Pay-TV verzeichnet mehr Abos bei schrumpfenden Erlösen
Pay-TV-Abonnements und Streaming-Abos legen in Deutschland trotz wirtschaftlich angespannter Lage erneut zu – während sich die Umsätze der beiden Segmente zunehmend auseinanderentwickeln. Das ergeb die Marktpublikation „Pay-TV & Paid-VoD in Deutschland 2025/2026“ vom Berliner Verband Privater Medien (VAUNET).
Demzufolge stieg die Zahl der Pay-TV-Abonnements 2025 auf 15,8 Millionen (2024: 15,2 Millionen). Für das laufende Jahr 2026 rechnet der Verband mit einem weiteren Anstieg um rund drei Prozent auf 16,4 Millionen. Parallel dazu wuchs die Zahl der SVoD-Abonnent*innen 2025 auf 25,9 Millionen (2024: 25,4 Millionen); für 2026 wird ein Plus von drei Prozent auf 26,7 Millionen prognostiziert.
Bei den Umsätzen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die Gesamterlöse aus Pay-TV und Paid-Video-on-Demand blieben 2025 mit 5,5 Milliarden Euro stabil auf dem Niveau des Vorjahres. Für 2026 erwartet der VAUNET einen leichten Anstieg um 1,3 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro.
Auseinanderdriftende Kennzahlen
Dass die Abonnentenzahlen im Pay-TV zunehmen, während die Umsätze rückläufig sind, führt VAUNET-Geschäftsführer Frank Giersberg auf einen zunehmend ausdifferenzierten Markt zurück: Es gebe inzwischen auch Angebote mit weniger Programmen zu niedrigeren Preisen, wodurch sich das Verhältnis von Umsatz zu Abonnement verändere. Einen Trend zu häufigeren Anbieterwechseln sieht der Verband in seinen Daten nicht – zugleich bestünden weiterhin viele Mehrfachabonnements pro Haushalt.
Giersberg ordnete die Entwicklung insgesamt so ein: „Die Zahlungsbereitschaft für Pay-TV und Video-Streamingdienste bleibt in Deutschland auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auf Rekordniveau. Größtes Wachstumssegment sind die Streamingdienste, aber auch die Nachfrage nach Pay-TV-Programmen bleibt auf sehr hohem Niveau. Einnahmen aus Abo-basierten Geschäftsmodellen sind – neben der Werbung – unverzichtbare Refinanzierungsgrundlage audiovisueller Medien und müssen von Politik und Regulierung durch positive Rahmenbedingungen in ihrer Entwicklung gestärkt werden.“
Ähnlich äußerte sich Saevar Lemke, Geschäftsführer von Spiegel TV Geschichte + Wissen und Vorsitzender des VAUNET-Arbeitskreises Pay-TV: „Die stabile Marktentwicklung bestätigt die anhaltende Wertschätzung für exklusive, qualitativ hochwertige Inhalte. Diese Beständigkeit ist ein klares Zeichen hoher Zuschauerloyalität und unterstreicht das anhaltende Vertrauen in die vielfältigen Pay-TV-Marken und SVoD-Angebote unserer Mitglieder und Plattformpartner, die mit viel Sorgfalt und Leidenschaft kuratiert werden. Unsere Sender Spiegel Geschichte und Curiosity Channel vereinen dabei lokale Relevanz und globale Perspektiven zu einem Premium-Doku-Portfolio, das durch unseren Streaming-Dienst Curiosity Stream abgerundet wird.“
Zu den bekanntesten Pay-TV- und Pay-TV-on-Demand-Plattformen in Deutschland zählen laut VAUNET:
- Sky Deutschland
- Vodafone GigaTV
- MagentaTV (Telekom Deutschland)
- PŸUR (Tele Columbus AG)
- DAZN
- 1&1
- Prime Video Channels (Amazon)
- waipu.tv (Exaring AG)
- Zattoo
Ergänzt wird das Angebot durch Joyn+ und RTL+, die ebenfalls Pay-TV-Inhalte bereitstellen, sowie durch regionale Anbieter wie NetCologne und sogenannte Primetime-Kanäle auf YouTube. Je nach Abonnement könnenKunden zwischen verschiedenen Programm-Bouquets wählen, die neben Basispaketen unterschiedliche Kombinationen aus Sport-, Film-, Serien-, Kinder- und Fremdsprachenangeboten bündeln – häufig aus einer Mischung linearer und nicht-linearer Inhalte.
