
Events gehören zu den wirkungsvollsten Touchpoints, die eine Marke schaffen kann - Foto: TanTin/AdobeStock
Events: Wie Marken zum Community- und Erlebnisraum werden
Der Eventbereich hat sich für einige Medienmarken bereits als attraktives Geschäftsfeld erwiesen. Verschiedene Veranstaltungsformate – wie Webinare, Redaktionsführungen oder Talkrunden mit der Redaktion – spielen in den Abo- und Community-Strategien der Medienhäuser eine wichtige Rolle und sorgen für Nähe zur Leserschaft.
Auch Sabine Rogg weiß, welche enorm positiven Effekte Events für ein Unternehmen haben können. Sie ist Managing Director bei Avantgarde Germany, einer auf Erlebnismarketing spezialisierten Agenturgruppe*. Im DNV-Interview erklärt Rogg, wie gute Events geplant werden, welche Möglichkeiten selbst ressourcenschwache Teams haben und welche Trends es zu beachten gilt.
Sabine Rogg ist Managing Director von Avantgarde Germany - Foto: Sonja Herpich
Frau Rogg, warum sind Events und Live Experiences eigentlich wichtig für Unternehmen? Was können solche Formate bewirken?
In Zeiten, in denen vieles digital und jederzeit verfügbar ist, gewinnen echte Live Experiences enorm an Bedeutung, weil sie etwas bieten, was kein Bildschirm vermitteln kann: gemeinschaftliche Emotionen, Authentizität und das Gefühl, Teil eines einzigartigen Moments zu sein. Menschen sehnen sich nach echten Verbindungen und Sinneserlebnissen, die sich nicht reproduzieren oder scrollen lassen. Gerade weil unser Alltag immer stärker von Algorithmen und digitalen Filtern geprägt ist, entsteht ein Gegengewicht – das Bedürfnis nach Unmittelbarkeit, Spontaneität und Präsenz. Live Experiences schaffen Erinnerungen, die nachhaltig wirken und Marken und Inhalte emotional verankern.
Einige Verlage bieten beispielsweise Redaktionsführungen oder Talkrunden mit Chefredakteuren an. Welche Eventformate sind darüber hinaus speziell für Medienhäuser denkbar?
Neben klassischen Redaktionsführungen oder Talkrunden eignen sich für Medienhäuser vor allem Formate, die journalistische Kompetenz mit echter Community-Nähe verbinden. Dazu gehören thematische Labs oder Workshops, in denen Redaktion, Expert*innen und Leser*innen gemeinsam diskutieren. Ebenso spannend sind hybride Panels oder Live-Talks, die sowohl vor Ort als auch digital stattfinden und damit neue Reichweiten erschließen. Für besonders treue Zielgruppen bieten sich exklusive, kleinere Community-Events wie Curated Gatherings oder Meet-ups an.
Und schließlich können Medien auch ihre Inhalte selbst erlebbar machen – etwa durch immersive Storytelling-Formate wie Live-Reportagen, Ausstellungen oder Installationen. Ergänzend dazu lassen sich Partner- oder Advertiser-Events umsetzen, die Medienmarken als attraktive Plattform für Kooperationen stärken. Solche Formate passen besonders gut zu einem Medienhaus, das mehr sein will als Ort der Information — das ein Community- und Erlebnisraum sein möchte.
„Solche Formate passen besonders gut zu einem Medienhaus, das mehr sein will als Ort der Information — das ein Community- und Erlebnisraum sein möchte.“
Sabine Rogg
Avantgarde
Was ist grundsätzlich bei der Planung und Durchführung von Events zu beachten? Welche Schritte müssen gemacht werden?
Entscheidend sind für mich drei Schritte:
1. Ziele, Zielgruppe & Story definieren: Ein Event braucht Klarheit darüber, was es erreichen soll, wen es anspricht und welche zentrale Idee oder Botschaft es trägt.
2. Konzept, Planung & Umsetzung professionalisieren: Format, Location, Technik, Ablauf und Gästemanagement müssen stimmig ineinandergreifen und sorgfältig organisiert sein.
3. Kommunikation & Erfolgssicherung sicherstellen: Die richtige Ankündigung, die Aktivierung während des Events, die Nachbereitung sowie messbare KPIs sorgen dafür, dass das Event Wirkung entfaltet und langfristig genutzt werden kann.
Am Ende gilt auch für Events, was für jedes gute Gastgebersein zählt: Ein gelungenes Erlebnis entsteht dann, wenn sich jeder Gast willkommen, wahrgenommen und wirklich einbezogen fühlt.
Was sind aus Ihrer Sicht noch weitere entscheidende Faktoren für gelungene Events?
Aus meiner Sicht gelingt ein Event immer dann, wenn es authentisch ist und klar zur Marke passt. Entscheidend ist außerdem, dass Inhalte und Dramaturgie wirklich relevant für die Zielgruppe sind und ein Erlebnis schaffen, das emotional berührt und im Gedächtnis bleibt. Dazu gehören eine stimmige Story, eine hochwertige Umsetzung und eine Atmosphäre, die Begegnung ermöglicht.
