KI-Reifegrad 2025: Wo stehen deutsche Medienhäuser?
Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der KI-Spezialist Retresco aus Berlin legen den neuen KI-Reifegrad-Report vor. Bereits zum zweiten Mal untersuchen die Studienmacher, wie weit deutsche Medienhäuser beim produktiven Einsatz von generativer KI sind und welche Anwendungen bereits den Alltag prägen. Dafür wurden Führungskräfte, Chefredaktionen sowie Praktiker aus nationalen und regionalen Medienhäusern befragt.
Die Branchenerhebung beleuchtet den Einsatz von KI in verschiedenen Bereichen der Medienhäuser, mit einem Schwerpunkt auf die redaktionelle Arbeit. Es zeigt sich: Der allgemeine Einsatz generativer KI ist im Jahresvergleich um elf Prozentpunkte auf 96 Prozent gestiegen. Mehr als doppelt so viele Redaktionen wie im Vorjahr beabsichtigen damit vor allem, Kosten zu senken (2025: 57 Prozent, 2024: 24 Prozent) sowie ihre Effizienz zu steigern.
Weitere Ergebnisse im Überblick
-
KI kommt aktuell vor allem in textbasierten Prozessen um Einsatz. 53 Prozent der Redaktionen produzieren 1-50 Texte mit KI, 21 Prozent erstellen oder bearbeiten sogar über 150 Texte mit KI.
-
Die KI-gestützte Bildgenerierung verzeichnet mit +38 Prozent im Jahresvergleich den stärksten Zuwachs, während der Einsatz im Audio-Bereich um sieben Prozent zurückgeht.
-
Die meisten Medienhäuser entwickeln KI-Lösungen nicht allein. 75 Prozent kombinieren interne und externe Lösungen, nur vier Prozent setzen ausschließlich auf interne Ressourcen.
-
Zu den wichtigsten KI-Trends in den Redaktionen zählen neben der automatisierten Textgenerierung von Nachrichten und Artikeln (62 Prozent) insbesondere RAG-basierte Frage-Antwort-Systeme (60 Prozent), gefolgt von KI-gestützter Personalisierung (58 Prozent) und sprachbasierten Ausgabeformaten (47 Prozent). KI-Agenten werden nur von 34 Prozent der Befragten als relevant eingestuft.
-
Durch den Einsatz von KI erwarten die Redaktionen vor allem schnellere Prozesse und Entlastung (92 Prozent), gefolgt von personalisierter Nutzerbindung (64 Prozent), SEO-Vorteilen (58 Prozent) und Kosteneinsparungen (57 Prozent). Auch neue Inhalte & Formate (55 Prozent) und die Verbesserung der redaktionellen Qualität (55 Prozent) spielen eine Rolle. Sechs Prozent sehen derzeit keinen direkten Nutzen.
-
60 Prozent der befragten Medienhäuser haben mittlerweile KI-Kennzahlen eingeführt oder planen dies. Das entspricht einem Plus von 47 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Zu diesen KPIs zählen die Zeitersparnis in Minuten, die Anzahl der mit KI-Unterstützung generierten Artikel, die Steigerung von Lese-Engagement und Lesedauer. Aber: 91 Prozent geben auch an, den tatsächlichen KI-Wert nur schwer messen zu können.
-
Insgesamt liegt der Fokus in puncto KI auf internen Prozessoptimierungen. Die Entwicklung KI-basierter Angebote und Services zur Erschließung neuer Erlösquellen spielt dagegen noch eine nachgeordnete Rolle.
-
Trotz intensiver Diskussionen um neue KI-Suchen wie Google AI Overviews, AI Mode oder Discover optimieren bislang nur 17 Prozent der Medienhäuser ihre Inhalte gezielt für diese Kanäle. Gleichzeitig verzeichnen aber bereits 43 Prozent der Befragten einen Rückgang des organischen Google-Traffics.
Kostenlos versorgt Sie der DNV-Online-Newsletter mit allen Neuigkeiten. Jetzt abonnieren - nie wieder etwas verpassen!
Retresco-CEO Johannes Sommer kommentiert: „Der Report bietet wertvolle Einblicke in den Status quo und gibt konkrete Impulse zur KI-Nutzung. Die zentrale Erkenntnis unserer Erhebung ist für mich, dass der aktuelle Fokus beim Einsatz von KI noch immer auf interner Prozessoptimierung für einzelne Mitarbeitende liegt. Bisher weniger ausgeprägt ist die Entwicklung neuer KI-basierter Angebote und Services, die die Leserschaft binden, um zusätzliche Erlösquellen zu erschließen.“
Holger Kansky, Leiter Digitales & Vermarktung beim BDZV, ergänzt: „Die Ergebnisse zeigen: KI ist in den Medienhäusern und Redaktionen angekommen, doch es braucht verbindliche Leitplanken und Qualifizierung, um Potenziale zu skalieren. Wer Mitarbeitende mit praktischen Handbüchern und Hands-on-Hilfen wie Prompt-Datenbanken ausstattet, schafft Vertrauen, Geschwindigkeit und Qualität – und legt die Basis für eine nachhaltige KI-Kultur.“
Den vollständigen KI-Reifegrad-Report inkl. Handlungsempfehlungen können sich Interessierte auf der Website des BDZV kostenlos downloaden.
.
Lesen Sie dazu auch:
Verlagstrends: Monetarisierung von KI steckt noch in den Kinderschuhen
„KI kann helfen, wird uns aber nicht ersetzen“ – Kundenservice beim Kicker
Sophia Fiedler 08.10.2025






