
Florian Boitin, Kouneli-Geschäftsführer und Chefredakteur Playboy Deutschland, warnt: Sollte Meta die Playboy-Seite ohne Angabe von Gründen löschen, entstünde ein "gefährlicher Präzedenzfall" - Foto: Bernhard Huber
Meta sperrt Facebook-Seite von Playboy Deutschland, Redaktion fordert Aufklärung
User, welche die deutsche Facebook-Page des Playboy-Magazins aufrufen wollen, werden aktuell nicht fündig. Denn diese ist seit dem 2. Juni 2025 abgeschaltet. Damit können knapp 1,9 Mio. Follower die Seite nicht mehr abrufen.
Warum die unangekündigte Deaktivierung der Seite erfolgte, sei bisher nicht klar, heißt es vonseiten der Kouneli Media GmbH. Weder wisse man, ob die Seite lediglich gesperrt oder dauerhaft gelöscht sei, noch kenne man die Gründe. Auch der Meta-Kundensupport habe auf Nachfrage nicht weiterhelfen können und „empfohlen, entweder eine neue Facebook-Seite zu erstellen, ´abzuwarten´ oder sich zur Klärung der Angelegenheit an die Rechtsabteilung des europäischen Meta-Hauptsitzes in Dublin zu wenden.“
Der Kouneli-Verlag zieht als Konsequenz nun eine Münchner Anwaltskanzlei zur juristischen Klärung der Angelegenheit hinzu. Eine schriftliche Aufforderung an Meta in Dublin, die Playboy-Facebookseite unverzüglich wiederherzustellen, sei bisher unbeantwortet geblieben.
Florian Boitin, Kouneli-Geschäftsführer und Chefredakteur Playboy Deutschland, kommentiert dazu: „Man kann von Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram oder X halten, was man mag – sie als wichtigste Kommunikationsplattformen unserer Zeit ansehen oder als mediale Dreckschleudern verdammen. Wenn aber ein Monopolist wie Meta eine journalistische Seite wie die von Playboy Deutschland löschen sollte – und das auch noch ohne Angabe von Gründen –, untergrübe dies nichts weniger als die Pressefreiheit. Und es würde demonstrieren, dass die Entscheidung über publizistische Inhalte weitgehend automatisierten Systemen überlassen bliebe. Es entstünde ein gefährlicher Präzedenzfall, bei dem private Plattformen faktisch als Zensurinstanzen agieren.“
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Zu den Hintergründen: Meta und Publisher
Das Verhältnis zwischen Meta und Publishern ist generell kein einfaches: Meta hat in den letzten Jahren mehrfach den Newsfeed-Algorithmus von Facebook und Instagram angepasst. Diese Änderungen hatten oft das Ziel, Inhalte von Freunden und Familie gegenüber Inhalten von Unternehmen, Marken oder Medienseiten zu priorisieren. Das bedeutete unter anderem weniger Reichweite für Medieninhalte oder weniger Traffic auf Nachrichten-Websites. Spannungen entstanden zudem teilweise durch politische und regulatorische Debatten. Ein Beispiel: Meta sperrte im August 2023 Links zu Nachrichten und Inhalten von kanadischen Medienverlagen und Rundfunkanstalten (berichteten unter anderem Der Standard und die Süddeutsche Zeitung), weil diese Gesetze einführten, nach denen Meta Medienunternehmen für die Verbreitung ihrer Inhalte bezahlen sollte.
Dazu kommt, dass Meta-CEO Mark Zuckerberg Anfang 2025 ankündigte, das Faktencheck-System abzuschaffen. Dieses diente bisher dazu, Inhalte auf Falschinformationen zu prüfen. Stattdessen sollten "Community Notes" nach dem Vorbild von X eingeführt werden. Der Grund: Die Faktenchecks seien nicht politisch neutral, es herrsche Voreingenommenheit. Die Abschaffung galt bisher nur für die USA, wird jedoch auch hierzulande erwartet.
Aus Usersicht ein Grund zur Sorge, denn diese fürchten eine Flut aus Desinformation, Hass und Diskriminierung. Dies wiederum ist ein Umstand, aus dem Medienmarken eigentlich einen Vorteil ziehen könnten, indem sie ihre Position als vertrauenswürdige Quelle für Informationen stärken.
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