
20- bis 39-Jährige verlieren immer mehr das Vertrauen in redaktionelle Nachrichten und setzen stattdessen auf Social Media, zeigt der Social Media Atlas 2025 - Abbildung: AdobeStock, Production Perig
Trotz Fake-News: Junge Deutsche vertrauen Social Media am meisten
Geht es um Informationsbeschaffung, setzt mehr als die Hälfte der 20- 39-Jährigen auf Social-Media-Kanäle wie YouTube, Instagram und Co – denn diese empfinden sie als glaubwürdiger als redaktionelle Nachrichten, zeigt der Social Media Atlas 2025. Diesem zufolge sind bereits 83 Prozent der deutschen Internetnutzer auch auf Social-Media-Kanälen aktiv. Daraus resultieren unter anderem verschobene Vertrauensverhältnisse, welche die Studie aufzeigt:
- 57 Prozent der 20- bis 29-Jährigen vertrauen Videos und Posts auf Social Media mehr als den Inhalten von klassischen Nachrichtenseiten (20 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt und ein Anstieg von 14 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich)
- Das Vertrauen der 16- bis 19-Jährigen in Social Media wuchs um 10 Prozentpunkte, bei den 30- bis 39-Jährigen um sechs Prozentpunkt
- Das persönliche Umfeld verliert gegen kommerzielle Quellen: Nur noch 30 Prozent der Befragten folgen regelmäßig Empfehlungen von Freunden und Bekannten (2024 waren es 32 Prozent). Mehr Vertrauen setzen sie stattdessen in kommerzielle Anbieter wie das Fernsehen und das Berufsnetzwerk LinkedIn – gerade in der Gruppe der unter 30-Jährigrn wuchs dieses Vertrauen überdurchschnittlich.
Die Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass die Konsumenten allen Informationen blindlings vertrauen. Hier zeigt sich, laut Studie, ein starker Kontrast: Zwar wächst die Glaubwürdigkeit in den sozialen Medien. 84 Prozent der Befragten gaben aber auch an, mindestens gelegentlich auf Inhalte zu stoßen, die sie als Fake News oder verzerrte Wahrheit empfinden.
Sie wollen mehr über Communities oder Social Media lernen? Dann melden Sie sich jetzt kostenlos für unseren Themen-Newsletter Trick 17 an. So verpassen Sie nie wieder die wichtigsten Trends und aktuellen Entwicklungen im Social-Bereich!
Dr. Roland Heintze, Social-Media-Experte und Geschäftsführender Gesellschafter von PER, kommentiert zu den Ergebnissen: „Wir erleben eine doppelte Zeitenwende: Soziale Medien gewinnen an Vertrauen - klassische Medien und persönliche Kontakte verlieren es.“ Und weiter: „Die redaktionellen Medien müssen ihre Bemühungen um Glaubwürdigkeit verstärken, im eigenen Interesse und zum Schutz der Demokratie. Und sie sollten ihre Präsenz in den sozialen Medien weiter ausbauen, dort, wo heute Vertrauen entsteht."
Wie wirkt die Verlagsbranche dem Vertrauensverlust entgegen?
Die Pressevertriebs- und Verlagsbranche macht sich über den wachsenden Vertrauensverlust seit Jahren Gedanken. Ein Mittel, um dem entgegenzuwirken: Konstruktiver Journalismus. Bei diesem handelt es sich um ein Format, das weder zu viele „Bad news“ in den Vordergrund rücken noch alles beschönigen soll. Stattdessen werden Situationen von allen Perspektiven beleuchtet, um Lösungsansätze zu finden und Diskussionsgrundlagen zu liefern.
Ein Institut, das sich im deutschen Markt verstärkt damit beschäftigt, ist das Bonn Institute für Journalismus und konstruktiven Dialog. DNV hat dort bereits mit verschiedenen Interviewpartnern über den konstruktiven Journalismus gesprochen – deren Einschätzungen können hier nachgelesen werden:
- Ellen Heinrichs, Gründerin und Geschäftsführerin des Bonn Institute (außerdem Pauline Tillmann, Gründerin und Chefredakteurin des digitalen Magazins „Deine Korrespondentin“), dazu, ob Konstruktiver Journalismus ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell ist
- Claudia Isabel Rittel, Referentin und Forschung beim Bonn Institute, zu User Needs und Media Time
- Peter Lindner, Leiter für Projekte und Forschung am Bonn Institute, dazu, warum Konstruktiver Journalismus sich lohnt
Ein weiterer Player, der sich dem Thema vermehrt widmet, ist die Deutsche Presse-Agentur. Hier geht es vor allem darum, Projekte ins Leben zu rufen, um Nahbarkeit zwischen Unternehmen und Lesern zu fördern – nachzulesen hier:
- DPA: Meinolf Ellers über zwei Projekte zur Stärkung des lokalen Journalismus
- „Projekt Zuversicht“: Was können Medien zur Stimmung in Deutschland beitragen?
Zur Studie: Der Social Media Atlas erfasst seit 2011 jährlich auf Basis einer repräsentativen Umfrage die Nutzung Sozialer Medien in Deutschland. Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag von PER Agency in Kooperation mit dem Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF). Für die Studie von 2025 wurden 3.500 deutsche Internetnutzer ab 16 Jahren online von Dezember 2024 bis Januar 2025 befragt.
Vivian Katharina Bissel 12.06.2025






