Freitag, 14. August 2026

Die Vermischung von Berichterstattung und Einordnung sei ein Treiber des Vertrauensverlusts in die Medien, betont Klaus Schweinsberg, ehemaliger Chefredakteur von Capital und Impulse - Foto: glh

Ex-Capital-Chef fordert schärfere Trennung von Nachricht und Meinung

Klaus Schweinsberg, ehemaliger Chefredakteur von Capital und Impulse sowie heute Leiter des Centrums für Strategie und Höhere Führung an der ESCP Business School, hat Medien aufgefordert, stärker zwischen Nachricht und Meinung zu unterscheiden. In einem Interview mit dem Haus der Pressefreiheit, das anlässlich des Welttags der Pressefreiheit am 3. Mai 2026 veröffentlicht wurde, sagte Schweinsberg: „Die Medien haben sich meines Erachtens keinen Gefallen getan mit der 'Featurisierung' ihrer Berichterstattung. In meinem Journalistik-Studium habe ich seinerzeit gelernt, dass Nachricht und Meinung scharf zu trennen sind. Das ist ja heute kaum mehr der Fall."

Schweinsberg begann seine Karriere als Redakteur bei der Financial Times Deutschland, bevor er ab 2003 zunächst als stellvertretender Chefredakteur und ab 2004 als Chefredakteur des Unternehmermagazins Impulse tätig war. Später wurde er Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Capital und Herausgeber von Impulse. Heute ist er Affiliate Professor an der ESCP Paris, Mitgründer des European Center for Digital Competitiveness und berät Führungskräfte in Europa, Asien und den USA.

Die Vermischung von Berichterstattung und Einordnung sei ein Treiber des Vertrauensverlusts, so Schweinsberg. Konkret störe ihn das Format des konfrontativen TV-Interviews: Wenn Redakteurinnen und Redakteure erkennbar darauf aus seien, Interviewpartner „zu stellen", verfehle das seinen Zweck – und die journalistische Aufgabe. Ziel müsse es sein, dem Publikum zunächst eine unverstellte Darlegung der Position des Gesprächspartners zu ermöglichen.

Demokratiegefährdung durch Desinformation

Schärfer fällt seine Einschätzung zur politischen Dimension aus. Mit Blick auf die USA sagte Schweinsberg, dort werde „ganz offen und schamlos gelogen" – die Lüge sei „bereits integraler Bestandteil des Systems geworden und wird an der Spitze des Staates von Donald Trump in extremis als politische Waffe genutzt". In Europa sei die Situation noch eine andere: Hier diene Desinformation vor allem dazu, das freiheitlich-demokratische System zu bedrängen. Als Akteure nannte er externe Einflussnahme aus Russland, den USA und China sowie innenpolitisch die AfD.

Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht Schweinsberg trotz Kritik an dessen Strukturen als wichtiges Gegengewicht zu Fake News. Eine Position, die im laufenden politischen Diskurs über die Finanzierung und Ausrichtung des öffentlich-rechtlichen Systems nicht unumstritten ist.

Hintergrund zum Haus der Presse

Das Portal hausderpressefreiheit.de, auf dem das Interview erschienen ist, dokumentiert seit 2016 Angriffe auf die Meinungs- und Pressefreiheit und führt eine „Hall of Fame" mit mehr als 450 Porträts von Journalisten, Verlegern und Karikaturisten.

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