
taz-Geschäftsführer Andreas Marggraf freut sich über den neuen Meilenstein - Foto: Christian Mang
taz knackt die Marke von 50.000 freiwilligen Unterstützern
Die Berliner Tageszeitung taz vermeldet neue Erfolge bei ihrem freiwilligen Unterstützer-Modell "taz zahl ich": 50.000 Menschen unterstützen den Journalismus der taz inzwischen im Netz. Der Meilenstein fällt in eine Phase, in der das Berliner Medienhaus seine digitale Transformation vorantreibt.
Seit 2011 können Leser der taz freiwillig für deren Online-Journalismus bezahlen – zu einer Zeit, in der viele andere Verlage ihre Digitalangebote zunehmend hinter Bezahlschranken stellten, hielt die taz an einem frei zugänglichen Modell fest. Aus einem anfänglich kleinen Spendenaufruf ist über die Jahre eine tragende Säule der Finanzierung geworden: Im Februar 2025 zählte "taz zahl ich" rund 40.000 Unterstützer, eineinhalb Jahre später sind es 50.000. Allein im Jahr 2025 kamen über das Modell mehr als 3,76 Millionen Euro aus regelmäßigen und einmaligen Beiträgen zusammen, seit dem Start des Programms summieren sich die Einnahmen auf knapp 22 Millionen Euro.
Am 24. Juni 2026 feierte die Redaktion den Erfolg im Medienhaus in der Berliner Friedrichstraße. Chefredakteurin Katrin Gottschalk betonte in ihrer Rede die publizistische Bedeutung des Modells: „Mit diesem Modell können wir ausschließlich über Themen schreiben, von deren publizistischer Relevanz wir überzeugt sind. Dies ist ein Privileg, während die Optimierung auf Abonnements zusehends die Inhalte auf den Startseiten anderer Medien verändert. Unser Journalismus bleibt relevant, weil ihn alle lesen können."
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In regelmäßigen Umfragen unter den Lesern der taz wird vor allem der solidarische Gedanke als Motivation genannt: Wer zahlen kann, finanziert das Angebot auch für jene mit, die sich ein Abonnement nicht leisten können. Dieses Prinzip stützt sich auf ein Selbstverständnis, das Journalismus nicht primär als Ware, sondern als öffentliches Gut begreift – ein Ansatz, der sich von der Abonnement-Logik vieler anderer Verlagshäuser unterscheidet, wo der Zugang zu Inhalten stärker an die Zahlungsbereitschaft Einzelner gekoppelt ist.
Rückenwind nach der „Seitenwende"
Der Meilenstein bei "taz zahl ich" fällt in eine Umbruchphase des Verlags. Erst im Oktober 2025 vollzog die taz als erste überregionale deutsche Tageszeitung die sogenannte Seitenwende: Werktags erscheint das Blatt seither nicht mehr gedruckt, sondern ausschließlich als E-Paper und in der App. Lediglich die wochentaz wird weiterhin samstags gedruckt.
Die Umstellung verlief nach Verlagsangaben deutlich erfolgreicher als intern erwartet: Statt der einkalkulierten 70 Prozent wechselten rund 89 Prozent der bisherigen Print-Abonnenten auf ein digitales Angebot (mehr dazu hier). Der Wegfall der Einnahmen aus der Werktagszeitung soll durch die digitalen Erlöse kompensiert werden, wozu auch das Wachstum von "taz zahl ich"beiträgt.
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Geschäftsführer Andreas Marggraf ordnete den aktuellen Zuwachs entsprechend auch strategisch ein: „Wir freuen uns sehr, dass nun 50.000 Menschen nicht nur den Journalismus der taz unterstützen, sondern auch ein freiwilliges Zahlungsmodell, das den freien Zugang zur taz für alle möglich macht." Für den Verlag ist das Wachstum bei den freiwilligen Zahlern damit auch ein Signal, dass der Umstieg auf ein digitales Kerngeschäft bei gleichzeitigem Verzicht auf eine harte Paywall erfolgreich funktioniert.
Abgeschlossen ist die digitale Transformation des Hauses damit nicht: Produkte und Arbeitsabläufe sollen weiterentwickelt werden. In den kommenden Monaten will die taz eine neue taz-News-App veröffentlichen, die den Zugang zum Nachrichtenangebot vereinfachen soll. Auch dort soll die freiwillige Unterstützung über "taz zahl ich" möglich sein.
Vivian Katharina Bissel 02.07.2026





