Samstag, 15. August 2026

Theresa Futh, Director Audience & SEO bei RP Digital - Foto: Rheinische Post Mediengruppe

Sichtbarkeitsumfrage: Rheinische Post investiert konsequent in die eigene Marke

KI-basierte Such- und Zusammenfassungstools verändern rasant, wie Menschen im Netz Informationen finden. Wer heute eine Suche bei Google startet, erhält nicht mehr nur eine Liste mit Links, sondern häufig bereits eine KI-generierte Antwort in den sogenannten AI Overviews. Und auch ChatGPT, Perplexity oder Bing Copilot liefern zusammengefasste Informationen aus verschiedenen Quellen.

Für die Nutzer ist das ein praktischer Fortschritt, denn sie erhalten schnell eine Antwort, ohne sich durch zahlreiche Websites klicken zu müssen. Für Medienschaffende hingegen bedeutet dieser Wandel eine tiefgreifende Veränderung ihrer Sichtbarkeit. Seit der Einführung der AI Overviews (2024 zunächst in den USA, seit diesem Jahr auch in Deutschland) wächst nun die Sorge, dass redaktionelle Angebote an Reichweite verlieren könnten.

Dass diese Sorgen berechtigt sein könnten, zeigen mittlerweile mehrere Studien. Eine Untersuchung des Pew Research Center aus Washington belegt, dass Nutzer deutlich seltener auf klassische Suchergebnisse klicken, wenn sie zuvor eine KI-Zusammenfassung sehen. Nur acht Prozent der Befragten klickten nach dem Lesen einer AI Overview noch auf einen Link. Diejenigen, die nicht auf eine KI-Zusammenfassung stießen, klickten fast doppelt so oft auf ein Suchergebnis (15 Prozent).

Die Auswirkungen spüren auch deutsche Medienhäuser. Laut dem aktuellen KI-Reifegrad-Report des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und des Berliner KI-Spezialisten Retresco berichten 43 Prozent der befragten Verlage von abnehmender Sichtbarkeit seit dem deutschen Roll-out von Googles KI-Übersichten.

Umfrage: Sichtbarkeit in KI-Zeiten

Wir haben Vertreter der Rheinischen Post, der Süddeutschen Zeitung und der Funke Mediengruppe nach ihren Einschätzungen gebeten. Wie gehen sie mit dem neuen Sichtbarkeitsproblem um? Welche Veränderungen können sie durch den Einsatz von KI-gestützten Such- und Zusammenfassungstools beobachten? Und welche Maßnahmen ergreifen sie, um im KI-Zeitalter sichtbar und relevant zu bleiben?

Den Anfang macht die Rheinische Post. Theresa Futh, Director Audience & SEO bei RP Digital, beantwortete unsere Fragen.

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Welche Veränderungen beobachten Sie durch den Einsatz von KI-gestützten Such- und Zusammenfassungstools für Ihre Inhalte? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen bisher auf die Sichtbarkeit und Reichweite Ihrer Inhalte?

In der Publisher- und SEO-Branche herrscht derzeit spürbare Nervosität – und das nicht ohne Grund. Die aktuellen Entwicklungen zwingen viele dazu, Geschäftsmodelle und teilweise sogar Jobprofile neu zu überdenken. Wer flexibel bleibt, ist klar im Vorteil.

Einige Kollegen berichten bereits von Zusammenhängen zwischen ihrer Traffic-Entwicklung und der Einführung von AIO. Die Situation erinnert stark an die Einführung der Featured Snippets vor einigen Jahren. Auch damals war der Aufschrei groß, viele Publisher verzeichneten deutliche Traffic-Einbußen. Die Lösung lag darin, Inhalte zu meiden, die ohnehin nur eine kurze, einfache Antwort erfordern. Ähnlich wie damals werden auch jetzt alle Marktteilnehmer ihre Schlüsse ziehen müssen.

Bei der Rheinischen Post zeigt sich bislang kein eindeutiger Zusammenhang zwischen AIO und Traffic-Verlusten. Der Organic Traffic ist stabil mit leicht positiver Tendenz. Wie bei vielen anderen ist aber vor allem der Discover-Traffic entscheidend.

„Aus Sicht der Rheinischen Post liegen die Hebel in den Themen Marke, Audience und schlanke Prozesse. Selbst wer bereits eine etablierte Marke aufgebaut und Themenautorität gewonnen hat, muss ständig weiterkämpfen.“

Theresa Futh
Rheinische Post

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um im KI-Zeitalter sichtbar und relevant zu bleiben? Was ist hier aus Ihrer Sicht der wichtigste Hebel, um als Medienmarke auch in Zukunft sichtbar zu bleiben?