Ebenso wichtig ist, dass ein Event nicht mit dem letzten Programmpunkt endet: Die Nachbereitung, die Weiterverwertung der Inhalte und der Aufbau von langfristiger Community-Bindung gehören genauso dazu wie das Event selbst. Wenn all diese Faktoren zusammenkommen, entsteht ein Erlebnis, das nicht nur begeistert, sondern nachhaltig Wirkung entfaltet. Wenn diese Faktoren zusammenspielen, entsteht nicht nur ein „Netzwerk- oder Marketing-Event“, sondern ein Erlebnis, das Marke und Menschen auf Augenhöhe verbindet.
Lohnen sich Events finanziell? Welche monetären Effekte kann man erwarten und welche Erlösmodelle sind denkbar?
Richtig konzipiert und umgesetzt ist ein Event einer der wirkungsvollsten Touchpoints, den eine Marke schaffen kann. Genau dafür stehen wir: für Erlebnisse, die Menschen bewegen, Marken emotional aufladen und Begegnungen schaffen, die kein anderes Medium leisten kann.
„Richtig konzipiert und umgesetzt ist ein Event einer der wirkungsvollsten Touchpoints, den eine Marke schaffen kann.“
Sabine Rogg
Avantgarde
Dieser Wert zeigt sich finanziell auf mehreren Ebenen. Events generieren direkt neue Leads, Kooperationen oder Abschlüsse, weil persönliche Begegnung Vertrauen schafft. Gleichzeitig stärken sie Markenbekanntheit, Loyalität und Wiederkaufbereitschaft – Effekte, die langfristig deutlich in die Wirtschaftlichkeit einzahlen. Zudem bieten gut kuratierte Formate zusätzliche Erlösmöglichkeiten, etwa über Sponsoring, Partnerbeteiligungen oder Ticketing.
Nicht zu unterschätzen ist auch der Content-Effekt: Ein hochwertiges Event produziert Materialien und Geschichten, die über Wochen und Monate hinweg ausspielbar sind und den ROI deutlich verlängern.
Wenn ein Unternehmen nur wenig personelle und finanzielle Ressourcen für Events hat: Welche Möglichkeiten bestehen trotzdem?
Auch mit begrenzten Mitteln kann ein Unternehmen wirkungsvolle Events umsetzen – oft sogar besonders authentische. Entscheidend ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: ein klares Ziel, ein relevantes Thema und ein Format, das Nähe schafft. Kleine Community-Runden, kuratierte Workshops oder digitale Sessions können hervorragende Touchpoints sein und brauchen weder große Budgets noch große Teams.
„Auch mit schmalen Ressourcen kann man Erlebnisse schaffen, die Menschen berühren – und das ist der Kern jeder erfolgreichen Live-Experience.“
Sabine Rogg
Avantgarde
Zudem lassen sich durch Kooperationen – etwa mit Partnern, Medien oder lokalen Akteuren – Aufwand und Kosten teilen, während die Reichweite steigt. Und selbst kleine Formate erzeugen wertvollen Content, der weiterverwendet werden kann und damit den Effekt vervielfacht.
Am Ende zählt nicht die Größe des Events, sondern die Qualität der Erfahrung. Auch mit schmalen Ressourcen kann man Erlebnisse schaffen, die Menschen berühren – und das ist der Kern jeder erfolgreichen Live-Experience. Begrenzte Ressourcen schaffen oft den Fokus auf das Wesentliche.
Zum Abschluss: Welche Trends beobachten Sie im Event-Bereich derzeit?
In meinem Umfeld sehe ich aktuell insbesondere folgende Entwicklungen:
• Zwischen Extremen navigieren: Wir beobachten sowohl die Sehnsucht nach „ungefühlten“ Formaten und Elementen, die einen sensorischen Maximalismus anbieten und gleichzeitig eine Sehnsucht der Gäste nach reduzierten, ruhigen Formaten. Für Veranstalter wird es wichtiger, das sinnliche Erlebnis präzise zu kuratieren. Es braucht Räume für Intensität und gleichzeitig auch für Ruhe und Rückzug.
„Erfolgreiche Eventkonzepte sind immer mehr Orte der Begegnung. Als Marke darf man nicht nur verkaufen wollen, sondern muss einen Raum für Zugehörigkeit schaffen.“
Sabine Rogg
Avantgarde
• Community & Zugehörigkeit über Transaktion hinaus: Erfolgreiche Eventkonzepte sind immer mehr Orte der Begegnung. Als Marke darf man nicht nur verkaufen wollen, sondern muss einen Raum für Zugehörigkeit schaffen. Dieses Gefühl ‚hier bin ich genau richtig‘ wird wichtiger in einer Zeit, in der immer mehr Menschen diese Orte vermissen. Erfolgreiche Marken sind heute mehr als ein Produkt oder eine Dienstleistung. Sie sind ein Angebot, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen.
• Hybrid & Cross-Channel-Events sind kein Moment mehr, sondern ein System: Sie starten live vor Ort, entfalten ihre Wirkung digital über alle Kanäle hinweg – on demand, cross-channel, dauerhaft. Content wird nicht verbraucht, sondern verlängert, recycelt und neu kontextualisiert. Communities entstehen nicht am Einlass, sondern wachsen über das Event hinaus. Reichweite endet nicht mit dem Abbau, sondern mit fehlender Relevanz.
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*Avantgarde ist eine auf die Experience Economy spezialisierte Agenturgruppe. Weltweit beschäftigt die Gruppe über 750 Mitarbeitende an 13 Standorten. Der Hauptsitz der 1985 gegründeten Agentur befindet sich in München. Zu den Kunden gehören u.a. Danone, Porsche, Telekom und Decathlon.
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