FUTURUM Awards: So sehen Innovationen im Print-Vertrieb aus
Derzeit läuft die Bewerbungsphase für die FUTURUM Awards 2026. Das bedeutet: DNV sucht wieder nach herausragenden Leistungen und innovativen Ansätzen aus Verlagsbranche sowie Presse- und Digitalvertrieb. Dafür können Produkte, Services, Ideen und Strategien eingereicht werden, die neue Wege in eine erfolgreiche Zukunft aufzeigen und der Branche als Vorbild dienen können.
In den vergangenen drei Jahren haben Einreichungen von der Nordwest Mediengruppe, Qtrado und D-Force-One die Jury überzeugt. Im Folgenden sind die Gewinner-Projekte noch einmal skizziert.
Preisträger im Jahr 2025: Nordwest Mediengruppe
Für viele Verlage ist die Zustellung im ländlichen Raum ein Verlustgeschäft. Die Nordwest Mediengruppe aus Oldenburg hat sich dieser Herausforderung gestellt. Die Teams von Vertriebs-Chefin Nancy Klatt und Logistik-Chef Jan Fitzner haben die Zeitungszustellung neu gedacht und auf Basis des Last-Mile-Optimization-Score die Wirtschaftlichkeit der Abonnements verbessert. Das Ergebnis: Mehr Deckungsbeitrag im Print-Geschäft und dadurch mehr Zeit für die digitale Transformation.
"Innovation im Print-Vertrieb" 2025 (v.li.): Laudator Dr. Michael Plasse mit den Preisträgern Nancy Klatt und Jan Fitzner sowie Moderator Wolfgang Rakel - Foto: Klaus Knuffmann
Die Ausgangslage für den Regionalzeitungsverlag war klar: Der Printmarkt befindet sich seit Jahren im Rückgang. Sinkende Auflagen, steigende Kosten, Fachkräftemangel in der Zustellung; die klassischen Strukturen geraten unter Druck. Der Wendepunkt für die Nordwest Mediengruppe lag in einem extern entwickelten Instrument: Dem Last-Mile-Optimization-Score (LMO-Score) von der Unternehmensberatung Richard Consulting. Anstatt die tatsächlichen Zustellkosten bis auf den Cent genau zu berechnen – was in einem komplexen Netzwerk kaum realistisch ist – bewertet der LMO-Score jedes Gebäude anhand seiner relativen Erreichbarkeit und der erwarteten Kosten.
Das Ergebnis ist eine übersichtliche Landkarte, die auf einen Blick zeigt, in welchen Gebieten sich Print lohnt – und wo nicht. Sie visualisiert sowohl die bestehenden Kunden als auch potenzielle Haushalte für neue Abonnements. Um die komplexen Daten für alle Beteiligten verständlich zu machen, wurde der Score in ein Ampelsystem übertragen: Grün steht für wirtschaftlich, Gelb für grenzwertig und Rot für hochdefizitär. Dieses einfache Prinzip erleichtert die strategische Planung.
Die Jury urteilte zu dem Projekt: „Die Nordwest-Zeitung hat mit ihrer Deckungsbeitrags-orientierten Transformation eine der größten Herausforderungen im Zeitungsmarkt neu angepackt: die Zustellung im ländlichen Raum. Durch Optimierung der Logistik bei gleichzeitiger Umstellung unwirtschaftlicher Print-Abos auf das E-Paper konnten deutliche Kosteneinsparungen erzielt werden. Die zugrunde liegende Perlenketten-Logik und der datenbasierte Ansatz des Last-Mile-Optimization-Score geben dem Projekt einen innovativen Charakter und einen messbaren Impact.“
Preisträger im Jahr 2024: Qtrado
Der Pressegroßhändler Qtrado aus Leverkusen hat zur Unterstützung des Einzelhandels im Presse-Handling die App forlinQ entwickelt. Dahinter steht die Idee einer Plattform für Einzelhandel, Presse-Grossisten und Verlage bzw. Nationalvertrieb, die die Kommunikation und Zusammenarbeit im Pressevertriebssystem neu gestalten soll. Die App wurde maßgeblich von Hendrik Schinnenburg, Leiter IT & Prozesse, und Thorsten Fallack, Leiter Marketing, mitentwickelt.
