Zukunft ohne Print?
Ein neuer Branchenkongress will zur Bühne für die Zukunft der Medienbranche werden. 500 Teilnehmer aus Medienunternehmen und der Digitalwirtschaft kamen dazu am 21. und 22. Mai 2025 nach Hannover. Was vor Ort kaum eine Rolle spielte und teils auf der Bühne sogar mit einem Enddatum versehen wurde: das Print-Geschäft.
Die Initiative zu dem neuen Kongress ("Future of German Media") ging von der Madsack Mediengruppe aus, einem der großen Regionalzeitungsverlage Deutschlands (u.a. Hannoversche Allgemeine Zeitung, Leipziger Volkszeitung, Ostsee-Zeitung) Madsack-CEO Thomas Düffert sagte in seiner Eröffnungsrede: „Das Ende von Print kann auch eine gute Nachricht sein. Die Zwänge der Printproduktion werden wir vielleicht schon 2033 nicht mehr haben.“
Vertrauen und Relevanz sind laut Düffert die Basis für erfolgreichen Journalismus und damit auch für ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Dieses Geschäftsmodell der Zukunft seien dann für Regionalverlage die Abonnements.
Thomas Lindner (FAZ) und Hannah Suppa (Leipziger Volkszeitung) nannten die aus ihrer Sicht wichtigsten Erfolgsfaktoren: Digitale Denke in den Redaktionen und digitaler Vertrieb - Fotos: Tim Schaarschmidt
Auch die Chefredakteurin der zu Madsack gehörenden Leipziger Volkszeitung, Hanna Suppa, forderte ein Umdenken, speziell in den Redaktionen. Regionalredaktionen müssten aufhören, nach der „Print-Pfeife“ zu tanzen, und stattdessen die Redaktionsarbeit komplett auf das Digitale ausrichten: „Wir müssen endlich loslassen“, so Suppa. Als Beispiele nannte sie Themen-Teamstrukturen für eine neue inhaltliche Tiefe, eine Newsletter-first-Strategie und den Fokus auf neue Formate wie Story-Podcasts.
Auch FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner berichtete von der digitalen Transformation des von ihm geführten Zeitungshauses und den dabei gegangenen Zwischenschritten. Den Fokus auf digitale Nachrichten und auf digitalen Vertrieb hob er unter anderem hervor. Und er erklärte: „Der digitale Vertrieb ist der Schlüssel zum Erfolg der Zukunft. Wer in diesem Bereich kein Know-how aufbaut und die Angebote kontinuierlich weiterentwickelt, hat verloren.“ Die FAZ wolle bis 2030 die Marke von 400.000 Digital-Abonnenten erreichen (im ersten Quartal 2025 schaffte man erstmals 300.000).
Zum Print-Geschäft erklärte Lindner: „Wir sehen bei Print bisher keine Bodenbildung. Die Print-Auflagen gehen zurück. Wachstum findet ausschließlich digital statt.“
Auch OMR-Gründer Philipp Westermeyer und „Newsfluencer“ Fabian Grischkat waren als Speaker eingeladen und sprachen auf der Bühne über den Stellenwert von Social Media, KI und Newslettern. Westermeyer sprach aber auch über Sättigungstendenzen bei der Online-Nutzung und der Wunsch nach mehr Offline-Communities.
Funke-Verlegerin Julia Becker (li.) wollte nicht in den Abgesang auf Print einstimmen. Auf dem Podium diskutierte sie mit Florian Hager (2. v. li., ARD), Kai Röhrbein (2.v.re, Deutscher Lokalmedienverband), Thomas Düffert (Madsack) und Florian Harms (t-online, beide nicht im Bild), moderiert von Victoria Reichelt (re.) und Sven-Oliver Clausen (nicht im Bild) - Foto: Tim Schaarschmidt
Eine mäßigende Gegenstimme war Funke-Verlegerin Julia Becker, die zwar auch die Vorzüge und Chancen der Digitalisierung nannte, zugleich aber betonte, dass das Print-Geschäft den Verlagen ihre Digitalisierung finanziert. Und weil man damit aktuell nicht schnell genug vorankomme, freue sie sich nicht auf den Tag, an dem die letzte Zeitung gedruckt wird. Zudem erinnerte sie daran, dass gerade Funke im vergangenen Jahrzehnte einen sehr hohen Betrag in Print-Marken investiert hat, vom Deal mit Axel Springer bis zur jüngsten Übernahme von drei namhaften Gruner+Jahr-Zeitschriften.
Auch FAZ-Chef Thomas Lindner erkannte am Ende seines Vortrags noch den hohen Stellenwert des Print-Geschäfts an. Er berichtete, dass Print bei der FAZ einen größeren Rohertrag liefert als die Digital-Produkte E-Paper und Paid Content zusammen. Die FAZ sei deshalb zum heutigen Zeitpunkt nicht in der Lage, Print einzustellen. Lindner: „Für uns spielt Print eine riesengroße Rolle.“
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Wolfgang Rakel 23.05.2025






