
Der Vortrag von Prof. Dr. Miriam Meckel (li.) und Dr. Léa Steinacker, Co-Gründerinnen der KI-Wissensplattformen ada, war einer von vielen bei der #beBETA, die das Thema KI behandelten - Foto: Presse Fachverlag
4 Learnings vom BDZV-Digitalkongress #beBETA 2025
Beim BDZV-Digitalkongress #beBETA 2025 am 2. und 3. Juni in der Alte Münze in Berlin wurden einige wichtige Zukunftsthemen des digitalen Journalismus besprochen. Dazu gehörte vor allem wieder Künstliche Intelligenz, die von vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wurde, sowohl optimistisch als auch warnend. Aber auch zu anderen Themen wie Live-Journalismus, Kundenbindung und Digitalisierung wurde in den Keynotes einiges erzählt. DNV hat vier Learnings für Medienunternehmen und Vertrieb von dem Digitalkongress zusammengetragen.
„Künstliche Intelligenz braucht Regeln“
Dies bestärkten Prof. Dr. Miriam Meckel (Universität St. Gallen) sowie Wissenschaftlerin und Unternehmerin Dr. Léa Steinacker (die zusammen auch die KI-Wissensplattform ada aufgebaut haben). In ihrem Vortrag „Die Zukunft von Mensch und KI“ erzählten sie einerseits viel von den Vorzügen der Zusammenarbeit mit der Künstlichen Intelligenz, aber wiesen andererseits darauf hin, dass Regeln für die Technologie essenziell sind. Dabei zitierten sie Ada Lovelace, die im 19. Jahrhundert das Grundprinzip der Programmiersprache formulierte: „Die Maschine ist kein denkendes Wesen, sondern lediglich ein Automat, der nach den ihm auferlegten Regeln handelt.“ Die beiden Speakerinnen zeigten dem Publikum mehrere Beispiele, in denen die KI auf Grund von fehlenden Einschränkungen gegen Copyright-Gesetze verstieß. Außerdem könne KI für Desinformation genutzt werden.
Prof. Dr. Thomas Höppner, Partner Hausfeld Rechtsanwälte, fokussierte sich in seiner Keynote noch viel mehr auf die Gefahren der KI, vor allem in puncto Copyright. Er zeigte, wie KI-Tools wie Perplexity ganze Artikel generieren können, deren Inhalte aus Quellen wie Blog-Posts und journalistischen Artikeln „zusammen geklaut“ werden. Die ursprünglichen Autoren werden dafür kaum oder gar nicht entlohnt. „Wenn es jetzt keinen Aufschrei gibt, denken die Politiker, dass alles in Ordnung ist,“ warnte Prof. Dr. Thomas Höppner. „Wenn Sie nicht ihre Inhalte vor der KI schützen, wird Ihnen keine Monetarisierung gelingen.“ Seiner Meinung nach, solle es mehr Kartellverfahren geben.
Prof. Dr. Thomas Höppner, Partner Hausfeld Rechtsanwälte, sprach in seiner Keynote über die Gefahren der KI - Foto Presse Fachverlag
Es lohnt sich, auf KI-Weiterbildung zu setzen
Mehrere Medienunternehmen investieren darin, ihre Mitarbeiter in Puncto KI weiterzubilden. So startete die Rheinische Post Mediengruppe im März 2025 eine eigene KI-Academy mit unternehmerischer KI-Basisschulung. Dies erzählte Margret Seeger, Group Head of AI, in ihrer Keynote. Die Angebote dieser Academy beinhalten kleine Theorie-Teile, aber auch viele aktive Übungen. Bisher haben rund 1.000 Mitarbeiter über alle Fachbereiche hinweg teilgenommen, fast 200 davon seien Führungskräfte.
Auch Georg Burtscher, Geschäftsführer von Russmedia Österreich, erzählte in seinem Vortrag „KI@russmedia: Unser Weg zu 50 Prozent mehr Effizient“ unter anderem von der KI-Weiterbildung in seinem Unternehmen. Die KI Academy von Russmedia habe dazu beigetragen, dass 88 Prozent der Mitarbeiter den unternehmenseigenen digitalen Assistenten als hilfreich einstufen. Dieses Verständnis des Assistenten und anderer KI-Tools erlaube es dem Unternehmen, die Zusammenarbeit ressourcensparender zu strukturieren. „Wir steigern unsere Produktivität und Effizienz durch KI gestützte Prozesse und setzen dabei auch auf kontinuierliche Weiterbildung sowie aktiven Wissensaustausch,“ so Georg Burtscher.
