
Leslie ist unter dem Namen "Farbenfuchs" als Streamerin und Cosplayerin bekannt. Ihr ist es wichtig, dass sich ihre Community verstanden und wertgeschätzt fühlt - Foto: Emkay Raw
Was für Creatorin Leslie beim Community-Aufbau wichtig ist
Verlage und unabhängige Content-Creator verfolgen ähnliche Ziele und stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Beide produzieren Inhalte, verbreiten diese über verschiedene Kanäle und möchten damit wirtschaftlich erfolgreich sein. Während Verlage eher produktorientiert agieren, setzen viele Creator auf eine Community-zentrierte Arbeitsweise. Sie legen besonderen Wert auf den Aufbau und die Pflege einer engagierten Followerschaft.
Zu diesen Creatorn gehört Leslie, die in den sozialen Medien unter dem Namen „Farbenfuchs“ bekannt ist. Mit Themen wie Cosplay (Verkleiden und Darstellen einer Figur aus Games, Comics, Filmen o.ä.), Gaming, Motorrädern und Reisen sowie ihrem Psychologie-Studium erreicht sie ein breites Publikum. Auf Instagram folgen ihr über 150.000 Menschen, auf Twitch rund 102.000, auf Facebook etwa 23.000 und auf YouTube rund 9.000 Menschen.
Im Gespräch mit DNV berichtet Leslie, wie sie ihre Community und ihr Business aufgebaut hat und wo sie bei traditionellen Medienhäuser die Hürden sieht.
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Beginnen wir ganz vorne: Wenn ich eine Community aufbauen möchte, womit fange ich am besten an? Oder anders gefragt: Wie hast du angefangen?
Ich habe mit etwas angefangen, das mir schon vorher sehr viel bedeutet hat und das ist Cosplay. Cosplay habe ich schon privat gemacht, bevor ich auf Social Media aktiv wurde. Es hat sich für mich also gesund und authentisch angefühlt, damit auch auf Facebook und Instagram zu starten. Die Leute haben mich dann gefragt, ob ich die Spiele, aus denen ich die Charaktere cosplaye, selbst spiele und ob ich das auch streamen würde. Und so kam ich zum Streamen und daraus entwickelte sich alles andere.
Eigentlich hatte ich nie beabsichtigt, in diese Richtung zu gehen. Es hat sich einfach so ergeben, dass ich durch mein Hobby Cosplay, durch das Zocken und durch die Nachfrage der Leute neben dem Bachelorstudium mit Content Creation angefangen habe.
Gibt es einen Zeitpunkt, an dem du für dich festgestellt hast, dass du jetzt Creatorin bist?
Wenn ich den Start meiner Content-Creator-Laufbahn mit dem ersten Stream verknüpfe, dann war das im August 2015, also in dem Moment, in dem ich auf meiner Facebook-Cosplay-Seite Werbung für meinen Livestream gemacht habe. Damals hatte ich schon 5.000 Follower auf Facebook. Im ersten Stream hatte ich dann kurzzeitig 50 bis 70 Zuschauer – eine gute Quote, würde ich sagen.
Diese Cross Promotion ist eine wichtige Sache – also, dass man nicht nur auf einer Plattform bleibt, sondern von der einen Plattform die Menschen auf die andere Plattform aufmerksam macht. Das ist mir heute noch viel wichtiger als damals, weil mir das Konzeptuelle an meiner Arbeit bewusster geworden ist.
„Diese Cross Promotion ist eine wichtige Sache – also, dass man nicht nur auf einer Plattform bleibt, sondern von der einen Plattform die Menschen auf die andere Plattform aufmerksam macht.“
Leslie
Content Creatorin, Streamerin, Cosplayerin
Und wie hast du dann weitergemacht, um deinen Kanal auszubauen?
Damals gab es die Aussage, dass man mit drei Streams in der Woche Chancen hätte, Twitch-Partner zu werden. Das war mein Ziel. Seitdem habe ich also dreimal in der Woche gestreamt, mindestens vier Stunden. Ich habe dann auch irgendwann auf Twitch mein erstes Geld verdient. Das war der beste Nebenjob der Welt.
Rückblickend kann ich sagen, dass meine Kanäle ein gesundes, vielleicht auch langsames Wachstum über die Jahre geschafft haben. Und ich finde es auch sehr wichtig, dass man dem Ganzen Zeit gibt. Erfolg passiert nicht von heute auf morgen.
Welche Plattform ist für dich und dein Business die wichtigste?
Es ist eine Mischung aus Instagram und Twitch. Am Anfang war Instagram für meine Cosplay-Fotos wichtig. Das war die Plattform, auf der ich meine Kunst teilen konnte und wo wirklich mein Herzblut drinsteckt. Twitch ist mir jetzt aber sehr wichtig geworden für die Nahbarkeit. In Streams gewinnt man Nähe zur Community und kann ganz andere Facetten seines Charakters zeigen, die auf Bildern gar nicht rüberkommen können.
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Gibt es Unterschiede, wie deine Community auf den verschiedenen Plattformen reagiert oder interagiert?
Auf Instagram bekomme ich auf Posts viele liebe Nachrichten und Feedback. Bei Instagram Stories, die schon etwas persönlicher sind, bekomme ich oft auch eigene Meinungen, Gedanken oder Geschichten von den Leuten geschickt. Dann kann man schon persönlicher in den Austausch gehen.
Bei Twitch ist das aber noch mehr, da zählt die Live-Interaktion. Ich studiere aktuell Psychologie im Master und weiß daher, dass die Nähe, die hier entstehen kann, ein wichtiger Faktor für die Bindung zum Creator oder auch zu einem Produkt ist.
Wie kann man für eine solche Nähe und Bindung sorgen?
