Donnerstag, 20. August 2026

Medienhäuser suchen verstärkt nach neuen Erlössäulen und Querfinanzierungsstrategien - Foto: Nuthawut/Adobe Stock

In diese Zusatzgeschäfte investierten Medienhäuser zuletzt

„Wir müssen weg von der Idee, dass Journalismus 1:1 finanziert wird aus dem Verkauf von Inhalten“, erklärte Thomas Schultz-Homberg, damals CEO der Kölner Stadt-Anzeiger Medien und heute Chief Transformation Officer bei Madsack, einmal bei einem Branchenevent. Jens Wegmann, Geschäftsführer der Zeitungsgruppe NOZ/mh:n Medien, mahnte: „Die systematische Suche nach Geschäftsmodellen für eine Post-Print-Ära ist alternativlos.“ Und Yvonne Bauer, Verlegerin der Bauer Media Group, sagte in einem Interview mit der Zeit, dass „sich der Trend nicht mehr umkehren wird und wir auch Antworten finden müssen, die außerhalb des Verlagswesens liegen.“

Man ist sich einig: Medienhäuser brauchen neue Geschäftsfelder, neue Erlössäulen und Diversifizierung, um ihren Journalismus auch künftig finanzieren zu können. Vor allem die Bereiche Events, Bildungsangebote, Dienstleistungen und E-Commerce haben das Interesse der Verlage in den letzten Jahren geweckt. Das „neue Gold“, wie es Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner nannte, scheint allerdings noch nicht gefunden zu sein.

Die Suche nach geeigneten Querfinanzierungsstrategien geht also weiter. In den vergangenen Monaten haben einige Medienhäuser weiter in ihre Diversifizierung investiert und dabei verschiedene Ansätze gewählt. Folgende Geschäftsfelder scheinen demnach besonders vielversprechend.

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1. Digital- und Vergleichsplattformen

Ein Geschäftsfeld, das zuletzt besonders häufig auf der Investitionsagenda von Medienhäusern stand, sind digitale Plattformen. Sie eröffnen nicht nur zusätzliche Erlösquellen, sondern lassen sich auch eng mit bestehenden redaktionellen Angeboten und Reichweiten verknüpfen. Besonders interessant scheinen dabei Plattformmodelle zu sein, die Nutzer und Anbieter zusammenbringen oder Produkte und Dienstleistungen vergleichen.

Ein Beispiel kommt von der Essener Funke Mediengruppe. Sie hat ihr Listing-Portfolio um die zwei Miet-Plattformen Erento und Campanda erweitert. Die Plattform Erento gilt seit seiner Gründung im Jahr 2003 als Pionier der Sharing Economy in Deutschland und vermittelt nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Mietanfragen pro Jahr – von Sportwagen und Oldtimern über Event-Equipment wie Bühnen und Tontechnik bis zu Dienstleistungen wie Show-Acts. Campanda wiederum vermittelt rund 26.000 Wohnmobile in mehr als 40 Ländern.

Die Tochtergesellschaft Funke Digital hat die Plattformen vom österreichischen Medienhaus Russmedia übernommen, das bislang größter Anteilseigner beider Portale war. Beide Marken werden nun der Listaro Group zugeordnet, einer Ende April 2026 gegründeten Einheit von Funke Digital, in der seitdem das Listing-Portfolio gebündelt wird. Dazu zählen bereits Angebote wie das Vermietungsportal Monteurzimmer.de sowie Ferienunterkunfts-Angebote wie Pension.de und Hundeurlaub.de.

Die Börsenmedien AG aus Kulmbach (u.a. Der Aktionär, Börse Online und Euro) hat wiederum die Mehrheit an der Finanzwissen GmbH übernommen und deren Plattform finanzwissen.de in die Unternehmensgruppe integriert. Finanzwissen.de wurde 2021 von fünf Gründern aufgebaut und betreibt eine Plattform für Finanzbildung und Produktvergleiche. Im Mittelpunkt stehen unabhängige Vergleiche von Brokern, Banken, Kreditkarten und Anlageprodukten sowie redaktionelle Inhalte zu ETFs, Aktien, Kryptowährungen und persönlichen Finanzen.

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Die Börsenmedien AG stärkt mit der Transaktion einerseits ihr Content-Angebot und setzt andererseits verstärkt auf das Affiliate-Geschäftsmodell, bei dem Erlöse durch die Vermittlung von Finanzprodukten entstehen. Zuletzt hatte das Unternehmen außerdem das Trading-as-a-Service-Angebot der Brokerize GmbH in seine digitalen Angebote integriert, um Nutzern das direkte Handeln aus Artikeln und Kurslisten heraus zu ermöglichen.

Ein anderes Beispiel (das auch zeigt, wie neue Erlössäulen auch ohne Zukäufe aufgebaut werden können) lässt sich bei der Bild-Gruppe finden: Die Marke aus dem Hause Axel Springer hat das neue Job-Portal „Bild Jobs“ auf den Markt gebracht. Die Plattform betreibt Bild gemeinsam mit der Recruiting-Plattform HeyJobs aus Berlin. Auf Bild.de/Jobs sind zum Start rund 20.000 Job-Angebote zu finden. Der Fokus liegt auf Stellen für Fachkräfte, Arbeiter und Angestellte. Interessierte können Job-Slots direkt bei Bild.de buchen. Arbeitgeber sollen unter anderem von der Reichweite der Bild-Gruppe mit mehr als 25 Mio. digitalen Nutzern im Monat profitieren.

