über einen Online-Shop und im Podcast-Bereich setzen wir auf Werbeeinnahmen sowie Brand-Partner.“

Im OMR-Office in der Lagerstraße in Hamburg gibt es die sogenannte Hall of Fame. Sie ist den Partnern von OMR gewidmet – darunter Underberg, Glo oder Vodafone - Foto: Janne Dierks

In ihrer Relevanz halten sich die einzelnen Erlösquellen laut Gardt die Waage, jedes Standbein sei wichtig. Dabei ist auch nicht auszuschließen, dass künftig noch weitere Geschäftsfelder und Standbeine dazukommen. Das Team sucht stets nach neuen Chancen, wie das jüngste „Familienmitglied“ OMR Frames mit seinen Dokumentationen zeigt. Dahinter steckt eine übergreifende Denke: „Für uns steht Diversifizierung an erster Stelle“, so Geschäftsführerin Gardt. „Wir probieren aus, wir testen, testen und testen.“

„Für uns steht Diversifizierung an erster Stelle. Wir probieren aus, wir testen, testen und testen.“

Isabelle Gardt
OMR

Während traditionelle Medienhäuser wie Verlage stark auf Abonnements setzen, hält man das bei OMR nicht in jedem Bereich für sinnvoll. Gleichwohl wurde die mittlerweile sehr erfolgreiche Bewertungsplattform OMR Reviews nach einer Membership-Logik aufgebaut. „Unternehmen, die Kunde auf unserer Software-Informationsplattform sind, können verschiedene Pakete buchen, um sich selbst auf Reviews zu positionieren“, berichtet Gardt. „Je nach Paket können sie auf der Plattform ihre Bewertungen managen und auf diese antworten, sich Auszeichnungen verdienen und Einblicke erhalten, welche Nutzer*innen aktuell auf Software-Suche sind.“

Den gesamten Artikel finden Interessierte in der aktuellen Ausgabe von DNV (2/2025). Isabelle Gardt erklärt dort außerdem, wie OMR aktuell verstärkt auf Bewegtbild setzt und warum Marken mit Persönlichkeiten aufgeladen werden müssen, um wirklich erfolgreich zu sein. Zur Bestellung geht es hier.

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