
Dr. Michael Rathje (li.) und Malte Schwerdtfeger brachten ein Update zu den Plänen der "Fit for Future"-Gruppe mit und unterstrichen, worum es ihrer Ansicht nach bei dem Projekt gehen muss - Fotos: Presse Fachverlag
Distribution Summit 2025: FFF-Pläne und Digitalgeschäft im Fokus
Der Distribution Summit des Medienverbands der freien Presse (MVFP) war auch 2025 eine Plattform für Zeitschriftenvertrieb, Presse-Grosso und Digitalstrategien. So kamen am 9. September rund 150 Entscheider der Verlagsbranche sowie aus Presse- und Digitalvertrieb im Empire Riverside Hotel in Hamburg zusammen, um über Chancen und Herausforderungen in diesen Bereichen zu sprechen.
Viel Aufmerksamkeit bekamen unter anderem die Auftakt-Impulse von Dr. Michael Rathje und Malte Schwerdtfeger. Rathje, bis vor kurzem CFO des Spiegel Verlags und künftig in Diensten der DvH Mediengruppe (mehr dazu hier), berichtete über den aktuellen Stand des „Fit for Future“-Projekts (letzter Stand dazu siehe hier).
Zur Erinnerung: Unter besagtem Namen haben sich elf Verlage zusammengetan, um ein alternatives Zukunftsmodell für das Presse-Grosso zu entwickeln und umzusetzen. Dazu arbeiten die Verlage mit ausgewählten Grossisten zusammen – den sogenannten Systempartnern bzw. einem „Preferred Partner“. Das von ihnen entwickelte Modell soll dem Pressevertrieb in Deutschland eine langfristige Zukunft geben, wird aber von einigen Branchenteilnehmern auch kritisch gesehen und liegt derzeit zur Prüfung beim Bundeskartellamt in Bonn.
FFF-Pläne: Aufruf zu Vernunft und Vertrauen
Rathje berichtete nun, dass man hoffe, dass das Kartellamt noch im September ein positive Rückmeldung zu den FFF-Plänen geben wird. Anschließend würde dich Umsetzung der Pläne beginnen. Rathje betonte auch, dass die FFF-Gruppe den „ausscheidenden Grossisten“ nochmals die Hand reichen wolle, um einen „logistisch vernünftigen Übergang“ zum neuen System zu gewährleisten.
Er unterstrich zudem „Vernunft“ und „Vertrauen“ als Grundgedanken (und notwendige Voraussetzung) für die Umsetzung der Pläne. Sein Appell: „Es kann nicht so weitergehen wie bisher. Wir müssen untereinander Vertrauen fassen.“
Auch Malte Schwerdtfeger, Geschäftsführer des Landwirtschaftsverlag, äußerte sich kurz zu den FFF-Plänen. Dabei ist zu bedenken, dass er die Perspektive eines mittelgroßen Verlags vertritt, der nicht unmittelbar an der Ausarbeitung der Reform-Pläne beteiligt war. Auch Schwerdtfeger sprach sich dafür aus, dass es eine Weiterentwicklung des Systems brauche. Zugleich forderte er, dass dabei der Pluralismus erhalten bleibt. Eine seiner Botschaften in diesem Zusammenhang: „Der Kostenpunkt ist wesentlich – aber er ist nicht alles.“
Strategie-Appell: Transaktionsgeschäft ausbauen
Daneben gab er auch Einblicke in die Historie des Landwirtschaftsverlags und den aktuellen strategischen Schwerpunkten. Der Verlag arbeitet seit mehreren Jahren intensiv daran, neben dem journalistischen Kerngeschäft auch ein digitales Dienstleistungs- und Plattformgeschäft aufzubauen.
Schwerdtfeger dazu: „Wir haben erkannt, dass man als Medienhaus den Zugang zur Zielgruppe nutzen muss, um Transaktionsgeschäft aufzubauen.“
Und weiter: „Wir müssen den direkten Kontakt zum Konsumenten ausbauen und stärken.“ Darin sah er auch eine Antwort auf die aktuellen Umwälzungen, die durch künstliche Intelligenz getrieben werden.
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Gegenstand der weiteren Vorträge des Kongresses waren unter anderen:
- KI-Anwendungen, u.a. für Cover-Gestaltung und Kundenservice
- Junge Zielgruppen (ihre Mediennutzung und wie man sich erreichen kann)
- Paid Content (mit Strategien für Neukundengewinnung, Onboarding und Churn)
Volker Wiem: Was der LEH von Verlage erwartet
Den Abschluss des Kongresses markierte ein viel applaudierter Vortrag von Volker Wiem, Mit-Inhaber von Edeka Niemerszein in Hamburg. Er skizzierte einerseits die Herausforderungen beim Verkauf von Presse aus Sicht des Lebensmitteleinzelhandels (LEH), hob aber auch die Vorzüge eines Presseregals für den stationären Handel hervor.
Grundsätzlich präsentierte Wiem sich als Fürsprecher der gedruckten Presse. Sein Appell: „Wer Presse abschafft, reduziert neben Fläche auch Vielfalt.“
An die anwesenden Verlags- und Vertriebsmanager schickte er mehrere Forderungen:
- Mehr Kreativität
- Vernetzung von Redaktion und Vertrieb
- Bessere Mengensteuerung bei regional- und standortspezifischen Titeln
- Höhere Druckqualität
- Langlebigere Produkte
Vorausgegangen war dem Kongress ein Networking-Abend, in dessen Rahmen sich die Verlags- und Vertriebsentscheider bei Buffet und Drinks in den Räumlichkeiten des Empire Riverside Hotels vernetzen und austauschen konnten.
Weitere Insights, Learnings und eine große Bildergalerie zum MVFP Distribution Summit folgen in den kommenden Tagen auf DNV Online.
Volker Wiem bekannte sich abermals als Fürsprecher der gedruckten Presse, gab den Verlags- und Vertriebsmanagern aber auch klare Denkaufgaben mit - Foto: Presse Fachverlag
Wolfgang Rakel 09.09.2025





