Freitag, 14. August 2026

KI ist in der Verlagsbranche mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Wie ihre Häuser mit der Technologie arbeiten, erklärten beim Branchenevent Future Media Now unter anderem Rebecca Gottwald (BurdaVerlag) und Christoph Zimmer (Der Spiegel) - Fotos: Ole bader

4 Learnings vom MVFP Future Media Now 2025

Der Medienverband der freien Presse (MVFP) veranstaltete am 27. März 2025 zum vierten Mal das Event Future Media Now. In Berlin sprachen Verlagsleiter, Geschäftsführer und Strategen aus der Verlagsbranche über einige der wichtigsten Themen der digitalen Zukunft. Erneut stellte Künstliche Intelligenz ein Leitthema dar, aber auch digitaler Content und Zukunftsstrategien spielten eine wichtige Rolle. DNV hat vier Learnings zusammengetragen:

Liquid Content wird immer wichtiger

Bei Liquid Content handelt es sich um Inhalte, die in einer anderen als der originalen Form konsumiert werden können. Dazu gehören zum Beispiel YouTube-Videos, die in Form von Transkripten gelesen werden können oder Video-Podcasts bei Spotify, wo normalerweise Audio-Only Inhalte gehört werden. „Die große Veränderung ist nicht der Einsatz von KI als redaktionelles Werkzeug, sondern der Medienkonsum in neuen Interfaces. Liquid Content ist das Stichwort,“ erklärte Christoph Zimmer, Leiter Product & Vertrieb der Spiegel-Gruppe und Geschäftsführer von 11Freunde. „Unsere Zielgruppen werden in Zukunft erwarten, dass sie Inhalte individuell nutzen können – sei es als Text, Audio oder Video. Darauf müssen wir uns als Branche einstellen.“

KI ist keine Zukunftsmusik mehr - Wir sind schon mittendrin

Künstliche Intelligenz war ein leitendes Thema beim Future Media Now und dominierte die Mehrheit der Vorträge. Damit wurde klar, dass bereits viele Verlage und Unternehmen KI aktiv nutzen. Ein Beispiel dafür ist Blue Ocean. Bei dem Kindermedienverlag werden mithilfe von KI bereits ganze Zeitschriften von Deutsch auf Spanisch übersetzt. KI kann also den Eintritt in den internationalen Markt erheblich vereinfachen.

Außerdem sprach Rebecca Gottwald, COO des BurdaVerlags, über die KI-Plattforn Aissist von Burda. Mit dieser können Mitarbeiter nicht nur Texte übersetzen, sondern unter anderem auch transkribieren und Texte und Bilder generieren. „Wir haben uns beim Aufkommen von ChatGPT schnell damit auseinandergesetzt, wie wir eine konnektive Plattform für unsere Prozesse entwickeln können. Mit Aissist haben wir einen niederschwelligen Zugang zu KI-Funktionen geschaffen, der tief in unsere Produktionsumgebung integriert ist,“ erklärte sie.

Ludwig Siegele brachte ein internationales Beispiel mit nach Berlin. Der Senior Editor für KI-Initiativen beim Economist sprach über den Einsatz von KI bei der renommierten Zeitschrift. „Unsere 300 Journalistinnen und Journalisten haben Zugang zu unterschiedlichen KI-Modellen und probieren viel aus. Die ‚Machine in the middle’ ist aus unserer Sicht ein Zukunftsmodell zwischen der Redaktion und der Audience,“ erzählte er.

Eva-Maria Bauch, CEO der Mediengruppe Oberfranken, wies schließlich darauf hin, wie wichtig es für Unternehmen ist, die Nutzung von KI zu operationalisieren. „Transformation ist keine Blaupause,“ hieß es in ihrem Vortrag.

Künstliche Intelligenz schafft neue Möglichkeiten in der Content-Erstellung und -Distribution, wie Christoph Zimmer vom Spiegel erläuterte - Foto: Presse Fachverlag

Print- und Online-Redaktionen können von einer Fusion profitieren

Laut Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin beim Handelsblatt, ermöglichte unter anderem eine Zusammenlegung der Print- und der Online-Redaktion die Transformation zu einer innovativen Redaktion. Seitdem stehe nicht mehr das Format, sondern das Thema im Mittelpunkt. Damit sei die Arbeit auch nicht mehr auf einen festen Drucktermin fokussiert, was mehr Freiheiten erlaube.

Inhalte werden immer visueller konsumiert

Es war ebenfalls Ludowig, die darauf hinwies, dass es immer wichtiger wird, Texte mit Bildern und anderen visuellen Elementen zu unterbrechen - vor allem um auch jüngere Zielgruppen anzusprechen. Generell sei im digitalen Zeitalter der Konsum von Inhalten immer visueller geworden und die Verlage sollten den Lesern diese Art des Leseerlebnis bieten können. „Das digitale Storytelling solle nicht nur innovativ sein, sondern auch innovativ aussehen,“ hieß es in ihrer Präsentation. Zudem sei es essenziell, die eigenen Inhalte auch für das Handy zu optimieren, da viele Nutzer, vor allem aus jüngeren Altersgruppen, Inhalte heutzutage mobil lesen.

Redaktionen können mithilfe von KI Themen anders planen und visueller erzählen, argumentiert Kirsten Ludowig vom Handelsblatt - Foto: Presse Fachverlag

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