Freitag, 14. August 2026

Verlage, Politik und digitale Transformation: Über deren Zusammenspiel sprachen beim Medienforum der freien Presse Thorsten Frei (li.), Philipp Welte (Mi.) und Thomas Hass - Fotos: Markus Nass

Worum ging es beim Gipfeltreffen 2025 der Zeitschriftenverleger?

Neue Location, bekannte Herausforderungen, wiederholte Forderungen: Das Medienforum der freien Presse am 25. Juni 2025 war ein Zusammentreffen von rund 250 Entscheidungsträgern aus Medien, Politik und Wirtschaft. Es ging um die Qualität der Medien, um digitale Transformation, faire Wettbewerbsbedingungen und politische Unterstützung. Man traf sich erstmals im Allianz Forum am Brandenburger Tor in Berlin.

Der Verbandsvorsitzende Philipp Welte sprach in seiner Eröffnungsrede über die aktuellen Herausforderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und stellte insbesondere den Anteil sozialer Medien daran heraus. Dem Gegenüber stellte er die Rolle der freien Presse für die Demokratie und betonte, wie viel Verlage in den vergangenen Jahrzehnten bereits in die digitale Transformation investiert haben.

Weltes Kritik: Die digitalen Märkte seien nicht frei und nicht fair geregelt. „Wir sind komplett der Willkür der Plattformen ausgeliefert“, so der MVFP-Vorsitzende. Deren Marktposition beschrieb er als „pure monopolistische Macht ohne Regeln und ohne Prinzipien“.

Welte an die Politik: „Was tut ihr?“

Welte berichtete auch von einem Beschluss aus der MVFP-Delegiertenversammlung, drei Wesensmerkmale der Presse stärker herauszustellen. Diese drei Merkmale bezeichnete der auch als „die 3 V“: Verantwortung, Verlässlichkeit und Vielfalt. Er wollte diese aber nicht nur nach außen stärker kommuniziert wissen, sondern sehe darin auch eine „Selbstverpflichtung der Presse“.

An die Politik richtete der MVFP-Vorsitzende die Fragen: „Was tut Ihr, die Ihr Verantwortung tragt für Staat und Gesellschaft, was tut Ihr, um die in der Verfassung verankerte Institution der freien Presse zu beschützen?“ Er äußerte zudem vier Forderungen: weniger einschränkende Regulierung, Reduzierung der Mehrwertsteuer, eine Digitalsteuer für große Tech-Konzerne und einen regulatorischen Schutz für Verlags-Inhalte vor dem Zugriff von künstlicher Intelligenz.

Von Seiten der Politik antwortete Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben. Er machte jedoch keinerlei Zusagen und positionierte sich auch kaum zu den im Raum stehen Debatten-Themen. Stattdessen betonte er, dass viele Fragen noch nicht beantwortet seien und dass es keine einfachen Lösungen gebe. Zumindest erklärte er jedoch, dass er ein Partner der Verlage sein wolle, um die Grundlage für freie Medien zu sichern.

Spiegel-Chef mahnt Reform im Grosso an

Das weitere Programm drehte sich um Themen wie Vertrauen, Qualitäten der Medien und deren Messbarkeit sowie Kommunikation gegenüber der Werbewirtschaft und um die digitale Transformation der Branche. Thomas Hass, Vorsitzender der Geschäftsführung der Spiegel Gruppe und Sprecher der Publikumsmedien im MVFP, äußerte sich zur Veränderungsbereitschaft der Branche und unterstrich: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Er warb dafür, mutig zu sein, zu investieren und Risiken in Kauf zu nehmen. Hass weiter: „Ich bin überzeugt, dass wir auch das Thema KI am Ende erfolgreich mitgestalten werden.“

Er sprach aber auch von „unbequemen“ Veränderungsprozessen. In diesem Zuge erwähnte er die Arbeit der als „Fit for Future“ bekannten Verlagsgruppe, die ein neues Modell für das Pressevertriebssystem vorgestellt hat und derzeit vom Bundeskartellamt prüfen lässt. Laut Hass könne der Pressevertrieb in seiner heutigen Form aufgrund der massiven Veränderungen im Print-Markt nicht mehr finanziert werden. „Wir stehen dort vor einer grundlegenden Reform. Das sind Dinge, die manchmal auch weh tun. Denn wir müssen etwas, das über Jahrzehnte entstanden ist, nun reformieren.“ Er schloss mit der Bemerkung, dass die Spiegel Gruppe als mittelständischer Verlag von den Plänen der FFF-Gruppe (zu der Der Spiegel auch gehört) überzeugt ist und man diesen Weg konsequent weiter gehen will.

Das Gipfeltreffen der Zeitschriftenverleger endete mit einem Get together im China Club des Hotel Adlon am Brandenburger Tor, bei dem die Gäste den Abend bei sommerlichen Temperaturen und Drinks ausklingen lassen konnten. Als weiteren politischen Gast konnte der MVFP-Vorsitzende Philipp Welte dort dann Dorothee Bär begrüßen, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

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