Wie stark die Aggregations-Logik als Wachstumstreiber wirkt, betonte auch Nicole Agudo Berbel, Geschäftsführerin und Chief Distribution & Partnerships Officer bei ProSiebenSat.1: „Der Streaming-Markt wächst weiter. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Kombination aus Content, Aggregation und einfachem Zugang. Darauf setzen wir auch bei Joyn und schaffen so zusätzliches Wachstumspotential: Joyn ist als werbefinanziertes Angebot mit seinem hochkarätigen Inhalte-Portfolio und unseren Formaten wie aktuell „Joko & Klaas machen Urlaub“ bei den Zuschauer*innen überaus erfolgreich. Außerdem vereint Joyn als Aggregator vielfältige Inhalte unterschiedlicher Partner. Das macht die Plattform mit zuletzt 12 Millionen Zuschauer*innen noch attraktiver.“
Der SVoD-Markt hat sich dabei über einen deutlich längeren Zeitraum dynamisch entwickelt: Seit 2018 hat sich die Zahl der SVoD-Abonnenten in Deutschland nach VAUNET-Angaben nahezu verdoppelt. Das Wachstum von 2024 auf 2025 fiel mit 2,0 Prozent zwar moderater aus als in den Vorjahren, der langfristige Trend zeigt aber weiterhin nach oben – auch weil sich der gesamte VoD-Streaming-Markt in Deutschland innerhalb der vergangenen Jahre insgesamt sehr dynamisch entwickelt hat.
Auch der Prozentsatz an Streaming-Abonnenten konnte im Vorjahresvergleich wachsen - Abbildung: Vaunet
Konsolidierung und neue Streaming-Konkurrenz prägen den Markt
Die Branchenstimmen aus der VAUNET-Mitteilung fallen dabei in eine Phase spürbarer Marktbewegung. RTL Deutschland hatte die Übernahme von Sky Deutschland (DACH) von Comcast zum 1. Juni 2026 abgeschlossen. Aus der Transaktion entsteht ein Unternehmen mit rund 12,3 Millionen zahlenden Abonnent*innen; RTL erwartet daraus binnen drei Jahren jährliche Synergien von 250 Millionen Euro. Henning Nieslony, Executive Vice President Streaming bei RTL Deutschland, ordnete den Schritt so ein: „Im deutschen Markt steckt noch viel Potenzial für Bezahlinhalte – wenn Angebote konsequent aus Sicht der Kundinnen und Kunden gedacht werden. Die Nachfrage nach starken Inhalten ist da, die Zahlungsbereitschaft auch. Neues Momentum entsteht durch klarere Angebote, einfache Zugänge und starke Inhalte. Mit RTL und Sky können wir Entertainment und Sport künftig aus einer Hand gezielter entwickeln und neue Wachstumschancen erschließen.“
Zusätzliche Konkurrenz kommt von Warner Bros. Discovery, das seinen Streaming-Dienst HBO Max am 13. Januar 2026 in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein startete – hierzulande unter anderem über ein exklusives Bundle mit RTL+ sowie über waipu.tv und Amazon Prime Video. Laut eigenen Angaben lag die Abonnentenentwicklung in Deutschland und Großbritannien nach dem Start über den internen Erwartungen des Konzerns. Matthias Heinze, SVP Commercial & Managing Director GSA bei Warner Bros. Discovery, kommentierte: „Die aktuellen VAUNET-Zahlen zeigen die anhaltend hohe Nachfrage nach hochwertigen Bewegtbildangeboten. Der erfolgreiche Start von HBO Max ist der beste Beweis dafür. Für uns ist das Ansporn, weiter in starke Inhalte wie 4 Blocks Zero oder die kommende Harry-Potter-Serie zu investieren und gemeinsam mit starken Partnern neue Reichweiten für unser Publikum zu erschließen.“
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Auch Eun-Kyung Park, SVP & Country Manager GSA bei The Walt Disney Company, wertete die wachsenden Abonnentenzahlen als Bestätigung der eigenen Strategie: „Streaming ist heute ein selbstverständlicher Teil der Mediennutzung. Die Entwicklung zeigt, dass sich Plattformen und Verbreitungswege zunehmend ergänzen und gemeinsam Mehrwert für Nutzerinnen und Nutzer schaffen. Dass die Zahl der Bezahl-Abonnements weiter steigt, bestätigt unseren Weg: Wir investieren in hochwertige Inhalte, innovative Nutzererlebnisse und starke Partnerschaften, damit unsere Angebote überall verfügbar sind, wo unser Publikum sie erwartet.“
Vivian Katharina Bissel 15.09.2026