Aus Sicht der Rheinischen Post liegen die Hebel in den Themen Marke, Audience und schlanke Prozesse. Selbst wer bereits eine etablierte Marke aufgebaut und Themenautorität gewonnen hat, muss ständig weiterkämpfen. Niemand kann sich auf den einmal verdienten Lorbeeren ausruhen. Markenliebe wird nicht automatisch von Generation zu Generation weitergegeben. Sie kann zwar einen erleichterten Zugang schaffen, doch die jüngeren Zielgruppen wollen in ihrer eigenen Realität, mit ihren Routinen und Bedürfnissen abgeholt werden. Markentreue entsteht in diesem Umfeld nicht von heute auf morgen.

Gerade deshalb ist es für uns wichtiger denn je, konsequent in die eigene Marke zu investieren. Entscheidend ist, genau zu wissen, wen wir mit unseren Produkten begeistern können, wo diese Menschen unterwegs sind und wie für sie echte Exzellenz im Produkt geschaffen werden kann. Und dann gilt: Gutes tun – und darüber sprechen! Ein gutes Beispiel dafür ist unser frisch gestarteter KI-Chatbot – speziell zugeschnitten auf das Thema Gastronomie, basierend auf unserer Berichterstattung zu Restaurants und Cafés in Düsseldorf. Damit greifen wir das durch ChatGPT & Co. veränderte Mediennutzungsverhalten auf und übertragen es auf unsere Zielgruppen und Produkte.

Welche Rolle spielt für Sie in diesem Kontext die direkte Beziehung zu Ihren Lesern und Abonnenten? Verstärken Sie zum Beispiel Ihre Bemühungen im Community Building oder pushen Sie Produkte wie Newsletter und Apps?

Auch unabhängig von KI bleibt für uns als Rheinische Post eines zentral: die Leserschaft sowie Aufbau und Erhalt einer starken Beziehung zu ihr. Die aktuellen Entwicklungen haben den Druck noch einmal verstärkt, sich intensiver mit den Bedürfnissen und dem Nutzungsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer zu beschäftigen.

Produkte wie Newsletter, Podcasts oder App-Angebote sind dabei wichtige Bausteine – und künftig könnten noch ganz neue Produkte oder Formate hinzukommen, je nachdem, wo und wie sich die Menschen informieren und unterhalten möchten. Auch deshalb sind wir als Rheinische Post zum Beispiel auf Tiktok und Instagram mit eigenen Gesichtern unterwegs, um unsere Inhalte und unsere Marke ins Schaufenster zu stellen – schließlich ist Social Media mittlerweile die wichtigste Nachrichtenquelle für junge Menschen. Die erzielten Reichweiten geben uns recht. Entscheidend ist aber nicht allein, Angebote bereitzustellen, sondern sie im richtigen Moment zu platzieren: zur passenden Tageszeit, am passenden Wochentag, im passenden Kontext. Und: Nicht jedes Thema eignet sich gleich gut für jedes Format. Wir wollen daher Nutzerinnen und Nutzer noch stärker in diesen Prozess einbinden, um unsere Produkte entsprechend weiterzuentwickeln.

„Die aktuellen Entwicklungen haben den Druck noch einmal verstärkt, sich intensiver mit den Bedürfnissen und dem Nutzungsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer zu beschäftigen.“

Theresa Futh
RP Digital

Für wie groß halten Sie das Risiko, dass KI-gestützte Plattformen die Sichtbarkeit der Publisher weiter einschränken? Welche Lösungen sehen Sie hier und welche Unterstützung wünschen Sie sich dabei von Plattformbetreibern, Politik oder Branchenverbänden?

Das Risiko, dass KI-gestützte Plattformen die Sichtbarkeit der Publisher einschränken, ist vorhanden – wenn nicht sogar ein Fakt. Zumindest in der Form, wie sich Publisher aktuell digital Sichtbarkeit verschaffen. Wir beobachten, dass diese Entwicklung in der Branche kritisch gesehen wird. Gleichzeitig werden wir und die Mitbewerber sich an KI-gestützte Plattformen und ihre Funktionalität gewöhnen müssen.

Wir unterstützen daher ausdrücklich Forderungen, dass Suchmaschinen und KI-Plattformen stärker mit Content-Schaffenden kooperieren und die verwendeten Inhalte honorieren. Ohne qualitativ hochwertigen und auch diversen Content fehlt auch der KI die Grundlage zum Training. Unser Markenkern und unsere Expertise ist und bleibt die lokale Berichterstattung – ein Wert, mit dem wir auch gegenüber großen Playern punkten können und müssen.

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