Margret Seeger, Group Head of AI bei der Rheinische Post Mediengruppe, erklärte wie ihr Unternehmen KI einsetzt und Mitarbeiter in diesem Bereich weiterbildet - Foto: Presse Fachverlag
Live-Journalismus und Events sind wichtig, um Leser zu binden
Wie bei vielen Konferenzen in den vergangenen Jahren, wurde auch bei der #beBETA 2025 mehrmals erwähnt, wie wichtig Live-Journalismus und Veranstaltungen sein können, um die Kundenbindung zu verbessern. So stellte Julia Tran, COO Mediahuis Aachen in ihrer Keynote den „Freundeskreis“ der Aachener Zeitung vor. Dies ist ein kostenloses Mehrwertprogramm für alle Abonnenten. Es bietet exklusive Veranstaltungen, Foren, Blicke hinter die Kulissen, Gewinnspiele und Verlosungen an und „soll den Journalismus erlebbar machen“. Inzwischen gehören 16.000 registrierte Abonnenten zu dem Freundeskreis. Bei ihnen sei die Retention Rate bis zu 25 Prozent besser als bei Nicht-Mitgliedern.
Auch Stefanie von Unruh, Geschäftsführerin der Nordwest Mediengruppe sagte in ihrem Vortrag, dass Medienunternehmen auf Live-Journalismus setzen sollten. Von Abonnements allein könne der Journalismus in Zukunft nicht weiterleben. So habe ihr Team das Growmorrow Festival gegründet, um „das Thema Live-Journalismus als neues Geschäftsmodell zu etablieren.“ Zu diesem Event gehörten Live- und Talk-Formate zu wichtigen Zukunftsthemen im Nordwesten (wie Energie, KI, Start Ups, Gesundheit und Digitalisierung.) Es fand in Wilhelmshaven, Oldenburg und Aurich im August 2024 statt und konnte über 2.000 Besucher anlocken. Unter den 78 Speaker fanden sich Sascha Lobo, Frank Thelen und Anders Indset. Der Vermarktungsumsatz lag bei 240.000 Euro und der Ticketumsatz bei 30.000 Euro. Für 2025 seien zwei Growmorrow-Events geplant: das Growmorrow Festival mit einer Zielgröße von 1.200 Besuchern und einer Kernzielgruppe von 25-60-Jährigen und das Growmorrow Young mit einer Zielgröße von 1.500 Schülern und einer Kernzielgröße von 16- bis 25-Jährigen.
Zusätzlich erwähnte Dr. Christian Röhm, Geschäftsführer von Röhm Medien und den dazugehörigen Titeln Sindelfinger Zeitung und Böblinger Zeitung, dass sein Unternehmen auch Veranstaltungen einsetzt, um auf die Kundenbedürfnisse einzugehen. Die Leser würden sich solche lokalen Events wünschen, um nichts zu verpassen.
Laut Julia Tran, COO Mediahuis Aachen, können Veranstaltungen die Leserbindung stärken - Foto: Presse Fachverlag
Redakteure vorzustellen, kann die Kundenbindung stärken
Neben Veranstaltungen setzen die Sindelfinger Zeitung und die Böblinger Zeitung auch auf große Werbeplakate für die Titel, die die Redakteure zeigen. Dies baue eine stärkere Bindung und ein Vertrauen zwischen den Redakteuren und den Lesern auf. Zudem bindet dies die Redakteure stärker an die Region, wenn sie in dieser zu sehen sind, was vor allem im Lokaljournalismus essenziell ist. Auch ein anderer lokaljournalistischer Titel stellt Redakteure persönlich vor, nämlich die Aachener Zeitung. Ein Teil deren über 100 Tage anhaltenden Onboarding-Prozesses ist eine Vorstellung der Redaktionsmitglieder. Diese wird an alle neue Digital-Abonnenten an ihrem 50. Tag mit der Aachener Zeitung per E-Mail geschickt und soll die Kundenbindung stärken.
Stella König 04.06.2025