Durch Nahbarkeit auf der einen Seite. Dafür muss man auch ein wenig von sich und seinem Charakter preisgeben. Wichtig ist, dass man authentisch ist, damit die Leute verstehen, wer du bist. Mir ist in diesem Kontext Transparenz auch wichtig. Man muss nicht alle seine Geheimnisse aufdecken oder über Privates reden. Aber in einigen Punkten sollte man schon transparent mit den Leuten umgehen.
Auf der anderen Seite braucht es Konstanz. Um über die Jahre wachsen und eine treue Community aufbauen zu können, muss man eben auch über die Jahre aktiv sein. Hier sehe ich leider eine meiner Schwäche, weil ich nicht immer konstant in einigen Punkten war. Ich gehe zum Beispiel nicht immer mit aktuellen Trends mit und mache damit nicht konstant das, was der Algorithmus verlangt. Ich kann mir vorstellen, dass das auch ein Thema ist, das größeren Firmen schwerfällt – dieses ständige adaptieren, anpassen, mit den neuesten Trends mitgehen, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.
Was glaubst du, warum deine Community dir folgt? Was schätzen die Mitglieder an dir, deinen Inhalten und deinen Kanälen?
Das sind wahrscheinlich die Vielfalt und die Kreativität. Ich habe mit Cosplay angefangen und über die Jahre viele Kostüme erstellt. Die Community kann zum Beispiel im Stream direkt verfolgen, wie so ein Kostüm entsteht. Und ich glaube, dass meine Leidenschaft für Psychologie auch ein wichtiger Punkt ist. In dem Bereich können meine Zuschauer ihre Erfahrungen teilen und über das, was sie ausmacht, nachzudenken. Es ist mir wichtig, dass sie sich verstanden, gut aufgehoben, wertgeschätzt und respektiert fühlen. Ich verurteile niemanden für seine Geschichten. Ich bin eher neugierig, welche Menschen hinter den Namen im Chat stecken.
Leslie (re.) arbeitet auch auf Messen, wie der Polaris Convention, und moderierte dort bereits mehrmals den Cosplay Contest - Foto: Hamburg Messe und Congress / Rolf Otzipka
Über welche Modelle monetarisierst du deine Inhalte?
Da kann ich erst einmal empfehlen, nicht wie ich zu handeln, sondern die Möglichkeiten und Modelle noch weiter auszuschöpfen.
Ich mache das natürlich über Twitch. Die Zuschauer können dort monatlich subscriben und davon kriege ich einen Share von Twitch. Dazu gibt es noch Werbeeinnahmen oder Donations. Außerdem nutze ich Ko-fi. Das ist eine Plattform, auf der man Bilder teilen und Produkte verkaufen kann. Die User können entweder freiwillig einen Beitrag spenden oder die Produkte kaufen. Ich habe zum Beispiel einige Kalender verkauft.
Und dann sind Kooperationen noch ein wichtiger Bestandteil. Ich mache zum Beispiel über Instagram Stories oder Posts und in den Twitch-Streams Werbung und zeige dort Produkte. Und ich arbeite auf Messen, wie auf der Polaris.
Welches dieser Modelle ist für dich am lukrativsten?
Für mich sind das die Kooperationen und Messeauftritte. Aber wenn ich etwas empfehlen darf: Stellt euch möglichst divers auf und nutzt viele Kanäle. Schaut zum Beispiel auch, ob ihr etwas auf TikTok und YouTube machen könnt oder ob ihr noch weitere Produkte wie Bücher oder Merchandise anbieten könnt. Nur ein Standbein zu haben, ist riskant. Vor allem in der Social-Media-Welt ändert sich alles so schnell.
„Wenn ich etwas empfehlen darf: Stellt euch möglichst divers auf und nutzt viele Kanäle.“
Leslie
Content Creatorin, Streamerin, Cosplayerin
Abschließend gefragt: Was würdest du einer Person raten, die auf Social Media mit Content Geld verdienen will? Welche Learnings bzw. Dos and Don’ts hast du für dich bereits gefunden?
Zunächst ist es wichtig, herauszufinden, was dich als Creator besonders macht. Was kannst du gut? Was ist dein Mehrwert? Was möchtest du den Menschen mitgeben? Auf der Grundlage baust du dann weiter auf. Dabei ist es auch unabdingbar, Vitamin B zu betreiben. Denn es ist immer nützlich, Kontakte in seinem Umfeld zu haben. Davon lebt die Creator-Welt.
Dann ist Konstanz wichtig, wie ich bereits erklärt habe. Man muss immer weitermachen und darf am Anfang vielleicht auch nicht zu viel erwarten. Transparenz und Authentizität sind auch wichtige Faktoren. Es ist wichtig, dass man zumindest transparent und authentisch wirkt, damit sich die Leute dir nahe fühlen. Besonders gut ist es, wenn du oder dein Produkt den Menschen helfen können. Dann entsteht eine noch stärkere Bindung.
Ansonsten braucht es Flexibilität, denn man muss sich immer ein bisschen anpassen. Und wenn du etwas veränderst oder anpasst, vergiss nicht, dass deine Inhalte dann immer noch gut sind, nur eben für aktuelle Bedürfnisse. Ich glaube, dieser Ansatz ist etwas, was großen Firmen manchmal fehlt. Sie ruhen sich auf dem aus, was ihr Produkt schon kann und hören nicht auf die Konsumenten oder Käufer und deren veränderten Bedürfnisse. Daher ist es wichtig, ins Gespräch zu gehen und Feedback aus der Community einzuholen. Ich hole mir Feedback zum Beispiel im direkten Gespräch in meinen Streams ab oder mit Umfragen auf Instagram und Discord.
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Sophia Fiedler 18.12.2025