"Innovation im Print-Vertrieb" 2024 (v.li.): Laudator Torsten Löffler mit den Preisträgern Hendrik Schinnenburg und Thorsten Fallack sowie Moderator Wolfgang Rakel - Foto: Klaus Knuffmann
Herzstück der App forlinQ sind hilfreiche Funktionen für den Einsatz direkt am Presseregal. Dazu gehören unter anderem Echtzeitinformationen zu allen Lieferprozessen, Informationen zu Publikationen wie Titelseite, Preis oder verfügbare Werbemittel sowie die Möglichkeit, vergangene Vorgänge wie Bezüge, Verkäufe und Rücklieferungen aufzurufen. Zudem können alle Artikel über einen Scanner und den auf der Publikation aufgedruckten Barcode aufgerufen, Nachbestellungen getätigt und Informationen über Kampagnen und die Bestellung von Werbemitteln aufgerufen werden.
Die Jury urteilte zu dem Projekt: „Qtrado hat mit der forlinQ-App ein Instrument geschaffen, welches der gesamten Wertschöpfungskette des stationären Presseverkaufs dient. Hier ist von nicht weniger als einer Branchenlösung die Rede, die das Potenzial hat, künftig zum Marktstandard zu werden. Die Funktionalitäten sind umfangreicher als bei anderen Tools und die Usability denkbar einfach. Zudem trägt die App messbar zur Effizienzsteigerung bei, vor allem auf Grosso-Seite. Zusammenfassend ist forlinQ eine Software- und Prozess-Lösung, die in ihrer Sparte als innovativ gelten darf.“
Preisträger im Jahr 2023: D-Force-One
Als Joint Venture von Verlag (Axel Springer) und Presse-Grossist (Qtrado) denkt der Nationalvertrieb D-Force-One aus Hamburg Strukturen und Leistungen neu.
"Innovation im Print-Vertrieb" 2023 (v.li.): Laudator Heribert Bertram mit den Preisträgern von D-Force-One, David Löffler, Johanna Schäfer und Ulrich Stemmler - Foto: Dirk Uhlenbrock
Anfang 2022 kündigten Axel Springer und Qtrado eine neuartige Zusammenarbeit im Pressevertrieb an. In diesem Zuge erwarb Qtrado 50 Prozent der Anteile am Nationalvertrieb Press Impact, der bis dato vollständig zu Axel Springer gehörte. Es begann eine Phase vieler Weichenstellungen, angefangen bei der Verpflichtung namhafter Pressevertriebsexperten bis hin zum Wechsel auf ein neues Pressevertriebssystem. Auch ein neuer Name wurde gefunden: Aus Press Impact wurde D-Force-One. 2023 nahm dann die Neukunden-Akquise Fahrt auf, wobei insbesondere viele Regionalzeitungen und kleinere Zeitschriften als Mandanten gewonnen werden konnten. Erster Höhepunkt war die Übertragung der Vertriebsmandate der Axel-Springer-Zeitungen (u.a. Bild, Welt, B.Z.) von Sales Impact an D-Force-One. Damit war das Joint Venture auf bestem Wege, sich als Schwergewicht unter den Nationalvertrieben zu etablieren.
Die Jury urteilte zu dem Projekt: „D-Force-One ist ein Paradebeispiel für den Zeitgeist der Kooperation, und zwar über Vertriebsstufen hinweg. Hier arbeiten Presse-Grosso und Nationalvertrieb Hand in Hand, um die Strukturen und Leistungen des Pressevertriebssystems neu zu denken. Der Ansatz, datengestützte und kundenindividuelle Lösungen für Zeitschriften und Zeitungen zu entwickeln, wurde bereits durch Erfolge im Neukundengeschäft bestätigt. Wir loben den Mut und das Bestreben, neue Wege zu gehen, auch wenn sie unbequem sein mögen.“
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Die Bewerbungsphase für die FUTURUM Awards 2026 läuft bis zum 31. August. Wer sich in die Riege namhafter Preisträger einreihen möchte, kann noch Projekte in den Kategorien „Innovation im Print-Vertrieb“ und „Innovation im Digital-Vertrieb“ einreichen.
Weitere Informationen sowie den Link zum Bewerbungsformular finden Interessierte hier.
Sophia Fiedler 12.08.2026






