
Tritt als Chefredakteur ab, bleibt der NZZ aber weiterhin verbunden: Eric Gujer - Foto: NZZ Mediengruppe
NZZ-Chefredakteur kündigt Abschied an
Eric Gujer wird die Chefredaktion der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zum 1. Februar 2027 abgeben. Der 64-Jährige hat die Position seit 2015 inne, zuvor war er Auslandchef; insgesamt ist er seit 40 Jahren für das Medienhaus tätig. Wer seine Nachfolge antritt, ist noch offen.
Ganz verlässt Gujer das Unternehmen jedoch nicht: Als Herausgeber Deutschland wird er sich künftig mit den großen Linien der deutschen und internationalen Politik befassen und die publizistische Präsenz der NZZ auf dem für das Unternehmen wichtigen deutschen Markt weiter stärken. Zusätzlich übernimmt er die Leitung der Veranstaltungsreihe „NZZ Podium“ und bleibt verantwortlich für die Gesprächssendung „NZZ Standpunkte“.
NZZ-Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton würdigte Gujers Verdienste: Er zähle zu den bedeutendsten publizistischen Stimmen des deutschsprachigen Raums und habe die publizistische Ausstrahlung der NZZ „weit über die Landesgrenzen hinaus gestärkt“.
Nachfolgeprozess mit interner und externer Suche
Die NZZ hat den Nachfolgeprozess eingeleitet und will die Position nach eigenen Angaben bevorzugt intern besetzen, gleichzeitig aber auch externe Kandidaturen prüfen. Die Entscheidung soll im Laufe des vierten Quartals 2026 durch den Verwaltungsrat fallen. Gesucht wird laut Unternehmen eine Persönlichkeit, die das publizistische Profil der NZZ prägen kann und zugleich über die strategischen Fähigkeiten und Führungsqualitäten verfügt, um die Redaktion in einem durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz veränderten Medienumfeld weiterzuentwickeln.
Der Wechsel an der Spitze der Chefredaktion fällt in eine Phase, in der die NZZ ihre Präsenz im deutschen Markt gezielt ausbaut. Bereits zum 1. Januar 2026 hatte das Unternehmen mit Florian Eder einen neuen Chefredaktor für NZZ Deutschland berufen: Der frühere Politico-Journalist und Leiter des digitalen Formats „SZ Dossier“ der Süddeutschen Zeitung löste Marc Felix Serrao ab, der zu Axel Springer wechselte. Bis 2030 will die NZZ die Abonnentenzahl in Deutschland deutlich steigern.
Die Ankündigung der Nachfolgeregelung erfolgte zeitgleich mit der Publikation der Halbjahreszahlen 2026, in denen die NZZ ein verbessertes bereinigtes operatives Ergebnis bei gleichzeitigem Konzernverlust auswies. Aufgrund zahlreicher Sondereffekte sind die Ergebnisse aber nur eingeschränkt mit vorangegangen Perioden vergleichbar. Der Ertrag im Lesermarkt wuchs indes um sieben Prozent auf knapp 50 Mio. Schweizer Franken. Maßgeblich dafür war laut Unternehmensangaben das digitale Premium-Abo „NZZ Pro“ sowie auf das Wachstum im deutschen Markt. Das erwähnte Abonnement, das unter anderem vertiefte Analysen zu Geopolitik und Weltwirtschaft bietet, hatte bereits im Laufe des Jahres 2025 die Marke von 20.000 zahlenden Abonnenten überschritten und wird kontinuierlich ausgebaut.
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Wolfgang Rakel 13.08.2026





