Freitag, 14. August 2026

Ein zentraler Baustein von Local_Vocal ist die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen wie hier im Competence Center Young Audience (CCYA) von #UseTheNews. - Foto: Dpa

Regionalverlage testen KI-Agenten gegen den Leserschwund

Mehr als ein Dutzend Regionalverlage, die Deutsche Presse-Agentur (Dpa) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) bündeln ihre Kräfte für ein gemeinsames KI-Projekt im Lokaljournalismus. Ziel ist es, mit personalisierten KI-Anwendungen vor allem jüngere Zielgruppen zu erreichen – unterstützt durch öffentliche Fördermittel aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Träger des Projekts mit dem Namen "Local_Vocal" ist der Drive local e.V., ein nach eigenen Angaben Anfang 2026 gegründeter Verein zur Förderung der digitalen Transformation regionaler Tageszeitungen. Zu den 15 Gründungsmitgliedern zählen 13 deutsche Verlage sowie die Dpa und die Unternehmensberatung Highberg (früher Schickler).Vorsitzender des Vereins ist Andreas Müller, Geschäftsführer der Mediahuis Aachen GmbH, die unter anderem die Aachener Zeitung herausgibt.

Lokal_Vocal knüpft an ein älteres Kooperationsprojekt an: Bei der 2020 gegründeten Digital Revenue Initiative (Drive) arbeiten Dpa und Highberg mit 30 regionalen Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Steigerung digitaler Erlöse, gestützt auf Data Science und Künstliche Intelligenz. Drive local e.V. überträgt diesen Kooperationsgedanken nun gezielt auf KI-Projekte mit Forschungspartnern – und auf die Frage öffentlicher Förderung.

Lesetipps aus der Redaktion zum Projekt Drive:

Erste Pilotprojekte in zwei Bundesländern

Nordrhein-Westfalen und die Rheinland-Pfalz sind die ersten Landesregierungen, die das Vorhaben mit Zuwendungen unterstützen. Das Land NRW fördert ein bis 2028 angelegtes Vorhaben, an dem drei Verlagshäuser unter Leitung von Drive gemeinsam mit der Dpa, Highberg und der DFKI arbeiten. In der Rheinland-Pfalz sind es zwei weitere Verlage.

Erste Projekte im Zuge von Local_Vocal entwickeln und erproben konkret gerade:

  • Lensing Medien (Dortmund)
  • die Verlagsgruppe Aschendorff (Münster)
  • die Neue Westfälische (Bielefeld)
  • VRM (Mainz)
  • die Rheinpfalz (Ludwigshafen)

Erster Anwendungsfall ist ein KI-gestütztes Format mit dem Arbeitstitel „Wie geht's meiner Stadt?“: ein kostenfreier, personalisierter Morgenservice, der die lokale Nachrichten- und Stimmungslage einer Stadt zusammenfasst – wahlweise als Audio, Video, Newsletter oder Messenger-Nachricht und in mehreren Sprachvarianten.

Kostenlos versorgt Sie der DNV-Online-Newsletter mit allen Neuigkeiten. Jetzt abonnieren - nie wieder etwas verpassen!

E-Mail:

Sicherheitscode hier eintragen:

Vom Anwender zum Agenten

Strategischer Kern von Local_Vocal ist die Idee eines „Trusted Local Agent“: Statt KI nur zu nutzen, soll die Lokalzeitung selbst zu einem KI-Agenten werden, der gegenüber Plattform-Angeboten von der Vertrauenswürdigkeit der Zeitungsmarke profitiert – etwa bei der Transparenz im Umgang mit Nutzerdaten. Für das Geschäftsmodell ist das relevant, weil es einen Rollenwechsel markiert: weg vom reinen Inhalte-Distributor, hin zu einem personalisierten Service, der im Idealfall auch Buchungen oder Bestellungen vermitteln könnte. Damit verbunden ist der Versuch, das klassische Abo-Geschäft um ein kostenfreies Einstiegsangebot zu ergänzen, mit dem auch Nicht-Abonnenten erreicht werden sollen, bevor eine Bezahlbeziehung überhaupt entsteht.

Diese Logik deckt sich mit einer These, die Gert Ysebaert, Vorstandschef der belgischen Mediengruppe Mediahuis, in der Branche seit längerem vertritt: Zeitungsmarken würden nicht mehr automatisch gefunden, sondern müssten bewusst ausgewählt werden – das Produkt Tageszeitung wandle sich vom alternativlosen „Need“-Produkt der Print-Ära zum „Want“-Produkt, bei dem emotionale Bindung wichtiger werde als reine Kosten-Nutzen-Abwägung. Ysebaert sprach Branchenkreisen zufolge davon, dass Zeitungen „nicht mehr gesucht, sondern erwählt“ würden.

Die größte Herausforderung: Junge Leser

Die Aufgabe, die die Initiatoren von Local_Vocal damit verbinden, ist nicht neu: Bereits der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont sah um die Jahrtausendwende im jungen Publikum die größte Herausforderung des Internet-Zeitalters, und der Publizistikforscher Peter Glotz beschrieb die Funktion des Lokaljournalismus schon vor mehr als 40 Jahren als die eines „Anwalts des Gesprächs“. Neu ist der Versuch, diese Funktion technologisch in ein KI-gestütztes, kanalübergreifendes Angebot zu übersetzen – und dabei systematisch mit jungen Fokusgruppen zu arbeiten. Hierfür kooperiert Local_Vocal mit dem von der Nachrichtenkompetenz-Initiative #UseTheNews betriebenen Competence Center Young Audience in Hamburg, das unter anderem vom Hamburger Abendblatt unterstützt wird.

Der Drive local e.V. ist laut Satzung offen für jeden deutschen Verlag mit einer regionalen Abonnement-Tageszeitung. Nach eigenen Angaben laufen Gespräche mit weiteren Landesregierungen und Verlagshäusern, um das NRW- und RLP-Modell auf andere Bundesländer zu übertragen.

  •  
 

Newsletter abonnieren

Best Practice

Hier finden Sie aussagekräftige Fallstudien

 

DNV-Guide

DNV - DER NEUE VERTRIEB bringt Sie mit Experten von A wie Abogewinnung bis Z wie Zustellung zusammen. Profitieren Sie vom Know-how dieser Spezialisten. Mehr...





   



   



   



   



   



   
NEUMANN 2026
Handbuch für Presse-Vertrieb und -Verkauf

Handbuch für den Presse-Vertrieb und -Verkauf

Aktuelle Ausgabe

Bestellung

Zeitschriften-Suche