2. Events

Ein zweites beliebtes Geschäftsfeld, das sich ebenfalls gut mit den bestehenden redaktionellen Angeboten verknüpfen lässt, ist der Eventbereich.

So investiert beispielsweise die Kölner DuMont-Gruppe weiter in ihr Live-Entertainment-Angebot. Nachdem das Regionalmediengeschäft von DuMont 2025 bereits die Plattform für Freizeit- und Veranstaltungsempfehlungen 'Rausgegangen' erworben hatte, folgte dieses Jahr eine Mehrheitsbeteiligung an der Dreamlight Labs GmbH. Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben um eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen im europäischen Live-Entertainment. Das 2024 gegründete Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet eigene Veranstaltungsformate – von Anime-Konzerten über True-Crime-Shows bis hin zu Kinderevents – und ist damit in mehr als 70 Städten in fünf europäischen Ländern aktiv. Gemeinsam mit 'Rausgegangen' soll eine integrierte Plattform für Communities und Eventformate entstehen.

Axel Springer wiederum hat in diesem Bereich in den USA zugekauft. Seit März 2026 gehört Bisnow zu dem Konzern. Dabei handelt es sich um einen 2005 gegründeten Anbieter von Nachrichten, Live-Events und B2B-Lösungen im Bereich globaler Gewerbeimmobilien. Zielgruppe sind Entscheider im Immobilien-Ökosystem. Geld verdient das Unternehmen unter anderem mit den Events sowie mit Branded-Content- und Recruiting-Lösungen. Axel Springer will Bisnow mit der bereits zum Konzern gehörenden Morning Brew Inc. zusammenführen.

Und auch Heise Medien aus Hannover ist im Eventbereich bereits aktiv und bietet verschiedene Veranstaltungen für IT-Professionals an. Vergangenes Jahr hatte das Team den Eventbereich neu strukturiert und sämtliche Konferenzen, Workshops und Webinare für IT-Professionals von Heise Medien und der Tochter SIGS Datacom mit Sitz in Troisdorf in der neuen Tochtergesellschaft Heise Conferences gebündelt. In diesem Zuge hat Heise auch die Medizintechnikmessen von HLMC Events im Rahmen eines Asset Deals übernommen. Ziel ist es, führender Anbieter von Veranstaltungen rund um die Themen Digitalisierung und KI zu werden.

3. Sport & Livestreaming

In einem zunehmend fragmentierten Digitalmarkt setzen Verlage verstärkt auch auf Inhalte, die Nähe und Leidenschaft erzeugen. In diesem Kontext entwickelt sich unter anderem Sport-Livestreaming für Regionalverlage zum echten Wachstumstreiber. Die Funke Mediengruppe sieht Regionalfußball-Streaming beispielsweise als attraktives Feld. Daher hat das Team das entsprechende Angebot seiner Zeitungen in Thüringen ausgebaut. Konkret arbeitet der Tochterverlag Funke Medien Thüringer unter Führung von Michael Tallai mit dem Lizenzinhaber Ostsport.TV zusammen.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden mehrere Spiele per Lizenz-Deal auf den Online-Portalen der Funke-Zeitungen übertragen. Der Lizenz-Deal wurde nun für die kommenden zwei Saison auf mehr als 60 Spiele ausgeweitet, wie es von Verlagsseite heißt. Bestehende Digital-Abonnenten der Funke-Zeitungen können die Regionalfußball-Livestreams kostenfrei schauen. Nicht-Abonnenten können einzelne Spiele für fünf Euro buchen und sollen zusätzlich einen fünftägigen Zugang zu den Bezahlinhalten der Thüringer Funke-Portale erhalten.

Darüber hinaus hat Axel Springer sein internationales Sportgeschäft erweitert und die Mehrheit an der brasilianischen Fußball-App Futez übernommen. Zudem beteiligte sich das Unternehmen an der israelischen KI-Plattform Marquee. Futez wurde 2025 von den brasilianischen Gründern João Tomazetti Scholz und Giuliano Reginatto gestartet. Nutzer können dort Spiele und Spieler bewerten, Rezensionen verfassen sowie die Stimmung im Stadion oder Schiedsrichterleistungen einordnen. Bei Marquee handelt es sich um ein 2025 gegründetes israelisches Sporttech-Unternehmen, das Tracking-Daten, Videomaterial und Scouting-Berichte aus verschiedenen Quellen in einer KI-gestützten Analyseplattform bündelt. Über den Fußball hinaus arbeitet Marquee bereits an einer Basketball-Anwendung und kooperiert dabei mit Teams aus NBA und EuroLeague.

Zudem ist Axel Springer für Bild und Sport Bild eine strategische Partnerschaft mit der National Football League (NFL) eingegangen. Damit erweitern die Medienmarken ihre Berichterstattung rund um die NFL. Dafür erhielt die Bild-Gruppe umfassende Video-Lizenzinhalte der NFL. Weiterer zentraler Bestandteil der Partnerschaft sind gemeinsame Marketingaktivitäten und Events.

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